Mittelmeer-Lebensraum für Mensch und Tier
Haben Sie gerade Ihren Urlaub am Mittelmeer verbracht oder planen Sie einen Aufenthalt in dieser Region? Wussten Sie, dass jährlich etwa 100 Millionen Touristen das Meer der Griechen und Römer aufsuchen, um sich vom Alltagsstress zu erholen und um wieder einmal richtig durchatmen zu können? Doch das Mittelmeer ist nicht nur Urlaubsregion, sondern auch Zufluchtstätte und Heimat von Delphinen, Walen, Meeresschildkröten, Mönchsrobben und vielen andere Tierarten. Leider trügt die Idylle des azurblauen Mittelmeers. Die Lebewesen in seinen Tiefen sind ständiger Bedrohung und Verfolgung ausgesetzt.
Tödliche Netze
Bereits 1992 erließ die Europäische Union ein Verbot für Treibnetze über 2,5 km Länge. Nach Schätzungen von Experten verfingen sich jährlich mehrere tausend Wale, Delphine, Robben und Meeresschildkröten in diesen Netzen und mussten jämmerlich ertrinken. 2002 schließlich trat ein generelles Treibnetzverbot in allen Gewässern der EU in Kraft. Doch nach wie vor kommt es zu Verstößen, da umfassende Kontrollen nur schwer möglich sind. So beobachteten Umweltaktivisten im Sommer 2005 Fälle illegaler Treibnetzfischerei auf italienischen Booten, bei denen Treibnetze zwischen 13 und 22 Kilometer Länge eingesetzt wurden.
Ausbeutung der Fischbestände
Meeressäuger sind nicht nur direkt, sondern auch indirekt durch intensive Fangmethoden bedroht. Wie in der Landwirtschaft hat auch im Fischereisektor in den letzten Jahrzehnten eine starke Intensivierung stattgefunden. Fangflotten mit fabrikmäßig ausgerüsteten Schiffen unternehmen lange Fangfahrten und steuern auch solche Gebiete an, die bisher Rückzugs- und Reproduktionsraum für viele Fischarten waren. Riesige Netze mit engen Maschen lassen selbst Jungfischen keine Chance. So können sich die Fischbestände nicht mehr erholen: in den letzten 20 Jahren gingen Fangmenge und -qualität trotz zunehmendem Fischereiaufwand stetig zurück. Die Überfischung des Mittelmeers hat weitreichende ökologische, wirtschaftliche und soziale Folgen: die Küsten- und Meeresumwelt wird nachhaltig gestört. Damit geht die Nahrungsgrundlage für Meeressäuger und die Haupterwerbsquelle für Fischer gleichermaßen verloren.
Verschmutzung der Meere
Nach wie vor entsorgen Schiffe Müll und Abwässer auf hoher See und viel zu viele städtische Kläranlagen gerade in den Mittelmeerländern sind überlastet, mangelhaft ausgerüstet oder erst gar nicht vorhanden. Der Kommissionsbericht vom April 2004 über die Durchführung der EU-Abwasserrichtlinie zeigt 13 Jahre nach Verabschiedung der Richtlinie eine katastrophale Situation: Von 556 Großstädten über 150.000 Einwohnern konnten 30% die Anforderungen der Richtlinie nicht erfüllen. Das sind allein EU-weit 169 Großstädte die täglich erheblich zur Verschmutzung der Meere beitragen. 25 Städte leiten ihr Abwasser sogar gänzlich unbehandelt ein, darunter Donostia-San Sebastián, Cádiz, Cork, Mailand, Barreiro (Portugal) und Brighton.
Die Barcelona-Konvention
Neben vielen nationalen und internationalen Einzelgesetzen zum Schutz des Mittelmeers, hat auch die sogenannte „Barcelona-Konvention“ den Schutz des Mittelmeeres zum Ziel. Die Barcelona-Konvention besteht aus sechs Protokollen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, in denen Maßnahmen zum Schutz des Mittelmeers festgehalten sind. Würden diese in ihrer Gesamtheit tatsächlich umgesetzt, wäre ein umfassender Schutz des Mittelmeeres gewährleistet. Doch nach wie vor sind nur einzelne Protokolle in Kraft.
Hintergrundpapier zur Barcelona-Konvention (pdf-Datei, 232 kb)






