Zugvogel-Newsletter Nr. 8, Oktober 2007
Inhalt
Abenteuer Vogelbeobachtung in Montenegro
![]() |
Jahr für Jahr im Herbst und Frühjahr spielt sich an der Ostküste der Adria ein einzigartiges Naturschauspiel ab. Hunderttausende Vögel ziehen auf der adriatischen Flugroute über die Balkanhalbinsel und machen bei Ulcinj an der Grenze zwischen Montenegro und Albanien Rast. Das Bojana-Buna-Delta bietet mit seinem Mosaik aus Lagunen, Süßwasserseen und Auwäldern einen besonderen Ort für die Vogelbeobachtung: Riesige Kolonien rastender Watvögel wie etwa der Kiebitzregenpfeifer aus der arktischen Tundra sowie südliche Brutvogelarten wie der Krauskopfpelikan sind hier während der Zugsaison nebeneinander anzutreffen. Doch noch sind ornithologische Angebote Mangelware. Um das Gebiet langfristig als Oase für Zugvögel zu schützen, setzt EuroNatur unter anderem auf den Naturtourismus. Mit Dr. Koch Reisen und dem Schweizer Veranstalter Liberty Bird hat EuroNatur bereits zwei Reiseunternehmen gewonnen, die in Albanien und Montenegro seit dieser Saison maßgeschneiderte Programme für Vogelbegeisterte anbieten.
Schreiadler auf Malta angeschossen
|
Im Südosten der Insel Malta haben einheimische Vogeljäger am 23. September einen Schreiadler angeschossen. Anhand seiner Ringnummer ließ sich das Tier als Jungvogel identifizieren, der nördlich von Berlin aufgewachsen ist und erst im Juli diesen Jahres im Rahmen eines Projektes des Landesumweltamtes Brandenburg ausgewildert wurde. Der Adler befand sich nun auf dem Weg in sein afrikanisches Winterquartier. "Unsere ganzen Bemühungen im Brutgebiet werden erfolglos bleiben, wenn wir den Zugweg unserer Schreiadler nicht besser schützen können", meint Projektleiter Paul Soemmer vom Landesumweltamt. Neben See- und Fischadlern ist der Schreiadler in Brandenburg die seltenste Adlerart. Deutschlandweit gibt es nur noch etwa 100 dieser majestätischen Vögel, davon leben rund 30 Brutpaare in Brandenburg. Die Jagd auf Greifvögel ist auch nach maltesischem Recht verboten. Die maltesische Umweltpolizei A.L.E. brachte das verletzte Jungtier vorerst in eine Pflegestation des Tierschutzvereins International Animal Rescue (IAR). Danach wurde es mit Air Malta nach Deutschland zurückgeflogen und in der Veterinärmedizinischen Abteilung der FU Berlin behandelt. Vermutlich kann der junge Adler in ein paar Monaten wieder ausgewildert werden.
Ausbau der Via Baltica aufgeschoben
|
Die polnische Regierung hat erklärt, dass der Ausbau der Schnellstraße Via Baltica durch wertvolle Naturschutzgebiete im Nordosten Polens vorerst nicht vorangetrieben wird. Die Bauarbeiten sollen solange ruhen, bis der Europäische Gerichtshof zu einer endgültigen Entscheidung über die Route der Fernverkehrsstrasse gelangt ist. Die Via Baltica soll im Zuge der EU-Osterweiterung künftig Helsinki mit Warschau verbinden. Nach massiven Protesten von Naturschützern war die Europäische Kommission Ende Juli aktiv geworden. Wären doch vom Bau des Verkehrskorridors fünf ausgesprochen wertvolle NATURA 2000 Schutzgebiete betroffen und damit auch die Brutgebiete weltweit bedrohter Vogelarten wie etwa des Schelladlers und des Seggenrohrsängers in Gefahr. Umweltorganisationen schlagen eine Alternativroute vor, die nicht nur Kosten sparen, sondern auch keines der NATURA 2000 Gebiete zerstören würde. An der Ausarbeitung dieser Variante war mit dem wissenschaftlichen Leiter des Instituts für Säugetierforschung in Bialowieza ein wichtiger Kooperationspartner von EuroNatur beteiligt.
Weniger Zuschüsse für Großbetriebe?
![]() |
EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel plant das System der Agrarsubventionen zu reformieren. Im November will sie ein entsprechendes Papier vorstellen. Demnach sollen die Direktzahlungen an Großbetriebe in Zukunft deutlich reduziert werden. Dafür sollen die ländliche Entwicklung und damit auch Programme für den Umwelt- und Artenschutz, die Regionalvermarktung und artgerechte Tierhaltung künftig besser gefördert werden. Auch Kulturfolgern wie Feldlerche, Rebhuhn und Wiedehopf käme diese Entwicklung zugute. Genau das fordert EuroNatur seit langem, denn noch erhalten gerade einmal anderthalb Prozent aller Betriebe per Direktzahlung fast ein Drittel aller Agrarzahlungen einfach aufgrund ihrer Betriebsgröße. Subventionen sollen zukünftig stärker an gesellschaftlich relevante Leistungen wie die Schaffung von Arbeitsplätzen, Natur- und Umweltschutz oder artgerechte Tierhaltung gekoppelt werden. EuroNatur unterstützt die Pläne von Frau Fischer Boel nachdrücklich. Der Deutsche Bauernverband und Agrarminister Seehofer haben gegen die geplanten Reformen bereits Widerstand angekündigt.
