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Artenschutz / Luchs / Balkan

Projektaktivitäten Balkan-Luchs

Arbeiten zur Ausweisung des grenzüberschreitenden Schutzgebiets Jablanica-Shebenik

Zur Erstellung der für eine Schutzgebietsausweisung erforderlichen Dokumente mussten Grundlagendaten zu Flora, Fauna und Lebensräumen im Gebiet erhoben werden. Die Arbeiten dazu begannen in beiden Teilen des Projektgebiets im Sommer 2005 und wurden ab Frühjahr 2006 fortgesetzt. Im zentralen Bereich des Jablanica Gebiets (Mazedonien) sammelten Mitglieder der Partnerorganisation MES, unterstützt durch Experten der Universität Skopje Daten zur Vegetation und zum Vorkommen von Insekten, Amphibien, Reptilien und Vögeln. Um ein Bild über das Vorkommen von Wolf, Bär und Luchs zu bekommen, befragten sie Schäfer und Waldarbeiter.

Auf der albanischen Seite des Projektgebiets nahmen Experten der albanischen Partner- organisation PPNEA – ebenfalls im Sommer 2005 und ab Frühjahr 2006 - Daten zu Flora und Fauna auf. Dabei untersuchten sie ausgewählte Lebensräume (Wiesen- und Wald- gesellschaften) auf ihre Artenvielfalt hin. Zusätzlich wurde das Gebiet auch unter sozio-ökonomischen Aspekten betrachtet. Eine „Stakeholder Analysis“ gibt einen Überblick über die relevanten Interessengruppen im Schutzgebiet.

Aufbauend auf den Ergebnissen der Feldarbeit wurden dann in enger Absprache zwischen den Projektverantwortlichen bei MES und PPNEA Zonierungsvorschläge für die künftigen Schutzgebiete auf albanischer und mazedonischer Seite erarbeitet. So soll eine spätere Ausweisung bzw. Zusammenlegung als grenzüberschreitendes Schutzgebiet erleichtert werden.

Die Zonierungsvorschläge sowie die weiteren Ergebnisse der Feldarbeit sind in umfassende Berichten zusammengestellt. Diese wurden im Oktober 2006 bei den entsprechenden Ministerien in Albanien (Ministry of Environment, Forests und Water Administration) und Mazedonien (Ministry of Environment and Physical Planning) eingereicht.

Inzwischen gibt es seitens des albanischen Ministeriums eine Zusage, das Gebiet noch im Jahr 2007 als Schutzgebiet (voraussichtlich Nationalpark) auszuweisen. Im mazedonischen Ministerium werden die von der MES eingereichten Unterlagen noch geprüft und müssen mit umfassenden Aufarbeitungen zur sozio-ökonomischen Situation im Projektgebiet ergänzt werden. Doch auch auf mazedonischer Seite steht man der Ausweisung des Jablanica-Gebirges als Schutzgebiet positiv gegenüber, wenngleich es noch keine Aussagen zum Zeithorizont gibt.

Damit konnten im Rahmen des vom BfN geförderte Projekts wesentliche Schritte zur Sicherung von insgesamt 425 km² Fläche entlang des Grünen Bands Europa ermöglicht werden. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass es sich bei dem Gebiet nachgewiesenermaßen um Lebensraum des Balkanluchses handelt. Auch für andere Großsäuger wie Wölfe und Bären ist das Gebiet wichtiger Lebensraum und Korridor.

Schulungen, Seminare und Workshops

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts lag darauf, den Balkanluchs und seine Gefährdung mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Ziel war es, Akzeptanz für die geplanten Maßnahmen zu seinem Schutz zu schaffen und die notwendige politische Unterstützung zu gewinnen.

Neben verschiedenen Schulungen für insgesamt je fünf Studenten aus Albanien bzw. Mazedonien (s.u.) organisierte EuroNatur daher gemeinsam mit seinen Projektpartnern im November 2005 ein internationales Seminar zum Schutz des Balkanluchses (finanziert durch die Zoologische Gesellschaft Frankfurt - ZGF). An dem Treffen nahmen hochrangige Vertreter aller relevanten Ministerien aus Albanien und Mazedonien teil. Die Veranstaltung, die unter der Schirmherrschaft des Europarates stattfand, diente dazu, die rund 40 Teilnehmer über die derzeitige Situation des Balkanluchses zu informieren, ein gemeinsames Vorgehen zum Schutz der Art in beiden Ländern zu diskutieren und konkrete Maßnahmen abzustimmen. In diesem Zusammenhang stellte EuroNatur auch die Initiative „Grünes Band Europa“ vor und zeigte auf, welche Rolle diese zukünftig in den Bereichen Luchsschutz und Ausweisung grenzüberschreitender Schutzgebiete auf dem Balkan spielen kann.

