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Trittsteinbiotope

Das Vorhandensein von intakten Rastgebieten auf ihrem langen Zugweg ist für Zugvögel genauso existentiell wie ihr Schutz in den Brut- und Rastgebieten.

Vor allem Langstreckenzieher wie Kraniche oder Störche sind auf den Schutz aller Feuchtgebiete und Rastplätze entlang der Zugvogelstrecken angewiesen. Dies ist genauso wichtig wie die Bewahrung von Überschwemmungsflächen in den Brutgebieten.

In viele Regionen Europas werden Weißstörche und Kraniche nie mehr zurückkehren können, da die Lebensräume irreparabel zerstört sind. Ob diese Zugvögel als Botschafter zwischen den Kontinenten überleben hängt davon ab, inwieweit die Verantwortlichen auf lokaler und regionaler Ebene sowie die Regierungen der einzelnen Nationen erkennen, dass Umweltschutz letztendlich auch die Existenz des Menschen heutiger und kommender Generationen sichert.

Wichtige ökologische Trittsteine für Zugvögel in Europa zu bewahren ist das Ziel der EuroNatur-Aktion "Ökologische Bausteine".

Zu den Trittsteinbiotopen:

 

Elbtalaue - Deutschland

Müritz - Deutschland

Senne - Deutschland

Narew - Polen

Laguna Gallocanta - Spanien

Laguna La Nava - Spanien

Extremadura - Spanien

Hórtobagy - Ungarn

Erzin - Türkei

Hula-Tal - Israel

Elbtalaue - Leben am großen Strom

Neben Auwäldern gibt es in den Elbtalauen eine Fülle weiterer Lebensräume für Pflanzen und Tiere, so etwa vom Strom eingetiefte Seitengewässer, wo Bekassine, Graureiher und Weißstorch Nahrung suchen. In Flutrinnen und -senken laichen Knoblauchkröte und Moorfrosch. Der Weißstorch ist der Charaktervogel der Elbtalaue; allein im "Europäischen Storchendorf" Rühstädt brüten rund 50 Paare.

Die Auen des Elbtals sind aber auch ein Eldorado für durchziehende und überwinternde Vögel: bis zu 2.500 Singschwäne, 4.000 Zwergschwäne und 100.000 Saat- und Bläßgänse.

Auch mehrere tausend Kraniche rasten jedes Jahr im Elbtal. Dieses liegt genau im schmalen und quer durch Europa führenden Zugkorridor zwischen den Herbst-Sammelplätzen an der Deutschen Ostseeküste und dem Winterquartier in der südwestspanischen Extremadura.

Je nach Witterung verweilen die Gäste im Elbtal nur wenige Tage oder sogar mehrere Wochen, ehe sie weiterziehen. Gemeinsam mit den heimischen Artgenossen äsen sie auf Grünland oder Äckern in der Nähe des Flusses und suchen zum Abend störungsarme Schlafplätze auf, um im Flachwasser zu nächtigen.

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Narew - Amazonien Polens

Die Narew-Niederung liegt im Nordosten Polens, schon fast an der Grenze zu Weißrussland. Sie trägt den Namen Amazonien Polens zu recht: Eine Flussschlinge reiht sich an die nächste. Mehr als vierzig Kilometer lang und bis zu drei Kilometer breit ist dieses Sumpftal. Dass dieses Paradies als Nationalpark geschützt wurde, ist mit ein Verdienst der Stiftung Europäisches Naturerbe. Jetzt ist es wichtig, Natur, die durch die Kanalisierung einiger Abschnitte der Narew verloren ging, wieder zurückzugewinnen. Darum kümmert sich EuroNatur jetzt gemeinsam mit ihren polnischen Partnern. Ursprünglich sollte die Landwirtschaft von der Kanalisierung profitieren. Doch dies stellte sich als unrealistisch heraus. Mittlerweile zählen die Bauern zu den Verbündeten des Naturschutzes und treten für die Renaturierung ein. Die trockengelegten Flächen eignen sich nicht für Ackerbau; dort ist nur eine extensive Wiesennutzung sinnvoll - zum Glück für den Wachtelkönig, der auf schonend bewirtschaftete Wiesen angewiesen ist. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass nur angepasste Landwirtschaft Natur und Kultur gerecht wird.

Das Narew-Gebiet ist eines der wichtigsten Brutgebiete für Weißstörche. Vom Nordpodlassischen Vogelschutzbund wird der Bestand auf 4500 Paare geschätzt. Neben Elchen und Bibern leben Wiesenweihen, Weißbartseeschwalben und Seggenrohrsänger in großen Populationen in den Auen.

