
Der erste arabischsprachige Vogelführer, eine Unterrichtseinheit zum Thema Zugvogel, ein Faltblatt über gefährdete Vogelarten – das sind nur einige der Ergebnisse des Projekts zum Schutz von Zugvögeln und ihren Lebensräumen, das EuroNatur gemeinsam mit der libanesischen Naturschutzorganisation Society for the Protection of Nature in Lebanon (SPNL) 2008 erfolgreich abgeschlossen hat. Drei Jahre arbeitete EuroNatur zusammen mit der SPNL und mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Lufthansa im Libanon.
Eine Million Vögel sterben jedes Jahr durch die Jagd
Das Land liegt auf einer der Hauptzugrouten von Europa nach Afrika. Der für Zugvögel nutzbare Korridor ist schmal und wird im Westen vom Mittelmeer und im Osten von den Gebirgszügen des Mount Lebanon und des Antilibanons begrenzt. Teilweise verengt er sich auf nur 15 Kilometer. Seit Jahrhunderten wissen Jäger diese Tatsache zu nutzen. Kein Wunder also, dass die Vogeljagd im Libanon weit verbreitet ist. Die Zahl der abgeschossenen Vögel liegt derzeit nach plausiblen Schätzungen bei mehr als einer Million pro Jahr.
Das Problem bei den Wurzeln gepackt
Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, ist es dringend notwendig, bereits Kinder und Jugendliche für das Thema zu sensibilisieren. Umweltbildung war deshalb ein zentraler Bestandteil des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Lufthansa finanziell unterstützten Projekts. Um Lehrern geeignetes Material an die Hand geben zu können, entwickelten SPNL und EuroNatur unter Mitarbeit von Experten eine Unterrichtseinheit, die nun auf CD in englischer und arabischer Sprache erhältlich ist.

Neues Jagdgesetz
Doch nicht nur Kinder und Jugendliche galt es davon zu überzeugen, dass Zugvögel mehr als nur eine willkommene Jagdbeute sind. So erstellte die SPNL auch erwachsenengerechtes Informationsmaterial, wie etwa einen arabischsprachigen Vogelführer und trieb, gemeinsam mit EuroNatur, die Ausarbeitung eines neuen Jagdgesetzes voran. Zwar hatte die libanesische Regierung bereits 2004 – nach rund zehn Jahren ohne klare Regelung – ein neues Jagdgesetz erlassen. Bislang hatte dieses aber nur auf dem Papier existiert und gewaltige Lücken aufgewiesen. Im August 2007 wurde das überarbeitete Jagdgesetz dem zuständigen Gremium vorgelegt. Dies wird die neuen Regelungen in einer seiner nächsten Sitzungen verabschieden.
In der Jagdruhe liegt die Vielfalt
Wie positiv sich ein Jagdbann auf die Artenvielfalt der Vögel auswirkt, lässt sich eindrücklich im EuroNatur-Projektgebiet bei Kfarzabad beobachten. Im gemeindeeigenen Feuchtgebiet des nahe der syrischen Grenze gelegenen Ortes wurde zu Projektbeginn Anfang 2005 ein absolutes Jagdverbot verhängt. Innerhalb des rund 140 Hektar großen Areals finden zahlreiche Vogelarten Ruhe und Schutz, darunter gefährdete Arten wie Schwarzstorch, Doppelschnepfe und Zederngierlitz.
Der Funken ist übergesprungen
Auch die Einwohner von Kfarzabad haben den Wert der Fläche inzwischen erkannt: Galt sie früher wegen des dauerhaft hohen Wasserstandes als unbrauchbar, entdeckten die Dorfbewohner auf gemeinsamen Exkursionen mit den fachkundigen Mitarbeitern der SPNL die Besonderheiten der Tier- und Pflanzenwelt des Feuchtgebietes. Einige von ihnen sind heute sogar in der Lage, selbst Besuchergruppen durch diesen faszinierenden Lebensraum zu führen.
Erfolg auf vielen Ebenen
Damit wurden im Rahmen des Projekts auf verschiedenen Ebenen erfolgreich Maßnahmen zum Schutz von Zugvögeln und ihren Lebensräumen umgesetzt. Bleibt zu hoffen, dass in den kommenden Jahren die Zahl der Jäger und damit auch die im Libanon geschossenen Vögel tatsächlich weiter abnimmt – den Grundstein dafür hat EuroNatur gemeinsam mit seinem Projektpartner SPNL gelegt!
Trotz Unruhen und Krieg
Von Anfang an war die Durchführung des Projekts geprägt von politischen Ereignissen. So musste der Projektbeginn wegen des Attentats auf den früheren libanesischen Staatschef Rafik Al Hariri aus Sicherheitsgründen um zwei Monate verschoben werden. Immer wieder gab es Bombenattentate in Beirut und auch von den Protesten gegen die Mohammed-Karikaturen blieb die Stadt nicht verschont. Doch besonders hart traf das Land der Ausbruch des Krieges mit Israel im Juli 2006. Das Land wurde nicht nur für rund einen Monat nahezu vollständig lahmgelegt, auch nach Beendigung der Kampfhandlungen kehrte erst Monate später wieder Normalität ein.
Trotz all der schrecklichen Ereignisse brachten unsere libanesischen Kollegen weiterhin das Engagement auf, sich für den Schutz der Natur einzusetzen. Jetzt ist unsere gemeinsames Projekt in Kfarzabad abgeschlossen, doch die SPNL setzt ihre Arbeit in diesem und in anderen Gebieten fort. Nicht zuletzt, um zu zeigen, wie sich Menschen trotz unterschiedlicher religiöser und politischer Ansichten Hand in Hand für den Erhalt ihrer gemeinsamen Lebensgrundlagen einsetzen. Das Libanon-Projekt ist der beste Beweis, wie wichtig es ist, in Krisensituationen zu unseren Partnern zu stehen und in scheinbar ausweglosen Situationen an den gemeinsamen Zielen festzuhalten.
Projektmanagement Libanon: Annette Spangenberg