Im Anschluss an das internationale Seminar veranstalteten die Experten von EuroNatur, KORA und der IUCN Cat Specialist Group einen zweitägigen Monitoring-Workshop für Vertreter verschiedener Interessengruppen aus beiden Ländern, darunter Ministerien, Verwaltung, Wissenschaft, Naturschutz und Jagd. Die Teilnehmer trugen gezielt die wichtigsten Informationen, die es beim Aufbau eines Monitoringsystems für den Balkanluchs zu berücksichtigen gilt, zusammen. Darauf aufbauend erarbeiteten sie konkrete Vorschläge, wie ein Monitoring im jeweiligen Land organisiert werden kann. Die Ergebnisse sind eine wichtige Grundlage für den endgültigen Aufbau eines Luchs-Monitorings.

Ein weiteres Ziel des Projekts war es, das auch von albanischen und mazedonischen Naturschützern und Politikvertretern allgemein beklagte Wissensdefizit in den Bereichen Luchsschutz und -monitoring sowie Schutzgebietsausweisung und -management ansatzweise zu beheben. Um hier Abhilfe zu schaffen, sorgte EuroNatur für die Schulung von zehn Studenten aus beiden Ländern; jeweils fünf werden in den beiden oben genannten Bereichen geschult.

In der Projektlaufzeit (April 2005 bis November 2006) fanden insgesamt sechs Schulungen statt. Im Vorfeld des internationalen Seminars und des Monitoring Workshops besuchten die fünf „Luchsstudenten“ im November 2005 die Schweiz. Dieser Besuch bei KORA diente vor allem der inhaltlichen Vorbereitung der beiden Veranstaltungen. Gleichzeitig bekamen die fünf ausgewählten Studenten – drei Mazedonier und zwei Albaner - eine Einführung in die Ökologie von Wolf, Bär und Luchs sowie in die Grundlagen einer umfassenden Monitoringstrategie.

Im Januar 2006 wurde die Schulungsreihe im Schwerpunkt Luchs fortgesetzt und das bei der ersten Schulung theoretisch vermittelte Wissen zwölf Tage lang unter fachkundiger Betreuung von KORA in der Praxis angewendet. Mit Schneeschuhen ging es in den Bergen des Berner Oberlandes auf Spurensuche, um an geeigneten Plätzen Fotofallen anzubringen – eine schwierige Aufgabe bei einem so zurückgezogen lebenden Tier wie dem Luchs.

Im März 2006 fand die vorläufig letzte Schulung für die fünf „Luchs-Studenten“ statt. Diesmal reisten die Experten von KORA nach Mazedonien, um gemeinsam mit den fünf Studenten im Mavrovo-Nationalpark auf die Suche nach Spuren des Balkanluchs zu gehen. Die Veranstaltung hatte damit nicht nur Schulungszwecke, sondern diente auch dazu, erste Daten zum Balkanluchs zu erheben. Mit Erfolg, konnte doch am letzten Tag endlich die Spur eines Luchses nachgewiesen werden.

Inzwischen haben die fünf Nachwuchsexperten das in den Schulungen erlangte Wissen bei Exkursionen in das Projektgebiet Jablanica-Shebenik sowie andere Regionen Albaniens und Mazedoniens auch eigenständig eingesetzt. Dabei wurden im Bereich des mazedonischen Mavrovo-Nationalparks erneut Spuren des Balkanluchs gefunden. Leider sind die Ergebnisse aus Albanien bisher weniger positiv: einziger Nachweis des Balkanluchs bleibt ein ausgestopfter Luchs in einem Restaurant nahe des Projektgebiets Jablanica-Shebenik.

Auch im Bereich Schutzgebiets- management und GIS Technologien fanden drei Schulungen für fünf Trainees statt. Die erste Veranstaltung organisierte EuroNatur in Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg im Dezember 2005. Dabei erhielten die drei Albaner und zwei Mazedonier eine Einführung in die Anwendung von GIS Software und in verschiedene Naturschutzstrategien. Ziel der Veranstaltung war es, Grundbegriffe des im Bereich Naturschutz notwendigen Datenmanagements zu vermitteln und die Teilnehmer dahingehend zu schulen, dass sie die im Rahmen der Feldarbeiten im Jablanica-Shebenik Gebiet gesammelten Daten sinnvoll aufbereiten können.

