Chance für Schutzgebiete in Montenegro
Die Bevölkerung Montenegros hat sich am 21. Mai 2006 für die Bildung eines eigenen Staates ausgesprochen. Damit ist für EuroNatur die Hoffnung verbunden, dass die neue Regierung die Ausweisung von Schutzgebieten endlich in Angriff nehmen wird. In einem Brief an den montenegrinischen Ministerpräsidenten Djukanovic verdeutlicht EuroNatur die Dringlichkeit von Schutzgebietsausweisungen in Montenegro.
... zum Brief an den Ministerpäsidenten (pdf-Dokument, 77 kb)
Arche Noah an der Adria
Seit 2003 engagiert sich EuroNatur im Grenzgebiet zwischen Montenegro und Albanien an der Adria. Wir wollten ein Vogelparadies an einer der wichtigsten Drehscheiben des Vogelzugs retten. Früh haben wir erkannt: Es geht noch um sehr viel mehr. Die Vögel waren, wie so oft, Anzeichen für ein wichtiges Naturpotenzial. Doch was wir vorfanden, ist eine wahre Arche Noah. Auf eine solche Vielzahl seltener Arten waren wir nicht gefasst. Umso mehr lohnt es sich, die Lebensräume in der Bojana-Buna-Region umfassend und nachhaltig zu sichern. Damit steuern wir ein großflächiges Verbundsystem wertvollster Biotoptypen ins moderne Europa, in dem es derartige Landschaften nur noch selten gibt.
Hierfür müssen nicht nur Nutzungseinschränkungen in den sensiblen Zonen durchgesetzt, sondern auch die Weichen für eine naturverträgliche Entwicklung der Region gestellt werden. Menschen und Wildtiere sollen nebeneinander existieren und voneinander profitieren. Aber die Zeit drängt. Gerade jetzt, im Übergang zwischen einem totalitären Regime und der noch nicht ganz gelungenen wirtschaftlichen wie sozialen Anpassung an die neuen Möglichkeiten und Erfordernisse ist die Gefahr besonders groß, dass Naturschätze in einer Phase unkontrollierter Entwicklung unter die Räder kommen.
Deshalb setzen wir uns mit voller Kraft für diesen ökologischen Baustein und im Verbund mit anderen Lebensräumen für eine Natur ohne Grenzen ein.
- Vom Skutari-See zur Adria bildet der Bojana-Fluss (auf albanischer Seite heißt er Buna) die Grenze zwischen Montenegro und Albanien. Mit seinem gewundenen Lauf und seinem Delta hat er ein Verbundsystem unterschiedlichster Biotope geschaffen.
- Auf beiden Seiten der Grenze erstrecken sich auf einer Länge von insgesamt 26 Kilometern weitgehend naturbelassene Sanddünenstrände.
- Auf der Insel Ada legt die Meeresschildkröte (Caretta caretta) ihre Eier ab. Die bereits geschützte jagdfreie Zone der Insel ist eines der letzten Rückzugsgebiete des Goldschakals in Albanien und Montenegro.
- Ein herrlicher Auwaldgürtel zieht sich von der Insel Ada neun Kilometer weit auf beiden Seiten der Bojana entlang. Dazu gehört das Velipoja-Schutzgebiet mit seiner ungewöhnlich reichen Vogelwelt. Hier brüten z.B. Löffler und Zwergscharben in Gemeinschaft mit verschiedenen Reiherarten.
- Die Viluni-Lagune ist ein Schlaraffenland für Wat- und Wasservögel und ein hervorragendes Laichgebiet für Meeräsche, Steinbutt und Seezunge.
- Das Salinenareal von Ulcinj - von EuroNatur als Vogelparadies inzwischen weitgehend gesichert - ist ideal zur Vogelbeobachtung. Unzählige brütende und durchziehende Vögel geben sich hier ein Stelldichein.
- Noch ist der Sasko-See eine der reichhaltigsten Kinderstuben für Süßwasserfische in der Region und ein wichtiger Futterplatz für Pelikane und andere Wasservögel. Ein „Teppich“ überwinternder Vögel bedeckt im Winter oft die Wasseroberfläche.
- Gleich hinter dem flachen Land, das die Bojana mit ihrem Delta geschaffen hat, erhebt sich steiles Bergland, teils kahl und abweisend, teils mit Macchie und Hartholz bewachsen. Von dort herab wagt sich manchmal noch ein Braunbär bis in die Dünen am Meer, um nach angeschwemmten Fischen und Muscheln zu suchen. So urtümlich ist diese Landschaft noch.
Kostbare Natur
Von ganz eigenem Reiz ist der Skutari-See, der größte der Balkan-Seen mit seinen zahlreichen Inseln und Buchten, bedeckt von Seerosenteppichen und umsäumt von Blumen- und Orchideenwiesen. Neben ihrer landschaftlichen Schönheit ist die Bojana-Region aber auch von außerordentlichem ökologischem Wert. In den flachen Gewässern der zahlreichen Lagunen, Seen und Teiche wachsen ungeheure Mengen von Fischbrut auf. So ist auch für Reiher und Pelikane, die sehr viel Fisch brauchen, der Tisch immer reichlich gedeckt. Sogar Tümmler schwimmen manchmal den Fluss hoch - ein sonst seltenes Verhalten und untrüglicher Hinweis auf den Nahrungsreichtum der Bojana.
Das Mosaik der Feuchtgebiete ist außerdem wichtiger Wanderkorridor für Fischotter und andere wandernde Arten von der Adria ins Landesinnere.
