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EuroNatur-Newsletter Ausgabe Nr. 1 - 2006



Vogelgrippe und Zugvögel

Mit dem Ausbruch der Vogelgrippe in der Türkei wird die mögliche Verbreitung der gefährlichen H5N1-Viren durch Zugvögel wieder verstärkt diskutiert. In der Tat hat es vereinzelt Fälle der Verbreitung der gefährlichen Vogelkrankheit durch Zugvögel gegeben. In Kroatien verendeten Ende Oktober sechs Höckerschwäne, die 40 Tage zuvor in Ungarn in der Region um Hórtobagy beringt worden waren. Viel gefährlicher ist aber aus Sicht von EuroNatur der legale und vor allem der illegale Handel mit Wildvögeln. Erst jetzt bekannt geworden ist ein haarsträubender Fall, der sich bereits im Oktober 2004 ereignete: am Flughafen in Brüssel wurde ein Vogelschmuggler mit zwei lebenden Berghauben-Adlern im Handgepäck festgenommen, die er im Auftrag eines belgischen Falkners in Bangkok auf einem Vogelmarkt gekauft hatte. Beide Vögel waren an der gefährlichen H5N1-Vogelgrippe erkrankt. Insgesamt werden in die Europäische Union pro Jahr auf legale Weise 1,75 Millionen lebende Wildvögel eingeführt. EuroNatur fordert den Handel mit Wildvögeln drastisch einzuschränken und vehement gegen den illegalen Handel mit Tieren vorzugehen. Das sind die wirksamsten Maßnahmen gegen die Verbreitung der Vogelgrippe.

taz-Artikel zum Fund in Brüssel

Ein Bild vom Berghauben-Adler



Belozem in Bulgarien ist das Europäische Storchendorf 2005

Mit der Auszeichnung „“Europäisches Storchendorf“ ehrte EuroNatur die 5.000 Einwohner zählende Gemeinde, die im Süden Bulgariens in der Nähe Plovdivs liegt, für ihre Verdienste zum Schutz der Weißstörche und ihrer Lebensräume. 23 Weißstorchpaare haben im Jahr 2005 erfolgreich in Belozem gebrütet und dabei 59 Jungvögel aufgezogen. Allein auf dem Schulgebäude von Belozem beziehen jedes Jahr 14 Storchenpaare Quartier. Belozem liegt in den Auen des Maritsa, des größten bulgarischen Flusses. Extensiv bewirtschaftete Feuchtwiesen, Weiden und Reisfelder schaffen hier paradiesische Bedingungen für Weißstörche und viele andere Arten. Weißstörche benötigen pro Brutpaar eine Fläche von etwa 250 Hektar zur Nahrungssuche und sind Indikatoren für intakte Ökosysteme. Trotz positiver Entwicklungen in einigen Regionen ist der Weißstorch in Europa nach wie vor bedroht, denn der Einbruch der Bestände zwischen 1970 und 1990 ist noch längst nicht verkraftet. Mit rund 5.000 Storchenpaaren gehört Bulgarien zu den Ländern, die noch einen bedeutenden Bestand aufweisen. Belozem ist bereits das neunte von EuroNatur ausgezeichnete Europäische Storchendorf.

Mehr Info zu den Europäischen Storchendörfern

Hören Sie das Klappern des Weißstorches



Israel: Rollendes Naturerlebnis

Eli Galili, Bauer im Kibbuz Ayelet Ha‘Shachar, kümmert sich gemeinsam mit den Naturschützern der israelischen EuroNatur-Partnerorganisation SPNI (Society for the Protection of Nature in Israel) im Hula-Tal im Norden Israels um die Ablenkfütterungen der Kraniche. Um die 10.000 Kraniche, die jedes Jahr im Hula-Tal überwintern, von den Feldern der Bauern fern zu halten und dadurch vor Nachstellungen zu schützen, fährt Eli Galili regelmäßig Futter mit dem Traktor aus. Die sonst sehr scheuen Kraniche haben sich inzwischen an sein lärmendes Gefährt gewöhnt und da kam ihm eine Idee: Ein Anhänger wurde kurzerhand zur Beobachtungsplattform umgebaut und nun kann Eli auf jeder Fütterungstour 16 Vogelfreunde mitnehmen, welche dann aus wenigen Metern Entfernung die Kraniche wunderbar beobachten können! EuroNatur unterstützt das Kranichprojekt im Hula-Tal seit seinem Beginn Mitte der 90er Jahre. Heute richten die Kraniche kaum noch landwirtschaftliche Schäden an; dafür lockt der Hula-Naturpark alljährlich Tausende Naturliebhaber in das Tal. Unter den vielen Greifvögeln und Enten, die auf dem Herbstzug im Hula-Tal gesichtet wurden, waren auch seltene Arten wie Schelladler, Steinadler, Mönchsgeier und Rostgans. Und im internationalen Beobachtungszentrum der SPNI im Jordan-Tal wurde ein in Deutschland beringtes Blaukehlchen registriert! SPNI sucht ehrenamtliche Helfer mit guten Englischkenntnissen für seine Naturschutzzentren.

www.birds.org.il

Hören Sie den Gesang des Blaukehlchens



EuroNatur-Partner in Bulgarien entlässt Kaiseradler in die Freiheit

Am 14. Oktober 2005 konnte Gradimir Gradev von EuroNatur-Partner „Green Balkans“ in Bulgarien einen der seltenen Kaiseradler in die Freiheit entlassen. Das von Hunger geschwächte Jungtier war im Juni in das Wildlife Rescue Center von Green Balkans gebracht worden. Dort wurde es wieder aufgepäppelt und gesund gepflegt. In einer speziellen Voliere lernte das Adlerweibchen zwei Monate lang zu fliegen und selbständig Beute zu machen. Nun kreist es auf der Jagd nach Zieseln und Mäusen über den bulgarischen Sakar-Bergen und wird hoffentlich bald selbst für Nachwuchs sorgen. Der Kaiseradler kommt in den Steppengebieten Osteuropas und Asiens vor. Sein Bestand verringert sich rapide. Weltweit gibt es weniger als 10.000 Tiere.

www.greenbalkans.org

Hören Sie einen Kaiseradler an seinem Horst