Zugvogel-Newsletter Nr. 3, Juni 2006
Moorenten in Dragoman
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Das Feuchtgebiet von Dragoman liegt im äußersten Westen Bulgariens an der Grenze zu Serbien und damit auch am Grünen Band Europas. Eingebettet in die umliegenden Karstberge liegen 300- 400 Hektar Wasserfläche, die im Sommer teilweise wieder austrocknen. EuroNatur hat gemeinsam mit der Balkani Wildlife Society die Ausweisung eines 600 Hektar großen Schutzgebietes erreicht, nachdem durch Mittel des Eeconet Action Fund (EAF) wichtige Flächen gekauft worden waren. Die diesjährige Brutsaison zeigte, dass sich die Schutzmaßnahmen und der Jagdstopp im Schutzgebiet bereits sehr positiv auswirken. Mit über 40 Moorenten-Brutpaaren hat sich der Bestand dieser weltweit bedrohten Art in den letzten drei Jahren verfünffacht. Weitere Besonderheiten der Brutsaison 2006: Ein Brutpaar der Löffelente (erster Brutnachweis in Bulgarien), sowie 4-5 Rohrdommeln und mehrere Wachtelkönige. Dragoman ist ein wichtiges Rastgebiet für Löffler und zahlreiche weitere Arten, darunter auch Kraniche. Ein grenzüberschreitendes Schutzgebiet mit Serbien ist das nächste Ziel. Das EuroNatur-Projekt in Dragoman wird von der Deutschen Lufthansa unterstützt.
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Webseite vom EuroNatur-Partner www.balkani.org
Öko-Tourismus in Dragoman: www.birdwatchingbulgaria.com
Pelagonien - Mekka für Rötelfalken
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EuroNatur-Mitarbeiter haben bei einer Reise im Süden Mazedoniens interessante Entdeckungen gemacht: In Pelagonien, einer Landschaft die am „Schwarzen Fluss“ (Crna reka) zwischen den Städten Bitola und Prilep liegt, zählten sie 2.500 Rötelfalken. Am zentralen Schlafplatz ließen sich über 1.000 Rötelfalken auf den Bäumen nieder und verwandelten Äste in Vogel-Trauben. Damit kann Pelagonien wohl weltweit die höchste Rötelfalken-Bevölkerungsdichte für sich verbuchen. Wo heute Falken auf Insektenjagd gehen, tummelten sich noch vor wenigen Jahrzehnten Pelikane und Seeschwalben: Vor der Trockenlegung im Jahr 1959 war der Landstrich, der auch Crna reka-Ebene genannt wird, eine ausgedehnte Sumpflandschaft, in der Hunderte Krauskopf- und Rosapelikane brüteten. Der Nord- und Zentralteil wird heute von ausgedehnten, extensiven Weiden geprägt. Neben den Rötelfalken bietet das Weideland auch Blauracke, Triel und vielen anderen seltenen Zugvögeln Lebensraum. Im Süden der Ebene an der Grenze zu Griechenland beherrschen Mais- und Tabak-Monokulturen das Bild.
Mehr zu Pelagonien in dem Artikel von EuroNatur-Projektleiter Dr. Martin Schneider-Jacoby und Dr. Borut Stumberger in der Juniausgabe von ORNIS - Zeitschrift des Schweizer Vogelschutzes
Erste brütende Seeadler in Holland
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Am 22. Mai 2006 konnte erstmals in Holland (Oostvaardersplassen - Flevoland) ein erfolgreich brütendes Seeadlerpaar beobachtet werden. Das brütende Weibchen wurde im Mai 2002 in Barsbek, Schleswig-Holstein geboren. Das nächstgelegene Brutpaar befindet sich 250 Kilometer weiter östlich in Niedersachsen. Damit hat sich die Art auf natürliche Weise weiter nach Westen ausgebreitet und die Chancen stehen gut, dass auch geeignete Lebensräume in Nordfrankreich oder England wiederbesiedelt werden. EuroNatur hatte sich vor einigen Jahren gegen die künstliche Aussetzung von Seeadlern in Holland ausgesprochen, da eine Ausbreitung der Wildpopulation zu erwarten war. Kaum jemand hatte aber damit gerechnet, dass dies so schnell erfolgen würde.
Homepage der Projektgruppe Seeadlerschutz Schleswig-Holstein
Bleimunition vergiftet Seeadler
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Trotz der Erfolge beim Seeadlerschutz bleibt das Jagd-Blei eine ernsthafte und häufige Gefährdungsursache für die majestätischen Greife, die mit bis zu 2,40 Metern Flügelspannweite zu den größten Vögeln der Welt zählen. Von 215 in Deutschland tot aufgefundenen Seeadlern, die seit 1990 untersucht wurden, hatten 27% tödliche Bleiwerte. Hinzu kommen nicht tödliche Bleivergiftungen. Bleivergiftungen sind weltweit bei mindestens 23 frei lebenden Greifvogel- und Eulenarten beschrieben. Dabei sind vor allem Aas fressende Arten betroffen. EuroNatur fordert von den Jägern einen verantwortungsvollen Umgang mit ihrer Munition - also den völligen Verzicht auf Bleimunition. Denn nicht nur Schrot hat negative Auswirkungen, sondern auch größere Geschosse, die für die Jagd etwa auf Wildschweine, Rehe oder Hirsche verwendet wird. Dabei gelangt das Blei über Splitter oder Abrieb in die Tiere. Der Wildaufbruch von mit Bleimunition erlegten Tieren muss unbedingt vergraben werden, um eine Vergiftung der Greife durch das Aas zu vermeiden.
