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Dehesas - Warum wir sie brauchen

Bienenfresser

Dehesas bieten zahlreichen seltenen Tieren und Pflanzen einen unersetzlichen Lebensraum. Besonders sind hier Vögel wie Kranich, Kaiseradler, Schwarzstorch, Weißstorch, Bienenfresser oder Gleitaar zu nennen. Aber auch die letzten Pardelluchse gehen hier auf Kaninchenjagd. Nicht umsonst sind große Teile der Dehesas als NATURA 2000-Gebiete ausgewiesen und damit Teil des Netzwerks, in dem die EU-Staaten ihre besonders schützenswerten Lebensräume vereinen.

Dehesas sind auch aus globaler Perspektive besonders schützenswert, denn die Stein- und Korkeichenwälder sind in dieser semiariden Region Europas unerlässlich, um der Wüstenbildung vorzubeugen. So ist die Vegetationsdecke aus immergrünen Pflanzen dafür verantwortlich, dass der wenige Regen nicht wieder sofort verdunstet, sondern langsam versickern kann und so den Grundwasserspiegel auffüllt. Gleichzeitig schützen die Bäume den Boden vor dem Verlust von kostbarem Humus. Intakte, also nachhaltig genutzte Dehesas sind viel weniger waldbrandgefährdet, als andere Baumgesellschaften und absorbieren im Vergleich zu Ackerbauflächen mehr des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid.

Und nicht zuletzt liefern Dehesas den Menschen schmackhafte Produkte, wie den Iberischen Schinken, außerdem Kork, Arbeitsplätze und eine wunderbare Landschaft, die immer mehr Touristen in die Extremadura und nach Andalusien lockt.

Warum sind staatliche Zuschüsse überhaupt notwendig?

In ganz Europa verändert sich die Landwirtschaft rasant. Immer weniger Menschen bearbeiten das Land und erzielen immer höhere Erträge durch intensive Anbaumethoden, die einen hohen Einsatz an Treibstoff, Agrochemie und Wasser erfordern. Angepaßte Formen der Landwirtschaft, die Lebensräume für Tiere und Pflanzen erhalten, gelten als nicht mehr wettbewerbsfähig und verschwinden zunehmend von unserem Kontinent. Mit ihnen verliert Europa seine vielfältigen Kulturlandschaften. Und so ergeht es auch den spanischen Dehesas. Diese artenreichen, parkähnlichen lichten Stein- und Korkeichenwälder entstanden durch die traditionelle Produktion von Schweinefleisch wie dem berühmten Iberischen Schinken. Merinoschafe und Retintarinder waren weitere wichtige Bestandteile des Produktionskreislaufes, der zur Entstehung der Dehesas führte. So ernähren sich die Rinder und Schafe vom unter den Bäumen wachsenden Gras und die Schweine fressen die Eicheln.

Mit dem Aufkommen der Intensivtiermast gaben und geben immer mehr Landwirte diese, dem Klima angepasste und artgerechte Produktionsform auf. Die Produktivität und damit die Einnahmen sind zu gering, um mit der Massentierhaltung zu konkurrieren. Unterstützt von der nationalen und europäischen Agrarpolitik versuchten viele Landwirte das Problem zu lösen, indem sie die Anzahl der Tiere erhöhten und versuchten die Produktivität durch Zufütterung zu steigern. Die Aufgabe der Landwirtschaft in den Dehesas und die Intensivierung der Tierhaltung haben dramatische Folgen für die zerbrechlichen Lebensräume. So ist heute ein Großteil der Dehesas überaltert, weil die natürlich nachwachsenden Bäume durch den hohen Viehbesatz einfach weggefressen werden. Wird die Bewirtschaftung aufgegeben, verbuschen die Dehesas, und fallen dann oft Waldbränden zum Opfer.

Warum muss die Politik helfen?

Korkeichen in der Extremadura

Die Probleme der Dehesa-Landwirtschaft sind typisch für nachhaltige Landwirtschaftsformen. Mit den durch den Verkauf erzielten Erlösen lassen sich die Kosten meist nicht decken. Der Markt versagt hier, da er bzw. die Konsumenten den erhöhten Arbeitsbedarf und die Produktion von intakten Lebensräumen von bedrohten Tieren nicht durch einen höheren Preis honoriert. Eine angepasste Landwirtschaft ist aber notwendig, damit die Dehesas weiter existieren können. Die Menschen, die hier Schweine, Rinder oder Schafe halten, müssen von ihrer Arbeit leben können. Geld genug für entsprechende Förderprogramme wäre vorhanden. Es muss nur richtig verteilt werden. Mit dem von EuroNatur und der Fundación Monte Mediterráneo im Juli 2006 präsentierten Vorschlag für eine angepasste Dehesa-Politik könnte das gelingen. Der Zeitpunkt war genau richtig. So muss Spanien zurzeit, wie alle Mitgliedsstaaten der EU, definieren für welche Leistungen die Landwirte für welche finanzielle Unterstützung aus den Mitteln zur sogenannte Ländlichen Entwicklung in der nächsten EU-Finanzperiode von 2007 bis 2013 erhalten soll. Mit den Vertretern der andalusischen Regierung wurde vereinbart, in weiteren Treffen über die konkrete Ausgestaltung der Programme zu beraten. Außerdem arbeitet Andalusien als erste spanische Autonome Region an der Schaffung eines eigenen Dehesa-Gesetzes, dem sogenannten „Ley por la Dehesa“. Die Idee des „Managementvertrages“ soll darin aufgenommen werden. Damit wäre ein wichtiger Schritt zu einem langfristigen Schutz der Dehesas getan. Im nächsten Schritt wird EuroNatur versuchen auch in der Extremadura eine ähnliche Weichenstellung zu erreichen.

 

Download der kompletten Studie als pdf-Datei (spanisch, 296 kb)

TERMINE 2008

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