Stiftung Europäisches Naturerbe - Euronatur
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Bojana-Buna-Region: Arche Noah an der Adria

Seit 2003 engagiert sich EuroNatur im Grenzgebiet zwischen Montenegro und Albanien an der Adria. Wir wollten ein Vogelparadies an einer der wichtigsten Drehscheiben des Vogelzugs retten. Früh haben wir erkannt: Es geht noch um sehr viel mehr. Die Vögel waren, wie so oft, Anzeichen für ein wichtiges Naturpotenzial. Doch was wir vorfanden, ist eine wahre Arche Noah. Auf eine solche Vielzahl seltener Arten waren wir nicht gefasst. Umso mehr lohnt es sich, die Lebensräume in der Bojana-Buna-Region umfassend und nachhaltig zu sichern. Damit steuern wir ein großflächiges Verbundsystem wertvollster Biotoptypen ins moderne Europa, in dem es derartige Landschaften nur noch selten gibt.

Hierfür müssen nicht nur Nutzungseinschränkungen in den sensiblen Zonen durchgesetzt, sondern auch die Weichen für eine naturverträgliche Entwicklung der Region gestellt werden. Menschen und Wildtiere sollen nebeneinander existieren und voneinander profitieren. Aber die Zeit drängt. Gerade jetzt, im Übergang zwischen einem totalitären Regime und der noch nicht ganz gelungenen wirtschaftlichen wie sozialen Anpassung an die neuen Möglichkeiten und Erfordernisse ist die Gefahr besonders groß, dass Naturschätze in einer Phase unkontrollierter Entwicklung unter die Räder kommen.

Deshalb setzen wir uns mit voller Kraft für diesen ökologischen Baustein und im Verbund mit anderen Lebensräumen für eine Natur ohne Grenzen ein.

Kostbare Natur

Von ganz eigenem Reiz ist der Skutari-See, der größte der Balkan-Seen mit seinen zahlreichen Inseln und Buchten, bedeckt von Seerosenteppichen und umsäumt von Blumen- und Orchideenwiesen. Neben ihrer landschaftlichen Schönheit ist die Bojana-Region aber auch von außerordentlichem ökologischem Wert. In den flachen Gewässern der zahlreichen Lagunen, Seen und Teiche wachsen ungeheure Mengen von Fischbrut auf. So ist auch für Reiher und Pelikane, die sehr viel Fisch brauchen, der Tisch immer reichlich gedeckt. Sogar Tümmler schwimmen manchmal den Fluss hoch - ein sonst seltenes Verhalten und untrüglicher Hinweis auf den Nahrungsreichtum der Bojana.

Das Mosaik der Feuchtgebiete ist außerdem wichtiger Wanderkorridor für Fischotter und andere wandernde Arten von der Adria ins Landesinnere.

Hinter den sandigen Dünenstränden erstrecken sich weite, saisonal überschwemmte Feuchtwiesen und steppenartiges Grasland. Baljusa-Schafe und Busa-Rinder, beides landschaftsangepasste, nur dort vorhandene Weidetierrassen, garantieren hier die beste Biotoppflege und damit eine Fülle an Wildkräutern, Käfern, Insekten und anderen Kleintieren, die überwinternden Vögeln, darunter Groß- und Zwergtrappen, Nahrung bieten.

Die im Text genannten Arten sind nur einige wenige Beispiele aus der ungewöhnlichen Vielzahl von Tieren und Pflanzen der Bojana-Region.

Handeln, bevor es zu spät ist!

Zwar ist das Verbundsystem der artenreichen Biotope in der Bojana-Buna-Region noch weitgehend unversehrt. Trotzdem sind Gefahren und örtlich bereits sogar schon ernsthafte Probleme sichtbar.

An Sonn- und Feiertagen findet in den Dünen ungeregelter Badebetrieb statt mit Zelten und Lagerfeuer; Autos und Motorräder fahren durch den weichen Sand bis an den Saum des Wassers vor. Der Auwald am Fluss ist größtenteils ungeschützt. Dem Sasko-See droht unter anderem die Anlage von Aqua-Kulturen mit negativen Auswirkungen auf die natürliche Fischbrut. Zudem hat die Vogeljagd extreme Ausmaße angenommen - auch mitten in Schutzgebieten, außerhalb der Jagdzeiten, mit unerlaubten Mitteln und ohne Rücksicht auf geschützte Arten. Diesen Missständen haben wir den Kampf angesagt!

Unser erstes großes Teilprojekt ist schon gelungen: die Sicherung der 1.500 ha großen Saline von Ulcinj, in der wir 214 Vogelarten dokumentieren konnten. Hier soll die erste Anlaufstelle für naturinteressierte Besucher in der Region entstehen.

Ein gut gelenkter Naturtourismus, welcher das Erlebnis der wunderschönen, artenreichen Landschaft ermöglicht, ohne sie zu zerstören, ist notwendig. Gerade auch beim Kampf gegen die Vogeljagd erhoffen wir uns hierdurch wichtige Impulse. Denn Naturtourismus und Vogeljagd vertragen sich nicht.

Wir kämpfen gegen die zügellose Vogeljagd in der gesamten Region, fordern verkürzte Jagdzeiten und ein generelles Jagdverbot an der Küste und in den Schutzgebieten.

Neben der Finanzierung von Rangerausrüstung wollen wir geeignete Hilfskräfte ausbilden.

Wir setzen uns gegen die Zerstörung der Strände und Dünen durch illegale Bauten, ungeregelten Freizeitbetrieb und parkende Autos ein. Wir zeigen konkrete naturverträgliche Lösungen auf und unterstützen den Aufbau von Besucherinformationen und Orientierungshilfen.

Mit voller Kraft für die Rettung einer Natur ohne Grenzen

Gemeinsam mit Regierungsstellen in Albanien und Montenegro sowie Naturwissenschaftlern beider Länder arbeiten wir an einem Zonierungskonzept für ein grenzüberschreitendes Großschutzgebiet.

Parallel treiben wir die Ausweisung von Schutzgebieten für besonders heikle Biotope voran und sorgen für eine bessere Überwachung bestehender Schutzgebiete.

Dies ist der Weg zur Rettung eines einzigartigen

Naturerbes an der Adria. Wie weit wir auf diesem Weg kommen, entscheidet die Hilfe unserer Spender.

Eine Traumlandschaft im Dornröschenschlaf

hat im Grenzgebiet an der Bojana das letzte Jahrhundert überdauert. Doch mit dem politischen Wandel drohen nun auch hier die Gefahren, die schon so viele Landschaften am Mittelmeer - der Wiege Europas - zerstört haben. Schnelles Handeln ist nötig, damit diese übervolle Schatzkammer der Natur als unverzichtbares Rastgebiet unserer Zugvögel und letzte Heimat vieler gefährdeter Arten an der Adria erhalten bleibt.


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