Naturschätze Europas 2008
![]() |
Europas Natur eingefangen in faszinierenden Bildern. Der neue EuroNatur-Kalender für das kommende Jahr zeigt die 12 besten Aufnahmen aus dem von EuroNatur, der Deutschen Lufthansa, NaturVision und natur+kosmos veranstalteten Fotowettbewerb. Unter den Motiven finden sich Seeadler, Braunkehlchen, Kuhreiher und Papageitaucher. Der großformatige Wandkalender in bestechender Druckqualität kostet 20 Euro und Sie können ihn im EuroNatur-Online-Shop bestellen.
Den Würgfalken auf der Spur
|
Im Rahmen eines ungarisch-slowakischen Projektes zum Schutz des Würgfalken wurden in Ungarn zehn der seltenen Greifvögel mit Sendern versehen. Sie tragen nun je einen der nur 20 Gramm schweren GPS-Sender, der es erlaubt die Tiere über längere Zeiträume hinweg zu lokalisieren. Bis Ende 2009 sollen 46 Falken entsprechende Sender tragen und den Wissenschaftlern wertvolle Informationen über Verbreitung, Zugrouten sowie Rast- und Überwinterungsgebiete der Art liefern. In ganz Europa gibt es nur noch etwa 450 Brutpaare. Beinahe die Hälfte der Europäischen Würgfalkenpopulation lebt in Ungarn und der Slowakei. Bisher ist nur wenig darüber bekannt wie weit und wohin die mitteleuropäischen Vertreter dieser Art ziehen.
Begeben Sie sich online auf die Spur von Lili, Toni, Dora und die der anderen sieben Würgfalken!
Massentierhaltung verbreitet Vogelgrippe
![]() Entenmastanlage |
Nach den Vogelgrippefällen in verschiedenen Entenmastbetrieben in Bayern Ende August und Anfang September, erhärtet sich der Verdacht, dass die Massentierhaltung die Verbreitung des Virus zumindest begünstigt und Tiere in Massenställen anfälliger dafür sind. Insgesamt mussten fast eine halbe Millionen Tiere getötet werden. Presse und Verbraucher reagieren darauf bislang erstaunlich unaufgeregt, verglichen mit dem bundesweiten Aufruhr nach den ersten Vogelgrippefällen auf Rügen Anfang 2006. EuroNatur setzt sich europaweit für eine artgerechte und nachhaltige Landwirtschaft ein und hofft, "dass Massentötungen in diesem Ausmaß die Verbraucher aufrütteln und dazu führen, dass solches Industriefleisch zukünftig gesellschaftlich geächtet wird."
Weltnaturschutzunion veröffentlicht neue Rote Liste
![]() |
In Europa sind fast 1.000 Tierarten akut gefährdet
Die am 12. September 2007 von der Weltnaturschutzunion (IUCN) veröffentlichte internationale Rote Liste führt 983 Tierarten Europas als akut gefährdet auf. Darunter auch 45 Vogelarten, wie Mönchsgeier, Kaiseradler, Rothalsgans und Großtrappe. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn als Faustregel gilt: Je kleiner die Arten, desto schlechter sind sie erfasst. Weltweit sind etwa 1,75 Millionen Arten beschrieben, wovon etwa zwei Drittel Insekten und andere Wirbellose sind. Die einzigen Tiergruppen, die aufgrund des Wissensstandes vollständig abgedeckt werden können, sind Säugetiere und Vögel. Die Dunkelziffer ist also sehr hoch. Von den geschätzten 14 Millionen tatsächlich auf der Erde lebenden Arten, erfasst die aktuelle Rote Liste 41.415 Arten, 16.306 davon als gefährdet. Agroindustrie, Forstindustrie, Überfischung, Zersiedelung, Bevölkerungswachstum. Durch den menschlichen Einfluss gehen intakte Naturräume immer schneller verloren und damit zahllose Arten mitsamt ihrer wertvollen genetischen Vielfalt. Die IUCN spricht von einer Eskalation der Situation und fordert Politiker, Regierungen und Verbraucher auf, sich endlich verstärkt für den Artenschutz einzusetzen.
Zur Roten Liste unter www.iucnredlist.org
Die Zugvogel-Schutzprojekte...
Die Zugvogel-Schutzprojekte von EuroNatur werden von unseren Spendern und Förderern sowie der Deutschen Lufthansa unterstützt.
























