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Zugvogel-Newsletter Nr. 10, Februar 2008

Inhalt

Jagdbann zeigt Wirkung

Futter für die Rothalsgänse

Rettungszentrum für Wildtiere in Bulgarien gesichert

Hoffnung im Fall "Via baltica"

Protestaktion gegen Frühjahrsjagd auf Malta

Tod durch Strom

Neue Waldrapp-Sichtungen



Jagdbann zeigt Wirkung
Skutari See (c) Martin Schneider-Jacoby

Gute Nachrichten aus Montenegro: Im Januar 2008 stieg die Zahl der überwinternden Vögel auf der montenegrinischen Seite des Skutari-Sees auf über 150.000 Tiere an und war damit mehr als vier Mal so hoch wie vor drei Jahren, als dort noch gejagt wurde. Verantwortlich für diese positive Entwicklung ist die seit einigen Jahren verbesserte Kontrolle des Jagbannes, der seit 2002 offiziell gilt, aber in der Praxis lange Zeit nicht eingehalten worden war. Seit 2004 dokumentiert Euronatur zusammen mit dem Skutari-Nationalpark in Montenegro die Auswirkungen des Jagdverbotes. Die aktuellen Zahlen belegen, dass die Vögel - dank der intensiveren Betreuung des Gebietes - nach der jahrelangen Störung nun wieder in ihr altes Überwinterungsgebiet zurückkehren. Hierzu gehören vor allem Bläßhühner und Tafelenten,  aber auch seltene  Arten wie der Krauskopfpelikan, der in der Nähe seines Brutplatzes in kleiner Zahl überwinterte.

Mehr über das Projekt Bojana-Buna (Montenegro/Albanien)

Hören Sie ein Bläßhuhn



Futter für die Rothalsgänse
Rothalsgans (c) Green Balkans

Ende Januar 2008 hat Euronatur-Partner Green Balkans im Gebiet von Durankulak  im Nordosten Bulgariens etwa 50.000 Bläßgänse und 5.000 Rothalsgänse gesichtet. Für Rothalsgänse ist die Region eines der wichtigsten Wintergebiete überhaupt. Um die Nahrungsquellen für die seltenen Tiere zu sichern, haben die bulgarischen Partnerorganisationen von Euronatur im Hinterland des Durankulak-Sees mittlerweile insgesamt 140 Hektar Flächen gekauft. Green Balkans wird das Management der Flächen künftig so ausrichten, dass die Rothalsgänse dort einen besonders reich gedeckten Tisch vorfinden und sich für ihre weite Reise zu den Brutgebieten im hohen Norden stärken können, die sie gegen Ende März antreten. Auf lange Sicht sollen die Flächen als Schutzgebiete ausgewiesen werden, um so ein absolutes Jagdverbot durchzusetzen.

Euronatur-Partner Green Balkans (Englische Seite)

Hören Sie eine Bläßgans



Rettungszentrum für Wildtiere in Bulgarien gesichert
Verletzte Rothalsgans wird im Wildtierkrankenhaus verarztet (c) Green Balkans

Durch den von Euronatur und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt mit Mitteln aus dem Eeconet Action Fund finanzierten Flächenkauf ist es Green Balkans gelungen, den Fortbestand des einzigen Wildtierkrankenhauses in Bulgarien langfristig zu sichern. Damit können in Stara Zagora, im Zentrum Bulgariens, auch in Zukunft verletzte Wildtiere aus allen Landesteilen gesund gepflegt und wenn möglich wieder ausgewildert werden. Momentan werden von zwei Tierärzten und vielen freiwilligen Helfern jährlich etwa 6.000 Tiere (meist Vögel) behandelt. Darunter so seltene Arten wie Kaiseradler und Rothalsgans. Erst im Januar diesen Jahres konnte eine angeschossene Rothalsgans gerettet werden, die Green Balkans Mitarbeiter in Durankulak gefunden hatten. Nebenbei hat die Einrichtung auch einen regen Zulauf an interessierten Besuchern zu verzeichnen. Diese Gelegenheit nutzen unsere Partner, um möglichst viele Menschen für die Tierwelt Bulgariens zu begeistern und für ihren Schutz zu gewinnen.

Euronatur-Partner Green Balkans (Englische Seite)

Hören Sie einen Kaiseradler



Hoffnung im Fall "Via baltica"
Auch den Lebensraum des Blaukehlchens würde die Via baltica in ihrer ursprünglich geplanten Route gefährden (c) Nill/Linnea-Images

Das Verwaltungsgericht in Warschau hat Ende 2007 die Baugenehmigung für den Ausbau der Schnellstraße "Via baltica" entlang der ursprünglich geplanten Route im Nordosten Polens aufgehoben. Derzeit werden verschiedene Alternativrouten diskutiert. Damit bietet sich die große Chance, eine naturverträgliche Variante des Verkehrskorridors durchzusetzen und wichtige Brutgebiete weltweit bedrohter Vogelarten wie des Schelladlers und des Seggenrohrsängers in Polen zu sichern.  Bereits Anfang Januar diesen Jahres hat der neue polnische Umweltminister Maciej Nowicki einen Runden Tisch abgehalten. Dabei kamen neben lokalen Behörden und dem Investor für das Projekt auch Vertreter von Umweltorganisationen zu Wort. Diese schlugen erneut eine Alternativroute vor, die nicht nur Kosten sparen, sondern – im Gegensatz zur ursprünglich geplanten Variante – auch keines der fünf ansonsten betroffenen NATURA-2000-Gebiete zerstören würde. An der Ausarbeitung dieser Variante war mit dem wissenschaftlichen Leiter des Instituts für Säugetierforschung in Bialowieza ein wichtiger Kooperationspartner von Euronatur beteiligt. Noch wurde keine Einigung erzielt, doch die Verhandlungen sollen baldmöglichst fortgesetzt werden.

