Balkan Green Belt

Ökologische Korridore für Bär, Wolf und Luchs

Seit Ende 2006 ist das vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geförderte Projekt „Grünes Band Balkan als ökologischer Korridor für Wolf, Bär und Luchs“ abgeschlossen. Die EuroNatur-Projektinitiative am Balkan Green Belt diente dem Aufbau eines grenzüberschreitenden Großschutzgebiets in den Bergen an der albanisch-mazedonischen Grenze. Auf dem südlichen Balkan, vor allem im Grenzgebiet zwischen Albanien und Mazedonien, leben noch etwa 100 Luchse. Sie zählen zur am stärksten vom Aussterben bedrohten autochthonen (einheimisch, nicht eingebürgert) Luchspopulation in Europa. Möglicherweise handelt es sich sogar um eine eigene Unterart des Eurasischen Luchses.

EuroNatur führte daher zusammen mit nationalen NGOs aus Albanien ("Preservation and Protection of Natural Environment in Albania" - PPNEA) und Mazedonien ("Macedonian Ecological Society" - MES and BioEco) sowie mit den Universitäten von Tirana (Albanien) und Skopje (Mazedonien) und mit der Unterstützung der Schweizer Luchsexperten von KORA (Koordinierte Forschungsstelle für Großraubtiere in der Schweiz) im Gebiet von Jablanica-Shebenik ein Projekt zum Schutz und zur Entwicklung des Luchslebensraumes durch. Von den Schutzmaßnahmen für den Balkan-Luchs profitieren auch Wölfe, Bären und das gesamte Ökosystem, an dessen Spitze diese Raubtiere stehen.

Ein grünes Band als Relikt jahrzehntelanger Isolation

Insbesondere im albanischen Teil des Projektgebiets gilt es, neue Lebensräume für den Luchs zu entwickeln. Hier sind nur in wenigen Bereichen zusammenhängende Wälder zu finden. Grund dafür ist die lange politische Sonderstellung Albaniens. Spannungen mit den angrenzenden Ländern - dem ehemaligen Jugoslawien im Norden und Osten sowie Griechenland im Süden- und der Bruch mit der Sowjetunion und der Volksrepublik China, welche das Land bis Ende der 1970er Jahre unterstützten, trieben Albanien in eine politische und wirtschaftliche Isolation. So musste sich das Land bis zu seiner politischen Öffnung zu Beginn der 1990er Jahre nahezu eigenständig versorgen.

Diese Zeit hat im Land ihre Spuren hinterlassen. Viele der ehemals dichten Wälder in den bergigen Regionen des Landes wurden von der Bevölkerung auf der Suche nach Brennholz abgeholzt; in anderen Bereichen wurde der Wald gerodet, um landwirtschaftliche Nutzflächen zu schaffen. Regen und ablaufendes Schmelzwasser verursachten daraufhin starke Erosionsschäden auf den ungeschützten Böden.

Drei Faktoren verhindern heute die Regeneration der albanischen Wälder: Nach wie vor wird Brennholz eingeschlagen, in erosionsgeschädigten Bereichen ist kaum noch Oberboden vorhanden und hinzu kommt die Nutzung der Wälder als Weiden: Schafe und vor allem die „bissfreudigen“ Ziegen werden in die Wälder getrieben, wo sie die jungen Triebe abfressen und damit jede Naturverjüngung verhindern.

Wichtige Rückzugsräume

Einzig die streng bewachten Grenzstreifen zwischen Albanien und dem ehemaligen Jugoslawien bzw. Griechenland konnten aufgrund strenger Sicherheitsvorkehrungen nicht vom Menschen genutzt werden. Diese Grenzen ziehen sich wie ein grünes Band durch die übrige Landschaft. Der „Balkan Green Belt“ bietet Rückzugsräume für seltene Tier- und Pflanzenarten und stellt gerade im ansonsten stark übernutzten Albanien eine Besonderheit dar.

Projektregion Jablanica-Shebenik

In der Projektregion Jablanica-Shebenik sind die Folgen der politischen Isolation Albaniens deutlich zu erkennen: während die Berge auf der mazedonischen Seite (Jablanica) dicht mit Wäldern aus Eichen und Buchen bewachsen sind, sind die albanischen Berghänge ausschließlich im ehemals streng gesicherten Grenzbereich oder aber in schwer zugänglichen Bereichen bewaldet. Deshalb findet der Balkan-Luchs momentan insbesondere im mazedonischen Teil des Projektgebietes Lebensraum und Nahrung. Um aber den langfristigen Erhalt der Art zu gewährleisten, ist es unbedingt notwendig, das für Luchse geeignete Areal zu vergrößern.

Grenzüberschreitendes Schutzprogramm

Schwerpunkte des Projekts lagen auf vorbereitenden Arbeiten zur Ausweisung eines grenzüberschreitenden Schutzgebiets und auf der Durchführung von Schulungen für lokale Naturschützer in den Bereichen Schutzgebietsmanagement und Luchsmonitoring. Gemeinsam mit Experten und Interessengruppen aus Ministerien, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft wurde der aktuelle Wissensstand über die Situation des Balkan-Luchses zusammengetragen und Bausteine für ein grenzüberschreitendes Schutzprogramm für den Balkan-Luchs entwickelt.

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Das Balkan Green Belt-Projekt von EuroNatur wird gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Die Deutsche Lufthansa unterstützt die Aktivitäten von EuroNatur zum Schutz des Grünen Bandes.