Verwunschenes Vogelparadies: Der Skutari-See
Im Grenzgebiet zwischen Albanien und Montenegro liegt vom Bojana-Buna-Delta aus gesehen etwas landeinwärts der größte See der Balkanhalbinsel: der Skutari-See. Neben direkten Zuflüssen aus dem dinarischen Hochgebirge wird er aus bis zu 60 Meter tiefen Karstquellen mit Wasser versorgt – Quellen, die weit unter dem Meeresspiegel liegen. Niederschläge und Schmelzwasser lassen das Gewässer im Verlauf der Jahreszeiten fast auf das Doppelte seiner eigentlichen Größe anschwellen.
Mit seiner üppigen Vegetation, und seinen ausgedehnten Überschwemmungs- und Flachwasserbereichen ist der fischreiche Skutari See ein wichtiges Brut-, Überwinterungs- und Rastgebiet für Hunderttausende von Zugvögeln auf der Adria-Zugroute. Insgesamt gibt es hier über 270 verschiedene Vogelarten. Stolze zwei Prozent des gesamten europäischen Brutbestandes an Weißbartseeschwalben nutzen den Skutari See als Brutplatz. Daneben so seltene Arten wie der Krauskopfpelikan und der weiß leuchtende Rallenreiher.
Der montenegrinische Teil des Skutari Sees wurde 1983 als Nationalpark ausgewiesen und 1995 in die internationale Ramsar-Liste schützenswerter Feuchtgebiete aufgenommen. Vor zwei Jahren wurde auch der albanische Teil zum Ramsargebiet. Jetzt geht es vor allem darum, wirksame Schutzmaßnahmen in die Praxis umzusetzen. Denn die Idylle ist nicht perfekt: Eine zunehmende touristische Nutzung des Sees und intensive Vogeljagd (Augenzeugenberichte lesen Sie hier, pdf 1 Mb) gefährden das Vogelparadies ernsthaft.
Was machen EuroNatur und seine Partner?
- Gegen die Vogeljagd an der östlichen Adria kämpfen: Lesen Sie mehr in der Rubrik Zugvögel.
- Wertvolle Daten sammeln: Regelmäßig erfassen wir sämtliche Brutvogelkolonien am Skutari-See - darunter Möwen, Seeschwalben, Reiher und Kormorane. Diese Daten bilden eine wertvolle Argumentationsgrundlage für weitere Schutzmaßnahmen.
- Schutzzonen planen: Auf der Grundlage fundierter Daten haben wir ein ausgefeiltes Zonierungskonzept mit Schutz- und Ruhezonen und zeitlich begrenzten Betretungsverboten für den Nordteil des Skutari-Sees entwickelt und mazedonischen, montenegrinischen und albanischen Entscheidungsträgern in verschiedenen Workshops vorgestellt.
- Krauskopfpelikane schützen: Lesen Sie mehr in der Rubrik Zugvögel.
- Gegen den Bau von Wasserkraftwerken an der Moraca kämpfen: Fast alle Flüsse auf dem Balkan sind durch die Planung neuer Wasserkraftwerke bedroht. Die Kraftwerke an der Moraca, dem größten Zufluss des Skutari-Sees, würden etwa 100 Quadratkilometer Seeauen trockenlegen.
- Naturtourismus statt Lebensraumzerstörung fördern: Wir setzen uns für einen naturverträglichen Tourismus am Skutari-See ein, der ganzjährige wirtschaftliche Perspektiven schafft und gleichzeitig die Naturschätze dauerhaft erhält. Der EuroNatur-Reiseführer "Östliche Adria" ist im Shop der EuroNatur Service GmbH erhältlich.
Was wir bereits erreicht haben – Eine Auswahl wichtiger Erfolge:
- Der gesamte Skutari-See ist mittlerweile offiziell jagdfrei.
- Die Zahl der überwinternden Wasservögel nimmt im Skutari-Nationalpark in Montenegro seit Beginn des Jagdverbotes 2002 stetig zu.
- Im Jahr 2009 konnte EuroNatur in Zusammenarbeit mit der Nationalpark-Verwaltung und der albanischen Partnerorganisation APAWA erstmals sämtliche Brutvogelkolonien am Skutari-See erfassen. Die gewonnenen Daten liefern wichtige Argumente dafür, weitere Schutzbemühungen voranzutreiben.
- Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) hat das von EuroNatur vorgeschlagene Zonierungskonzept mit Zustimmung des montenegrinischen und des albanischen Umweltministeriums in ihrem Konzept für die grenzüberschreitende Entwicklung des Skutari-Sees veröffentlicht. Allerdings verzögert sich die Umsetzung der Schutzmaßnahmen noch, und wir müssen weiter für die fortschrittliche Planung lobbyieren.
Partner: Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), National Park Skutari, Gesellschaft für den Schutz der Meerestiere in Albanien (APAWA), Universität Shkodra.
Förderung: Mava-Stiftung, Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (gtz), EuroNatur-Paten und -Spender



















