Zugvogel-Newsletter Nr. 2, April 2006
Die Ostereier legt der Kiebitz
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Nicht der Osterhase, sondern frühbrütende Vogelarten wie der Kiebitz lieferten die Ostereier bevor diese aus Schokolade hergestellt und in Aluminium verpackt in die Nester der Kinder wanderten. Bekanntester Kiebitzeier-Liebhaber in Deutschland war Reichskanzler Otto von Bismarck. Von den getreuen Friesen aus Jever bekam er jedes Jahr zu seinem Geburtstag am 1. April die ersten 101 Kiebitzeier geschenkt. Heute wird der Kiebitz, mit seinem Federschopf, dem markanten „kiuwit“-Ruf und dem auffallenden Schaukelflug immer seltener. Über die Hälfte der Brutpaare ist in den letzten Jahren aus Deutschland verschwunden und es geht weiter abwärts. Über 50 Prozent des Weltbestandes des Kiebitzes leben in Europa und nach Angaben von BirdLife International schrumpfte dieser europäische Bestand in den letzten Jahren um über 30 Prozent. Neben dem Verschwinden seines Lebensraumes aus Feuchtwiesen ist die Jagd nach wie vor eine der größten Bedrohungen. Allein in Frankreich werden jedes Jahr schätzungsweise eine halbe Million Kiebitze geschossen.
Vogelgrippe - Massentierhaltung fördert Viren und Bakterien
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Tiertransporte und industrielle Massentierhaltung bergen nach Einschätzung von EuroNatur ein weit höheres Verbreitungsrisiko als Wildvögel. Im Hinblick auf die Übertragbarkeit auf den Menschen ist das Risiko sogar wesentlich höher, da der Kontakt zu Menschen ungleich enger ist, als bei freilebenden Vögeln. Ganz falsch ist deswegen auch ein Festhalten an der Käfighaltung von Geflügel, wie sie jetzt von einigen Befürwortern der Agrarindustrie gefordert wird. Viele Experten sehen in der industrielle Tierhaltung nicht die Lösung sondern die Ursache des Problems. Der Stress dem Tausende auf engstem Raum zusammengepferchte Tiere ausgesetzt sind, schwächt auch ihr Immunsystem. Viren und Bakterien haben es dann besonders leicht. Wildtiere dagegen werden mit den Krankheitserregern meist viel besser fertig.
Mehr zum Thema:
EuroNatur-Pressemitteilung zur Vogelgrippe vom 13.3.2006
"Die Seuche aus der Hühnerfabrik" - Financial Times Deutschland vom 3.3.2006
"Neue Pest, alte Angst" - Essay von Prof. Dr. J. H. Reichholf, Die Welt vom 7.3.2006
Pressemitteilung des Demeter-Verbandes vom 30.3.2006
60.000 Kraniche überwintern in der Extremadura
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Kranichatlas geplant
Auch den Winter 2005/2006 haben wieder rund 60.000 Kraniche in der spanischen Extremadura verbracht. Die EuroNatur-Partnerorganisation Adenex organisiert mit Unterstützung von EuroNatur und der Deutschen Lufthansa zahlreiche ehrenamtliche Helfer für die Zählungen und schützt die Wintergebiete vor Störungen und schädlichen Eingriffen. Bei ihren regelmäßigen Kontrollen der Fress- und Übernachtungsplätze erfassen die Adenex-Mitarbeiter jede negative Veränderung, die dort durch Bautätigkeiten oder die Landwirtschaft verursacht wird. Oft sind es nichtgenehmigte Hausbauten oder Rodungen der geschützten Steineichen, an deren Stelle dann bewässerte Olivenbaumkulturen angelegt werden. Illegale Aktionen meldet ADENEX umgehend den örtlichen Behörden oder erstattet Anzeige. Damit die Naturschützer die Kraniche noch effektiver schützen können, erstellen sie zurzeit einen Atlas der wichtigsten Überwinterungsplätze. Darin werden unter anderem die derzeitige Nutzung, die Eigenheiten der Plätze und die durchschnittliche Anzahl an Tieren verzeichnet sein.
Albanischer Jäger schießt Wiedehopf aus dem Spreewald
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Ein erst letztes Jahr im brandenburgischen Spreewald geschlüpfter Wiedehopf ist den Schrotkugeln eines albanischen Jägers zum Opfer gefallen noch bevor er das erste Mal sein Winterquartier erreichen konnte. Der junge Wiedehopf war am 6. Juli 2005 in Altzauche, im südlich von Berlin gelegenen Landkreis Dahme-Spreewald in der Bruthöhle beringt worden. Nur zwei Monate später, am 15. September wurde er im Bojana-Delta geschossen. Der Jäger hat die Ringe aufgehoben und im März EuroNatur-Mitarbeiter Borut Stumberger übergeben. Der Vorfall zeigt, dass die guten Kontakte unseres Teams zur lokalen Bevölkerung verstärkt genutzt werden müssen, um den Jägern den Wert der in Deutschland vom Aussterben bedrohten Vögel und deren Seltenheit in den nördlichen Brutgebieten zu verdeutlichen. Der Wiedehopf-Bestand in Deutschland, wird auf nur noch etwa 200 Brutpaare geschätzt - Tendenz fallend. Etwa zwei Drittel der Vögel brüten in Brandenburg.
