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Ökologisches Kleinod Bojana-Delta

Ein großer Teil der Brutvögel aus Nord-, Mittel und Osteuropa zieht auf der Strecke zwischen Winter- und Sommerheimat über den Balkan - eine Gebirgsregion, in der Wasservögel kaum Rastplätze finden. Nur an dem schmalen Saum entlang der Adria gibt es wenige geeignete Feuchtgebiete. Entsprechend groß sind dort die Vogelkonzentrationen.

Die Saline bei Ulcinj

Eine ganz besondere Drehscheibe des Vogelzugs ist das Bojana Delta an der Grenze Albanien zu Montenegro. Insbesondere an der Saline zwischen dem montenegrinischen Städtchen Ulcinj und der Grenze zu Albanien rasten scharenweise Vögel vor ihrem Nonstop-Flug über die Adria nach Süditalien, von wo aus sie über Sizilien und Malta nach Afrika weiterfliegen. Doch auch für überwinternde Zugvögel und für Brutvögel ist die Saline mit ihren Teichen, Kanälen, Röhrichten und Dämmen auf 15 Quadratkilometer Fläche attraktiv. 214 Vogelarten wurden dokumentiert. Im Herbst halten sich manchmal über 20.000 Vögel gleichzeitig dort auf, darunter zahlreiche gefährdete wie Krauskopfpelikan, Flamingo, und Löffler. Zu Recht hat die Saline den Status eines International Bedeutenden Vogelgebietes (IBA) erhalten. Wir sorgen jetzt dafür, dass sie auch ihrem ökologischen Wert entsprechend gesichert wird.

EuroNatur arbeitet für ein ehrgeiziges Vorhaben: einen grenzüberschreitenden Naturpark zur Sicherung der wertvollen Biotope, in der Fluss-, Seen- und Dünenlandschaft im montenegrinisch-albanischen Bojana-Delta. Die Saline bei Ulcinj ist der erste konkrete Projektbaustein. Für die Erdarbeiten im schlammigen Gelände haben wir einen kleinen Spezialbagger angeschafft. Acht Brutinseln mit einer Gesamtfläche von 835 Quadratmetern konnten wir bereits anlegen. Je nach Gestaltung der Oberfläche können hier Pelikane, Seeschwalben, Dünnschnabelmöwen, Sandregenpfeifer und Säbelschnäbler brüten. Im Bereich von vier Inseln haben wir aus Plastikrohren und Holzboxen spezielle Nisthilfen für Brandgänse eingebaut.

Vogelschutz und Salzgewinnung - eine harmonische Partnerschaft

Nach einer Bestandsaufnahme des ökologischen Zustandes der Saline wurde im Einvernehmen mit der Betreiberfirma ein umfassender Aktionsplan erarbeitet. Ziel ist es, den Vögeln noch mehr und sichereren Lebensraum zu schaffen und gleichzeitig die wirtschaftlichen Perspektiven der Saline zu verbessern. Die Salzgewinnung nützt den Vögeln und die Stabilisierung der Teiche und Dämme kommen beiden Seiten zugute. Als drittes gemeinsames Ziel stehen Umwelterziehung und Naturtourismus im Programm. Im alten Verwaltungsgebäude soll ein Besucherzentrum mit einer kleinen Ausstellung entstehen. Dort können dann Infobroschüren, Kartenmaterial, eine Tourenskizze für die markierten Wanderwege durch die Saline wie auch Erfrischungen und sonstige Dienstleistungen (z.B. Verleih von Ferngläsern) angeboten werden. Die Einnahmen aus dem Info-Zentrum werden künftig die Instandhaltung der Wege und Dämme und die Überwachung des Salinengeländes erleichtern.

Wilderer haben ausgespielt!

Nach schwierigen Jahren hat es die Betreiberfirma der Saline endlich geschafft, das Jagdverbot auf ihrem Gelände durchzusetzen. In den letzten Monaten wurden die von Jägern und Wilderern angelegten Unterstände entfernt und alle Zugänge außer der Zufahrt über das Verwaltungsareal verschlossen. Die Saline hat nun auch einen Wächter angestellt, der das riesige, unübersichtliche Gelände im Interesse der Betriebssicherheit und des Naturschutzes regelmäßig - auch nachts - kontrolliert. Schon mancher Vogeljäger wurde seither überführt. Als Beitrag zur Überwachung haben wir zwei Motorräder, Ferngläser und wetterfeste Kleidung beigesteuert. Derweil macht die Arbeit im Gelände gute Fortschritte. Für Bienenfresser, Eisvögel und Uferschwalben graben wir eine 50 Meter lange Steilwand ab, in die sie ihre Brutröhren einbauen können. Außerdem wollen wir einen Damm, auf dem wir Brutunterlagen für Krauskopfpelikane hergerichtet haben, verlängern und für die Ansiedelung einer Flamingokolonie nutzen. Wichtig ist auch der Bau von einem Turm und fünf Tarnhütten. So können Naturfreunde die vielen Vögel störungsfrei beobachten, was gleichzeitig die Vogeljäger abhalten hilft.

Projektmanagement Bojana: Dr. Martin Schneider-Jacoby

TERMINE 2009

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