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Aktuell - Libanon
Seit April 2005 arbeitet Euronatur zusammen mit der Society for the Protection of Nature in Lebanon (SPNL) und mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt für den Schutz von Zugvögeln im Libanon. Von Anfang an war die Durchführung des Projekts geprägt von politischen Ereignissen. So musste der Projektbeginn wegen des Attentats auf den früheren libanesischen Staatschef Rafik Al Hariri aus Sicherheitsgründen um zwei Monate verschoben werden. Immer wieder gab es Bombenattentate in Beirut und auch von den Protesten gegen die Mohammed-Karikaturen blieb die Stadt nicht verschont. Trotz dieser widrigen Umstände haben es unsere Partner geschafft, viele der geplanten Maßnahmen erfolgreich umzusetzen. Die Aussichten das Projekt erfolgreich abzuschließen oder sogar zu verlängern waren gut. Mit dem Beginn des Kriegs im Libanon Mitte Juli hat sich die Situation schlagartig geändert und man sollte meinen, dass unsere Partner nun andere Sorgen haben als den Schutz von Zugvögeln. Doch trotz der schrecklichen Ereignisse, versuchen sie so gut wie möglich weiterzuarbeiten: Bei den Gesprächen und Email-Kontakten mit den libanesischen Kollegen geht es immer auch um unsere gemeinsame Projektarbeit. Das zeigt uns wie wichtig es ist, unseren Partnern gerade in dieser schlimmen Situation zu signalisieren, dass wir auch weiter im Libanon tätig sein wollen. Wann das wieder möglich sein wird, ist momentan noch offen, aber wir werden alles dafür tun, unseren Partnern im Nahen Osten – im Libanon, in Israel und in Palästina – weiter unsere Unterstützung zukommen zu lassen. Projektmanagement Libanon: Annette Spangenberg Zugvogelschutz im Libanon Während in unseren Breiten inzwischen viele Maßnahmen zum Schutz von Zug- und Brutvögeln und ihren Lebensräumen umgesetzt werden, werden in Südeuropa und dem Nahen Osten nach wie vor Tausende von Vögeln auf dem Weg in ihre Überwinterungsgebiete getötet. Grund hierfür ist die Vogeljagd, die in vielen Gebieten traditionell verankert ist.
So auch im Libanon: durch die naturräumliche Ausstattung des Landes verengt sich der Zugkorridor auf wenige Kilometer und es entsteht eine sogenannte „Flaschenhalssituation", welche die Vögel durchfliegen müssen. In der Bekaa-Ebene, wo sich der Zugvogelkorridor auf weniger als 15 Kilometer Breite verengt, ist der Handlungsbedarf besonders groß. Zahllose Singvögel wie Lerchen, Rohrsänger, Mönchsgrasmücken, Finken und Nachtigallen haben darunter zu leiden. Aber auch größere Zugvögel wie Kranich, Weiß- und Schwarzstorch, Kornweihe, Fischadler und Habichtsadler fallen dem Jagdwahn zum Opfer.
In unserem Projektgebiet Kfar Zabad, das in der Bekaa-Ebene, rund 60 Kilometer östlich von Beirut an der syrischen Grenze liegt, konnten wir bereits erste Erfolge erzielen. So ist es unserer Partnerorganisation SPNL (Society for the Protection of Nature in Lebanon) gelungen, die lokale Bevölkerung dafür zu gewinnen, einen Jagdbann in dem gemeindeeigenen Feuchtgebiet zu verhängen und einen sanften und naturorientierten Tourismus zu entwickeln. Inzwischen hat sich vor Ort eine eigene Gruppe von Naturschützern gebildet, die mit fachlicher Unterstützung der SPNL tatkräftig ans Werk gehen. Sie haben in ehrenamtlicher Arbeit einen fahrbaren Wagen gebaut, von dem aus man Vögel störungsfrei beobachten kann. Ein Beduinenzelt dient in den Sommermonaten als provisorisches Info-Zentrum. Nächste Schritte sind der Bau eines ganzjährig nutzbaren Besucherzentrums, in dem Schulklassen und naturinteressierte Besucher über die Besonderheit des Gebiets informiert werden und sich für Führungen in das Feuchtgebiet anmelden können. Kinder als Hoffnungsträger Einen grundlegenden Wandel in der Einstellung zur Vogeljagd kann man nur mit gezielter Umweltbildung erreichen. Hier setzt das Euronatur-Projekt an. Kindern und Erwachsenen wird in speziellen Veranstaltungen die Ökologie, Gefährdung und der Schutz von Zugvögeln nahe gebracht. Besonders die junge Generation lässt sich für die gefiederten Reisenden begeistern. Die Kinder zeigen großes Interesse an dem Unterrichtsmaterial, das gemeinsam mit dem libanesischen Erziehungsministerium entwickelt wurde und nun in den Schulen eingesetzt wird. Langsam beginnt ein Umdenken, und immer mehr Menschen erkennen den Wert lebender Vögel.
Jedes Jahr landen Millionen Zugvögel auf den Tellern libanesischer "Feinschmecker". Euronatur kämpft gemeinsam mit der libanesischen Partnerorganisation SPNL für ein Umdenken und bessere Kontrollen im Libanon. Artikel aus dem euronatur-Magazin vom Dezember 2005. |
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