Quelle: T. Langgemach et al. in Natur und Landschaft, Heft 6/2006
Malta : Schwacher Frühjahrszug - Weniger Jagdopfer
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Die Zahl der Jagdopfer unter den Zugvögeln in Malta ist in den letzten drei Jahren zurückgegangen. EuroNatur-Partner Max Farrugia, der auf Malta eine Auffangstation für verletzte Wildtiere betreibt, führt dies auf den wetterbedingt schwächeren Frühjahrszug zurück, aber auch auf härtere Strafen und stärkere Kontrollen der Jäger durch die Polizei. Während der Jagdsaison auf Turteltauben und Wachteln vom 25. März bis 22. Mai, wurden dieses Jahr nur 25 Vögel in das Wildtierspital eingeliefert - darunter allerdings wieder etliche geschützte Arten wie Rohrweihe, Wespenbussard, Pirol, Wiedehopf oder Nachtreiher. 2005 waren es noch 73 und im Jahr 2004 sogar 87 verletzte Vögel gewesen, die von Max wieder aufgepäppelt werden mussten. EuroNatur setzt sich intensiv für den Stopp der Vogeljagd in Malta und auf dem Balkan ein. Die Aktivitäten zum Zugvogelschutz werden von der Deutschen Lufthansa gefördert.
Weißstörche nicht mit „Vogelgrippe“ infiziert
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Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) untersuchte im Mai über 100 Proben von in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt nistenden Weißstörchen auf Influenzaviren. Bei allen Tieren fielen die Testergebnisse negativ aus. Im April war bei zwei tot aufgefundenen Störchen in Märkisch-Oderland eine Infektion mit dem hoch pathogenen H5N1-Virus festgestellt worden. Weitere Brutpaare aus dem gleichen Gebiet waren nicht infiziert. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die beiden infizierten Weißstörche nach wie vor Einzelfälle darstellen und diese Vogelart bis jetzt keine Rolle bei der Verbreitung der Geflügelpest spielt,“ erläutert der Leiter des Instituts für Epidemiologie am FLI, Dr. Franz Conraths. Der letzte nachgewiesene Vogelgrippefall in Deutschland datiert vom 12. Mai 2006: Da wurde der Virus bei einem im Landkreis Landsberg/Lech in Bayern verendeten Gänsesäger festgestellt. Ob die bislang aufgetretenen Infektionen von Nutzgeflügel auf die Übertragung durch Wildvögel zurückzuführen ist, bleibt weiter zweifelhaft. Lesen Sie dazu auch die Meldung im April-Newsletter.
Homepage des FLI: www.fli.bund.de
Vogelschutzrichtlinie der EU unter Beschuss
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Während die Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission engagiert versucht, endlich das Natura 2000-Netz (Netzwerk der Schutzgebiete nach Vogelschutz- und Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie) fertig zu stellen, werden von vielen anderen Seiten Störfeuer gegen den Naturschutz entfacht. So wird für das Jahr 2007 in der Strategieplanung der Kommission die Überarbeitung der beiden Richtlinien angekündigt, um sie „an neue wissenschaftliche Erkenntnisse anzupassen“. Doch neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die eine Verbesserung des europäischen Naturschutzrechtes einfordern, liegen nicht vor. Wohl aber die Klagelieder bestimmter Kreise der Wirtschaft, die u.a. bei Industriekommissar Verheugen vorgetragen werden, und in denen der Naturschutz als Wachstumsbremse gebrandmarkt wird. EuroNatur wird wachsam bleiben, um gemeinsam mit den anderen Naturschutzverbänden rechtzeitig gegenzusteuern.
Artensterben geht unvermindert weiter
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24.729 Tier- und Pflanzenarten stehen auf der Anfang Mai veröffentlichten Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. Darunter 40% aller Säugetierarten, über 60% aller Amphibien sowie jede fünfte Vogelart (2.214 der weltweit 9.800 bekannten Vogelarten). Schätzungen zufolge liegt die aktuelle Verlustrate 100- bis 1.000mal über der so genannten Hintergrundrate, also der Verlustrate, die es ohne menschliche Eingriffe gäbe. 181 Vogelarten werden in die höchste Bedrohungskategorie „vom Aussterben bedroht“ („Critically Endangered“) eingestuft. Darunter Waldrapp und Dünnschnabel-Brachvogel. Entscheidungsträger aus aller Welt hatten sich 2002 beim Weltgipfel in Johannesburg vorgenommen, eine Trendwende beim Artensterben bis 2010 zu erreichen. Ein Blick auf die neue Rote Liste und in die tägliche Politik verdeutlicht, dass dies offensichtlich nur ein Lippenbekenntnis war. EuroNatur unterstützt seit vielen Jahren das Rangerprogramm des marokkanischen Nationalparks Souss-Massa, das die letzte größere Kolonie wildlebender Waldrappe schützt.
Die weltweite Rote Liste ist als interaktive Datenbank einzusehen unter www.redlist.org
Die vom Bundesamt für Naturschutz herausgegebene Rote Liste für Deutschland findet sich unter www.bfn.de/03_rote_liste.html
Die Zugvogel-Schutzprojekte von EuroNatur werden von unseren Spendern und Förderern und der Deutschen Lufthansa unterstützt.

























