1950 wurde der letzte Luchs in Deutschland geschossen. Danach war es lange ruhig um die scheue Wildkatze. Seit den frühen 70er Jahren gibt es in Mitteleuropa wieder Einbürgerungsversuche, und seit dem Fall des "Eisernen Vorhangs" in Europa wandern vermehrt Luchs nach Mitteleuropa - auch nach Deutschland. Dem größten mitteleuropäischen Waldgebiet zwischen Österreich, Tschechien und Deutschland, dem Bayerischen Wald und dem Böhmerwald, kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu.
Anfang der 70er Jahre missglückte ein Wiedereinbürgerungsversuch des Luchses im Bayerischen Wald. Rund zehn Jahre später waren aber tschechische Biologen im Sumava-Nationalpark erfolgreich. 18 Luchse fanden hier den Weg in eine neue Heimat mit idealen Bedingungen. Sie breiteten sich rasch aus, heute wird der Bestand schon auf rund 150 Tiere geschätzt. Durch den Fall des "Eisernen Vorhangs" sind wieder Luchs-Wanderungen in diesem riesigen Lebensraum möglich und es findet inzwischen eine Ausbreitung über die Landesgrenzen hinweg statt. Im Mühlviertel in Oberösterreich gibt es mittlerweile regelmäßige Hinweise auf Luchse. In Bayern schätzen die Experten den Bestand auf rund 15 erwachsene Tiere.
Nicht nur aus dem tschechischen Böhmerwald kommen immer wieder einzelne Tiere nach Deutschland; auch in der Sächsischen Schweiz leben drei bis fünf Luchse. Im Pfälzer Wald und auch im Schwarzwald tauchen gelegentlich Luchse auf, die möglicherweise aus den Vogesen und dem Schweizer Jura einwandern.
Auch andere Versuche der Wiedereinbürgerung in Mitteleuropa waren zu einem großen Teil erfolgreich. In den Nord- und Zentralalpen der Schweiz sowie im Schweizer Jura leben wieder rund 100 Luchse. Von dort aus sind auch einige Tiere nach Frankreich gewandert, sodass der Bestand im Französischen Jura auf etwa 40 Tiere geschätzt wird. Ausgangspunkt für diese Populationen war die Aussetzung von rund 20 Luchsen in den frühen 70er Jahren. Weitere Wiederansiedlungen wurden 1975 in Italien und 1983 in den Vogesen, allerdings nur mit mäßigem Erfolg, durchgeführt. Vor allem in den Vogesen sorgte die mangelhafte Vorbereitung der Aktion für Schwierigkeiten. Die Einbindung von Viehhaltern und Jägern misslang gründlich.
Die am nächsten gelegene natürliche Luchspopulation lebt in den slowakischen Bergen, sie umfasst mehrere hundert Tiere. Die natürlichen Bestände weiter im Osten, in Rumänien, Polen, Ungarn und auf dem Balkan schätzen Experten insgesamt auf etwa 1.500 Tiere; in Skandinavien leben rund 1.200 Luchse.
Eine weitere Erfolgsstory gibt es aus Slowenien zu berichten. Dort wurden im Jahr 1973 drei Männchen und drei Weibchen ausgesetzt. Aus ihnen ist eine starke Population entstanden, die sich heute von Slowenien sowohl in südliche Richtung nach Kroatien als auch in nordwestliche Richtung bis nach Österreich ausbreitet. Die Alpen werden so vom Süden her ganz langsam wieder besiedelt. EuroNatur fördert mit dem Karst-Projekt die Bemühungen, Korridore vom Balkan in die Alpen für wandernde Tierarten wie Luchs, aber auch Wolf und Bär offenzuhalten.