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Kein Lebensrecht für Wölfe?

Zu den rationalen Gründen für die Verfolgung der Wölfe kam noch der vor allem im Mittelalter weit verbreitete Aberglauben, der die dunklen Seiten des menschlichen Wesens in den Wolf zu projizieren versuchte. Sogar der Teufel selbst wurde manchmal in Wolfsgestalt dargestellt. Und noch heute erzählt man Geschichten vom Werwolf. Kein Mittel, Wölfe zu verfolgen, war zu grausam. Bei lebendigem Leib wurden sie an Haken aufgehängt, mit Gift, Kugel und Falle stellte man ihnen nach, unerbittlich, bis mehr und mehr Gebiete wolffrei waren. 1847 war der letzte Wolf im Bayerischen Wald niedergestreckt, kurze Zeit später verschwanden sie auch aus dem Brandenburgischen. Der Krieg gegen Isegrim verlagerte sich gen Osten.

Bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts war die Verbreitung der Wölfe auf wenige, meist voneinander isolierte Vorkommen zurückgegangen. Nur die unzugänglichen Schluchten und Gebirge der Abruzzen, der Karpaten und der spanischen Kordilleren boten den Wölfen Schutz vor der menschlichen Verfolgung. Dann begann sich Widerstand gegen die endgültige Ausrottung der Wölfe zu regen. In Portugal, Kroatien, Polen, Italien, Slowenien, Schweden und Norwegen wurden Wölfe ganzjährig unter Schutz gestellt. In der Slowakei und in Rumänien darf der Wolf heute zumindest während der Welpenaufzucht nicht mehr gejagt werden. Und in fast allen Ländern Europas ist mittlerweile wenigstens der Einsatz von Giftködern verboten. Doch noch immer passiert es, dass Wölfe, wo sie auftauchen, abgeschossen werden - oft sogar dort, wo sie eigentlich per Gesetz unter Schutz stehen. Trotzdem sind die Zukunftschancen für Wölfe heute besser als noch vor wenigen Jahrzehnten.

Koexistenz ist möglich

Überall da, wo die Verfolgung konsequent eingestellt worden ist, haben sich Wölfe wieder ausgebreitet. Durch eine Aufklärungskampagne wurde der Wolf in Italien seinen schlechten Ruf los; heute ist Isegrim dort ein Sympathieträger ersten Ranges. Die slowakischen Wölfe sind weiter nach Westen gewandert; die ersten Tiere sind bereits im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet aufgetaucht. In Polen haben sich die letzten 100 Wölfe in den vergangenen fünfzehn Jahren versiebenfacht und Anfang der neunziger Jahre das deutsch-polnische Grenzgebiet erreicht.

Die ökologischen Bedingungen für Wölfe haben sich in den letzten 150 Jahren deutlich verbessert: Der Waldanteil ist gestiegen; es gibt so viele Hirsche und Rehe wie noch nie, und die Zahl der Haustiere, die im Wald oder auf Almen weidet, geht mehr und mehr zurück. Dadurch sind einerseits die Konflikte zwischen Wolf und Mensch entschärft worden. Andererseits ist bei den Landwirten aber die Tradition verloren gegangen, ihre Schaf- und Rinderherden mit Hunden zu schützen.


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