Ein Karstpark für Slowenien und Kroatien
Wo immer in Europa noch Luchse leben, sind die Wälder groß und Menschen meist selten. Noch mehr gilt dies für Gebiete, in denen die drei europäischen Großraubtiere nebeneinander vorkommen: Braunbär, Wolf und Luchs. Ein solches Gebiet gibt es im Süden Sloweniens und Norden Kroatiens - der Dinarische Karst, jene einmalige Landschaft, die den Karstphänomenen weltweit ihren Namen gegeben hat. Die Bewahrung dieses einmaligen europäischen Naturerbes geht uns alle an. Um all die faszinierenden Elemente der Karstlandschaft zu bewahren, ist ein Schutzkonzept gefragt, welches die räumlich begrenzten wie die überregionalen Elemente einschließt. Gleichzeitig müssen die Interessen der lokalen Bevölkerung berücksichtigt werden. Ein großräumiger Schutzgebietsverbund in Form eines umfassenden Karstparks wäre die Lösung.
Der Karst ist eine in jeder Hinsicht ungewöhnliche geologische Erscheinung: In den küstenfernen Gebieten bedecken ihn die dunkelsten Wälder. An der Küste verliert sich der Wald, und eine Landschaft aus Gestein und blumenbunten Wiesen beherrscht das Bild, jenes Bild, das Besucher der Adria schlechthin mit Karst verbinden. Ökologisch wertvoll sind beide Teile gleichermaßen: in den Wäldern leben Luchse, Bären und Wölfe, in den waldfreien Abschnitten des Karsts so seltene Vögel wie Heidelerche, Steinrötel und Ortolan. Die einmalige Höhlenfauna mit dem Grottenolm gibt es in beiden Bereichen.
Die Karstlandschaft ist charakterisiert durch eine Vielzahl von Karstfeldern, den Poljen, Einsturztrichtern, den Dolinen und Höhlen. Die berühmteste ist die Tropfsteinhöhle von Postojna, auch bekannt als Adelsberger Grotte. Karst entsteht durch Auslaugung und Ausschwemmung von Kalkgestein durch Wasser. Trotz hoher Niederschläge ist der Karst arm an Oberflächenwasser. Das Regenwasser versickert rasch und fließt durch unterirdische Hohlräume und Flußsysteme ab. Typisch sind abwechselnd ober- und unterirdisch fließende Gewässer, die in sogenannten Schluck- und Spucklöchern verschwinden und wieder zutage treten.
Aufgrund der Oberflächentrockenheit und der daraus resultierenden Kargheit sind im Karst extensive Formen der Landnutzung erhalten geblieben. Die traditionelle und kleinbäuerliche Landwirtschaft und naturnahe Formen der Forstwirtschaft haben das reiche Naturerbe bis heute bewahrt. Doch Slowenien und Kroatien befinden sich einer Phase des gesellschaftlichen und ökonomischen Wandels. Was anderswo längst passiert ist, droht jetzt auch hier zu geschehen. Die Zerschneidung der einzigartigen Großlandschaften hat schon begonnen.