Naturparadies Bojana-Delta
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Tausende Wasservögel tummeln sich in der Saline Ulcinj
EuroNatur wirkt: Das seit zwei Jahren auf Betreiben von EuroNatur durchgesetzte Jagdverbot in der montenegrinischen Saline Ulcinj ließ die Wasservogelzahlen in diesem Frühjahr weiter ansteigen. Während bei der Frühjahrszählung 2003 noch 3.000 - 5.000 Vögel gezählt wurden, waren es im März/April 2005 bereits 12.000 - 15.000. Dieses Jahr im März nutzten 32.000 Vögel das reiche Nahrungsangebot in den seichten Wasserbecken der Saline zur Stärkung auf ihrem Zugweg. Besonders erfreulich sind die Zahlen vieler in Europa immer seltener werdenden Arten: 600 Brandenten, 8.400 Knäkenten, 700 Bekassinen, 3.400 Uferschnepfen, 1.444 Rotschenkel und 140 Seeregenpfeifer hat das EuroNatur-Team gezählt. Besonders gefreut haben wir uns auch über 3 Flamingos, denn es wäre ein weiterer schöner Erfolg, wenn sich wieder eine Kolonie dieser attraktiven Vogelart in der Saline ansiedeln würde. Auch ein im EuroNatur-Projektgebiet an der kroatischen Save beringter Löffler wurde beobachtet, was zeigt, wie wichtig das EuroNatur-Netzwerk „Ökologische Bausteine Europas“ für den Vogelzug in Europa bereits ist und dass es sich lohnt, weiter in die Erhaltung wichtiger Zugvogel-Lebensräume zu investieren.
Europäische Storchendörfer aktiv
Die von EuroNatur ausgezeichneten Europäischen Storchendörfer haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen und den Dialog zwischen den einzelnen Dörfern intensiviert.
Fotowettbewerb Storch
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Das in der spanischen Extremadura gelegene Storchendorf Malpartida de Cáceres ruft alle Tierfotografen auf, bis zum 27. April 2006 ihre besten Storchenbilder einzuschicken. Dem Gewinner des Fotowettbewerbs winken 1.200 Euro in bar.
Belozem produziert Postkarte im Zeichen des Storches
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Das in 2005 ausgezeichnete bulgarische Storchendorf Belozem hat eine schöne Postkarte drucken lassen, die das Dorf und seine Störche in den Mittelpunkt stellt. Belozem meldete das Eintreffen der ersten beiden Störche bereits am 15. März. Am 28. April soll dann das erste Storchenfest in Belozem stattfinden. Weitere Storchenfeste: 24. - 25. Juni in Cigoc (Kroatien) und 29. - 30. Juli in Rühstädt (Deutschland).
Jagdsaison auf Malta eröffnet
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Kommt Verkürzung der Jagdzeiten?
Am 29. März hat die maltesische Regierung eine Neufassung der Schutzbestimmungen für Wildvögel veröffentlicht. Danach wird die Fallenjagd eingeschränkt und die Jagd von Schnellbooten aus verboten. Die Festlegung der Jagdzeiten soll auf Empfehlung eines Komitees erfolgen, in dem auch maltesische Vogelschützer sitzen. Das Gesetz tritt am 22. Mai in Kraft und es bleibt abzuwarten, inwieweit es den Schutz der Zugvögel und die Eindämmung der illegalen Jagd verbessern wird. Indes ist die Frühjahrsjagdsaison in vollem Gange. Vom 25. März bis 22. Mai sind Wachteln und Turteltauben zum Abschuss freigegeben, doch Maltas Jäger nutzen die Genehmigung auch zum massenhaften Abschuss geschützter und vom Aussterben bedrohter Greif- und Singvögel. Die meisten Tiere werden achtlos liegengelassen, besonders schöne und große Vögel landen in den Trophäensammlungen der Wilderer.
Hintergrund-Artikel zur Vogeljagd auf Malta aus dem EuroNatur-Magazin (pdf-Datei, 185 kb)
Die Zugvogel-Schutzprojekte von EuroNatur werden von der Deutschen Lufthansa unterstützt.
