Im August 2006 fand eine zweite Schulung für Schutzgebietsmanagement und GIS-Anwendung im ECAT (Environmental Center for Administration and Technology) in Tirana statt. Ziel dieser Schulung war es, die GIS-Kenntnisse der Teilnehmer aufzufrischen sowie neue Inhalte, die über die reinen Standardanwendungen hinausgehen, zu vermitteln. Mit Daten aus dem Projektgebiet Jablanica-Shebenik wurden praktische Übungen durchgeführt und, wo sich dies als notwendig erwies, kurze Vorlesungen gehalten. Im Anschluss an die fünftägige Computer-Schulung fand eine Exkursion in den albanischen Teil des Projektgebiets statt. Bei dieser Gelegenheit wurden unter anderem die Anforderungen beim Umgang mit GPS-Geräten vermittelt.

Bei der Schulung im August 2006 zeigte sich ein starkes Wissensdefizit auf Seiten der drei albanischen Teilnehmer. Um dieses zu überwinden, fanden im November 2006 fünf weitere betreute „GIS-Arbeitstage“ am ECAT statt. Dies gab den albanischen Studenten die Möglichkeit, mit dem Programm mit direkter Hilfestellung bei Problemen zu arbeiten und so weitere Kenntnisse zu sammeln.

Im Rahmen der Schulungen konnten zehn junge Nachwuchswissenschaftler aus Albanien und Mazedonien ausgebildet weden. Die Schulungen im Bereich Großraubtierschutz und -management verliefen außerordentlich erfolgreich; alle fünf Teilnehmer konnten so ausgebildet werden, dass sie künftig die Arbeit der beiden NGOs PPNEA und MES wissenschaftlich fundiert unterstützen können. Die Schulungen im Bereich Schutzgebietsmanagement und GIS-Anwendungen hingegen verliefen nur eingeschränkt erfolgreich; nur zwei der insgesamt fünf Teilnehmer konnten so befähigt werden, dass sie substantielle Beiträge zu dem abgeschlossenen oder weiteren Projekten leisten konnten und können.

Ausblick und Folgeaktivitäten

Aufbauend auf die erfolgreiche Umsetzung des von BfN geförderten Projekts „Grünes Band Balkan als ökologischer Korridor für Wolf, Bär und Luchs“ ist es EuroNatur gemeinsam mit weiteren Partnern gelungen, Mittel für ein Folgeprojekt zu akquirieren: das Projekt „Balkan Lynx Recovery Programme“ (Laufzeit Oktober 2006 bis September 2009). Ziel des Folgeprojekts ist es, den weiteren Rückgang des Balkanluchs-Bestands zu stoppen und sein Überleben in neuen Schutzgebieten am Grünen Band Europa zu gewährleisten. Hierfür wird die Ausweisung von zwei Schutzgebieten entlang der Grenzen von Albanien und Montenegro (Prokletije) sowie Albanien, Mazedonien und dem Kosovo (Shar Planina/Korab) vorbereitet. Damit sollen gezielt Lebensräume des Balkanluchses geschützt werden. Außerdem werden die Vorarbeiten zur Sicherung eines wichtigen Verbindungskorridors (Illinska-Plakenska) zwischen den mazedonischen Nationalparken Mavrovo, Galicica und Pelister durchgeführt .

Durch intensive Feldarbeit werden weitere Informationen über die tatsächliche Verbreitung und Populationsgröße des Balkanluchses gesammelt. Diese dienen als Grundlage für die Entwicklung gezielter Schutzmaßnahmen. In enger Zusammenarbeit entwickeln nationale und internationale Experten sowie Vertreter aller relevanten Interessensgruppen landesweite, komplementäre Aktionspläne zum Schutz des Balkanluchses.

Weiterer wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Fortsetzung der Arbeit im Jablanica-Shebenik-Gebirge. Aufbauend auf die teilweise im Rahmen des abgeschlossenen Projekts entwickelten Ideen werden in enger Kooperation mit der lokalen Bevölkerung Ansätze für eine nachhaltige Entwicklung im Gebiet erarbeitet, von der die Menschen vor Ort unmittelbar profitieren. So soll die Akzeptanz der zukünftigen Schutzgebiete auf albanischer bzw. mazedonischer Seite erhöht werden.

Folgende Organisationen sind neben EuroNatur an der Umsetzung dieses Folgeprojekts beteiligt:

Internationale Partner:

KORA (Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz)

NINA (Norwegian Institute for Nature Research)

LCIE (IUCN SSC Working Group Large Carnivore Initiative for Europe)

IUCN SSC (IUCN Cat Specialist Group)

Nationale Partner:

MES (Macedonian Ecological Society)

BioECO Macedonia

PPNEA (Protection and Preservation of Natural Environment in Albania)

ASPBM (Albanian Society for the Protection of Birds and Mammals)


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