Hinter den sandigen Dünenstränden erstrecken sich weite, saisonal überschwemmte Feuchtwiesen und steppenartiges Grasland. Baljusa-Schafe und Busa-Rinder, beides landschaftsangepasste, nur dort vorhandene Weidetierrassen, garantieren hier die beste Biotoppflege und damit eine Fülle an Wildkräutern, Käfern, Insekten und anderen Kleintieren, die überwinternden Vögeln, darunter Groß- und Zwergtrappen, Nahrung bieten.
Die im Text genannten Arten sind nur einige wenige Beispiele aus der ungewöhnlichen Vielzahl von Tieren und Pflanzen der Bojana-Region.
Handeln, bevor es zu spät ist!
Zwar ist das Verbundsystem der artenreichen Biotope in der Bojana-Buna-Region noch weitgehend unversehrt. Trotzdem sind Gefahren und örtlich bereits sogar schon ernsthafte Probleme sichtbar.
An Sonn- und Feiertagen findet in den Dünen ungeregelter Badebetrieb statt mit Zelten und Lagerfeuer; Autos und Motorräder fahren durch den weichen Sand bis an den Saum des Wassers vor. Der Auwald am Fluss ist größtenteils ungeschützt. Dem Sasko-See droht unter anderem die Anlage von Aqua-Kulturen mit negativen Auswirkungen auf die natürliche Fischbrut. Zudem hat die Vogeljagd extreme Ausmaße angenommen - auch mitten in Schutzgebieten, außerhalb der Jagdzeiten, mit unerlaubten Mitteln und ohne Rücksicht auf geschützte Arten. Diesen Missständen haben wir den Kampf angesagt!
Unser erstes großes Teilprojekt ist schon gelungen: die Sicherung der 1.500 ha großen Saline von Ulcinj, in der wir 214 Vogelarten dokumentieren konnten. Hier soll die erste Anlaufstelle für naturinteressierte Besucher in der Region entstehen.
Ein gut gelenkter Naturtourismus, welcher das Erlebnis der wunderschönen, artenreichen Landschaft ermöglicht, ohne sie zu zerstören, ist notwendig. Gerade auch beim Kampf gegen die Vogeljagd erhoffen wir uns hierdurch wichtige Impulse. Denn Naturtourismus und Vogeljagd vertragen sich nicht.
Wir kämpfen gegen die zügellose Vogeljagd in der gesamten Region, fordern verkürzte Jagdzeiten und ein generelles Jagdverbot an der Küste und in den Schutzgebieten.
Neben der Finanzierung von Rangerausrüstung wollen wir geeignete Hilfskräfte ausbilden.
Wir setzen uns gegen die Zerstörung der Strände und Dünen durch illegale Bauten, ungeregelten Freizeitbetrieb und parkende Autos ein. Wir zeigen konkrete naturverträgliche Lösungen auf und unterstützen den Aufbau von Besucherinformationen und Orientierungshilfen.
Mit voller Kraft für die Rettung einer Natur ohne Grenzen
Gemeinsam mit Regierungsstellen in Albanien und Montenegro sowie Naturwissenschaftlern beider Länder arbeiten wir an einem Zonierungskonzept für ein grenzüberschreitendes Großschutzgebiet.
Parallel treiben wir die Ausweisung von Schutzgebieten für besonders heikle Biotope voran und sorgen für eine bessere Überwachung bestehender Schutzgebiete.
Dies ist der Weg zur Rettung eines einzigartigen
Naturerbes an der Adria. Wie weit wir auf diesem Weg kommen, entscheidet die Hilfe unserer Spender.
Eine Traumlandschaft im Dornröschenschlaf
hat im Grenzgebiet an der Bojana das letzte Jahrhundert überdauert. Doch mit dem politischen Wandel drohen nun auch hier die Gefahren, die schon so viele Landschaften am Mittelmeer - der Wiege Europas - zerstört haben. Schnelles Handeln ist nötig, damit diese übervolle Schatzkammer der Natur als unverzichtbares Rastgebiet unserer Zugvögel und letzte Heimat vieler gefährdeter Arten an der Adria erhalten bleibt.
Der Countdown läuft.
Unser Projektstart war erfolgreich. Jetzt zählt jeder Euro, den Sie spenden können.
Helfen Sie mit!
Wir bitten herzlich um Ihre Hilfe! Jede Spende wird dringend benötigt!
Spenden statt Steuern zahlen:
Die deutschen Finanzbehörden erkennen unsere Arbeit als besonders förderungswürdig an. Spenden an gemeinnützig anerkannte Stiftungen sind erhöht abzugsfähig. Wenn Sie an die Stiftung Europäisches Naturerbe spenden, können Sie also zusätzlich zu den von der Höhe Ihrer Jahreseinkünfte abhängigen abzugsfähigen Beträgen bis zu 20.450,- Euro pro Jahr steuerlich geltend machen.
Als regelmäßiger Förderer (ab 6 Euro monatlich) ermöglichen Sie lebensrettende Maßnahmen für Zugvögel und andere Wildtiere. Sie können aber auch ganz gezielt das vorgestellte Vorhaben mit einer Spende fördern.
Arbeiten mit Kopf und Herz!
EuroNatur-Projekte verdienen Ihr Vertrauen. Alle Projektbeteiligten sind fachkundige Spezialisten oder werden von solchen angeleitet. Alle Maßnahmen und Aktivitäten basieren auf gesicherten wissenschaftlichen Grundlagen.
Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur)
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