Steckbrief Eurasischer Luchs


Verbreitung

Datenquelle: Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE), eigene Erhebungen. Die dargestellten Gebietsgrenzen geben nur die derzeit bekannten Kernverbreitungsgebiete an. Einzeltiere und kleinere Populationen können auch außerhalb dieses Gebiets vorkommen.
Datenquelle: Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE), eigene Erhebungen. Die dargestellten Gebietsgrenzen geben nur die derzeit bekannten Kernverbreitungsgebiete an. Einzeltiere und kleinere Populationen können auch außerhalb dieses Gebiets vorkommen.

Der Eurasische Luchs hat ein sehr großes Verbreitungsgebiet, das sich von Westeuropa bis nach Zentralasien erstreckt. In Europa besiedelt er alle Klimazonen und lebt von Meereshöhe bis zur klimatischen Waldgrenze im Gebirge. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Luchses ist im Lauf der letzten Jahrhunderte allerdings stark geschrumpft. In Europa sind nur Restpopulationen übrig geblieben. Größere Populationen gibt es noch in den baltischen und skandinavischen Ländern.

Eine seltene Unterart des Eurasischen Luchses ist der Balkanluchs. Vermutlich gibt es nur noch weniger als 100 Exemplare, womit der Balkanluchs zu den seltensten Katzen der Erde gehört. Sein Verbreitungsgebiet beschränkt sich auf den südwestlichen Balkan. Allerdings machen dem Balkanluchs dort Lebensraumzerstörung und direkte Verfolgung – auch die seiner Beutetiere - zu schaffen. Die letzten intakten Lebensräume finden sich nicht nur in den artenreichen Wäldern Mazedoniens, sondern decken sich vermutlich auch weitgehend mit dem Verlauf des Grünen Bandes zwischen Albanien und Mazedonien, sowie zwischen Albanien, Montenegro und dem Kosovo.

 

 

Lebensraum

Der Lebensraum des Luchses besteht aus großen Waldgebieten, die ihm ausreichend Deckung bei der Jagd und ein ausreichendes Angebot an Beutetieren bieten. Luchse sind Einzelgänger und haben sehr große Aktionsräume von bis zu hundert Quadratkilometern. Neue Reviere erobern sie nur, wenn diese an bereits bestehende Reviere anschließen -  anders als Wölfe, die auch vollkommen neue Gebiete besiedeln können. Unzerschnittene Landschaften und reichlich Nahrung sind Voraussetzung für das Überleben der Luchse.

 


Körpermerkmale

Luchse sind hochbeinig, mittelgroß und haben auffällige, pinselartige Haarbüschel an den Ohren, einen ausgeprägten Backenbart, kräftige Reißzähne und einen kurzen Schwanz. Sie erreichen eine Körperlänge von 80 bis 120 Zentimetern, eine Schulterhöhe von 50 bis 70 Zentimetern und ein Gewicht von durchschnittlich 20 bis 25 Kilogramm, wobei die Weibchen im Allgemeinen leichter sind als die männlichen Artgenossen („Kuder“). Luchse habe ein gelb-  bis rotbraunes Fell mit schwarzen Flecken. Kinn- und Bauchfell sind cremeweiß gefärbt. Der typische Pfotenabdruck eines erwachsenen Luchses ist rund drei Mal größer als der einer Hauskatze. Im Durchmesser ist das runde Trittsiegel eines Luchses sechs bis neun Zentimeter groß.

 


Fortpflanzung

Im Februar und März ist Paarungszeit (Ranzzeit). Die lauten Partnerrufe des Luchses sind während dieser Zeit manchmal zu hören und klingen sehr ähnlich wie das Bellen von Füchsen und Rehen. Außerhalb dieser Phase gehen sich Männchen und Weibchen aus dem Weg. Die Paarung erfolgt hauptsächlich im März. Das Weibchen bringt nach ungefähr 70 Tagen Tragzeit Ende Mai oder Anfang Juni ihre Jungen an einem geschützten Ort zur Welt. Ein Wurf besteht aus einem bis zu vier Jungen, die das Luchsweibchen alleine aufzieht. Im Alter von drei Jahren begleiten die jungen Luchse ihre Mutter auf die Jagd und bleiben bis zur nächsten Ranzzeit bei ihr. Danach suchen sich die Jungtiere eigene Territorien.

 


Nahrung

Der Luchs ist ein reiner Fleischfresser und jagt kleine Paarhufer wie Rehe, Gämsen, Ren und Moschustier. Er ist ein Anschleichjäger, der vorwiegend am Abend jagt, wenn auch die Beutetiere aktiv sind. Schlägt ein Überraschungsangriff fehl, wird die Beute nicht verfolgt. Der Luchs greift das Opfer mit den Krallen der Vorderpranken und tötet es mit einem gezielten Biss in die Kehle. Hat er ein Reh oder eine Gämse gerissen und bleibt er ungestört, kehrt der Luchs mehrere Nächte zur Beute zurück, bis diese vollständig verzehrt ist. Nur die groben Knochen, der Kopf, das Fell und der Verdauungstrakt bleiben übrig. Ein Luchs braucht pro Woche ungefähr ein Reh oder eine Gämse, das heißt rund 60 Tiere pro Jahr.

 


Gefährdung und Schutzstatus

Seit 200 Jahren gilt der Luchs in nahezu ganz Mitteleuropa als ausgerottet. Seit 1970 wurde der Luchs unter anderem in der Schweiz, in Slowenien, Frankreich, Italien, Tschechien und Österreich wieder angesiedelt. In Deutschland gibt es regelmäßige Luchsvorkommen mit Nachwuchs derzeit nur im Harz und im Bayerischen Wald, an der Grenze zu Tschechien und Österreich. Und selbst bei diesen Populationen ist nicht klar, ob sie langfristig überlebensfähig sind. In anderen Teilen der Bundesrepublik wurden bis jetzt lediglich Einzeltiere gesichtet. Für die meisten Gebiete in Deutschland ist nicht zu erwarten, dass die Art selbständig zuwandert - zumal es deutschlandweit bislang noch keine Beispiele für Luchsvorkommen gibt, die sich ohne aktive Maßnahmen der Menschen von selbst wieder angesiedelt haben. Ohne die Unterstützung des Menschen werden die geschmeidigen Raubtiere Deutschland langfristig nicht als Lebensraum zurückerobern können.

Die Balkanluchspopulation umfasst heute vermutlich nur noch weniger als 100 Tiere und ist damit die am stärksten gefährdete ursprüngliche Luchspopulation unseres Kontinents.


In Europa ist der Luchs durch die drei folgenden Richtlinien geschützt:

  • Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES - Convention on International Trade in Endangered Species of the Wild Fauna and Flora), das den Handel mit Wildtieren und Pflanzen kontrolliert.
  • Die Berner Konvention, ein Übereinkommen zur Erhaltung und zum Schutz europäischer wildlebender Pflanzen und Tiere und ihrer Lebensräume.
  • Die FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, 92/43/EWG), die europaweit die Ausweisung und Erhaltung von Lebensräumen und Wildtieren regelt und von allen EU-Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt werden muss.