Hören Sie den Ruf eines Schelladlers



Protestaktion gegen Frühjahrsjagd auf Malta
Angeschossene Wachtel (c) Euronatur

Insgesamt 200.000 Unterschriften hat das Komitee gegen den Vogelmord e.V. in einer Protestaktion gemeinsam mit 15 Verbänden gegen die Frühjahrsjagd auf Malta gesammelt und beim Petitionsausschuss des EU-Parlamentes eingereicht. In einem Brief hatten die Vogelschützer Umweltkommissar Stavros Dimas aufgefordert, die Jagd auf die gefährdeten Vogelarten zu stoppen. Im April und Mai dürfen auf Malta noch immer Wachteln und Turteltauben geschossen, sowie bis in den April hinein Finken lebend gefangen werden. Zwar forderte die Europäische Kommission die maltesische Regierung im Oktober vergangenen Jahres erneut auf, die Frühlingsjagd auf Zugvögel zu verbieten. Bislang jedoch ohne Erfolg. Die Europäische Kommission beschloss deshalb Ende Januar eine Klage gegen Malta vor dem Europäischen Gerichtshof vorzubereiten. Prominentes Opfer der Vogeljagd auf Malta ist Schreiadler Sigmar, der im Dezember 2007 eingeschläfert werden musste, da seine Verletzungen nicht ausheilten (siehe Newsletter 8 und 9/2007).

Pressemitteilung "Erste Zugvögel kommen zurück – Vogeljagd macht Langstreckenflüge zu Spießrutenlauf"

Mehr zum Thema Vogeljagd

Hören Sie eine Wachtel



Tod durch Strom
Storchennest auf Strommast (c) Bernd Hölzel

Eigentlich müsste kein Vogel mehr durch Strom sterben. Längst gibt es für alle Arten des Stromtransports vogelsichere Alternativen. Doch noch immer mangelt es an der Umsetzung. Auch in Deutschland sind nach wie vor viele Arten durch 350.000 ungesicherte Strommasten und Mittelspannungsleitungen einer tödlichen Gefahr ausgesetzt. Bestände von Adlern, Milanen, Eulen und Störchen sind dadurch ernsthaft bedroht. Aus dem Kongress "Stromtod von Vögeln", den die Bundesarbeitsgemeinschaft Stromtod (Nabu) zusammen mit dem LBV Bayern im Jahr 2006 veranstaltet hat, ist mit Unterstützung von Euronatur und mehreren Umweltschutzorganisationen ein umfassender und faktenreicher Wegweiser entstanden. Dieser soll dazu beitragen, das Thema Stromtod von Vögeln baldmöglichst Vergangenheit werden zu lassen. Das Buch richtet sich an alle, die sich beruflich oder ehrenamtlich mit dem Vogelschutz an Freileitungen befassen.

Das Buch können Sie im Euronatur-Service-Shop bestellen

Hören Sie einen Weißstorch



Neue Waldrapp-Sichtungen
Waldrapp (c) Martin Schneider-Jacoby

Im ostafrikanischen Djibouti wurde Ende 2007 der erste Waldrapp gesichtet. Nur zwei Wochen früher waren nach einer 13-jährigen Pause auch im Jordantal in Israel das erste Mal wieder zwei Vögel der stark gefährdeten Art aufgetaucht. Experten nehmen an, dass alle drei Tiere aus der syrischen Brutkolonie stammen. Demnach gibt es Grund zur Hoffnung, dass der Waldrapp-Bestand im Nahen Osten nicht ganz so gering ist, wie bisher angenommen. In den 1990er Jahren galt die Art hier bereits als ausgestorben. Überraschend war dann 2002 in Syrien eine Brutkolonie mit sechs Vögeln entdeckt worden. Bereits 2006 hatten Wissenschaftler der englischen Vogelschutzgesellschaft RSPB drei der erwachsenen Waldrappe mit Mini-Sendern versehen. Sie überwintern in Äthiopien. Mittlerweile sind Waldrappe demnach an drei verschiedenen, sehr weit voneinander entfernten Überwinterungsplätzen aufgetaucht. Noch ist zu wenig über die Bestandszahlen und das Zugverhalten der Waldrappe bekannt. Vogelschützer wollen deshalb im Sommer Jungtiere in Syrien mit Sendern versehen, um wertvolles Datenmaterial zu gewinnen und die Tiere künftig besser schützen zu können.

Verfolgen Sie die Spur der drei syrischen Waldrappe Salam, Sultan und Zenobia



Die Zugvogel-Schutzprojekte...

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