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Rast an der Müritz

In den ausgedehnten Erlenbrüchen, den verbuschten Feuchtflächen und Röhrichten an der Müritz inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte erreicht der Kranich eine für Mitteleuropa einmalige Bestandsdichte.

Während der Zugzeit versammeln sich die Kraniche zur Nahrungssuche auf Wiesen und Äckern. Abends fliegen sie gemeinsam zu den großen Seen, wo sie, im knietiefen Wasser stehend, übernachten. Bis zu 5.000 dieser stattlichen Vögel rasten dann an der Müritz. EuroNatur hat nicht nur den Aufbau des Müritz-Nationalparks, sondern des gesamten Nationalpark-Programms im Osten Deutschlands erfolgreich unterstützt.

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Kranich-Stopover Senne

Die Moor- und Heidegebiete der Senne-Niederung in der Nähe des Teutoburger Waldes sind wichtige ökologische Trittsteine im internationalen System des Vogelzugs. Mehr als tausend Kraniche rasten hier auf dem Weg in den Süden. Die wichtigen Flächen für die Kraniche befinden sich auf dem Gelände eines Truppenübungsplatzes. Das britische Militär nimmt Rücksicht darauf und sperrt die Kranichplätze während der Zugzeit für sämtliche Aktivitäten.

Eine Studie des Bundesamtes für Naturschutz weist die Senne als einzigartiges nationalparkwürdiges Gebiet in Nordrhein-Westfalen aus. Der Landtag des bevölkerungsreichsten Bundeslandes hat Anfang der 90er Jahre beschlossen, den Truppenübungsplatz nach Aufgabe der militärischen Nutzung als Nationalpark auszuweisen. EuroNatur hat sich gemeinsam mit der Biologischen Station Senne das Ziel gesetzt, diesen ökologischen Baustein zu bewahren und unterstützt das Programm für diesen Nationalpark.

mehr zum EuroNatur-Projekt Senne

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La Gallocanta - Rastplatz tausender Kraniche

Südlich der Pyrenäen, ganz in der Nähe der Stadt Zaragoza, liegt die Laguna La Gallocanta - ein flacher und salzhaltiger See mit einer Ausdehnung von rund 1.500 Hektar (Zum Vergleich: der Starnberger See ist ungefähr viermal so groß). La Gallocanta ist attraktiver Anziehungspunkt für die Kraniche, die den anstrengenden Flug über die Pyrenäen erfolgreich gemeistert haben. Der Flachwassersee eignet sich sehr gut als Ruheplatz, denn das seichte Wasser schützt die Vögel vor Feinden. Kraniche schlafen stehend im Wasser. Außerdem liegt La Gallocanta in einem Becken, das intensiv landwirtschaftlich genutzt wird. Vor allem seitdem dort die Frühaussaat des Getreides praktiziert wird, sammelten sich immer mehr Kraniche. Treffen von über 50.000 Großvögeln sind nun keine Seltenheit mehr. Allerdings verursachen die Kraniche erhebliche Schäden auf den umliegenden Getreidefeldern. Die Bauern verlangten zu Recht Entschädigungen - doch diese kamen nur spärlich und meist schleppend. So griffen die Landwirte zu drastischen Abwehrmaßnahmen: Sie vertrieben die Kraniche von ihren Schlafplätzen mit Feuerwerkskörpern, brennenden Autoreifen und Schreckschusspistolen.

EuroNatur unterstützte eine breit angelegte Sensibilisierungskampagne der Spanischen Ornithologischen Gesellschaft (SEO) mit dem Ziel, die Bevölkerung über die Bedeutung von La Gallocanta für die Kraniche aufzuklären und die Behörden dazu zu bringen, die Bauern für ihre Verluste schnell und unbürokratisch zu entschädigen. Seitdem hat sich die Situation etwas entspannt, jedoch kommt es immer noch zu einzelnen Störaktionen. Früher hat es neben La Gallocanta weitere attraktive Flachseen südlich der Pyrenäen für die Kranichrast gegeben. Diese sind fast alle der landwirtschaftlichen Intensivierung zum Opfer gefallen.

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Laguna La Nava

Es ist noch gar nicht lange her, dass mehrere tausend Kraniche an der Laguna La Nava in der Provinz Palencia einen Zwischenstopp auf ihrem Zug in die Extremadura einlegten. Doch in den 40er und 50er Jahren fiel der ehemals bis zu 5.000 Hektar große Flachsee der Intensivierung der Landwirtschaft zum Opfer. Seit Anfang der 90er Jahre unterstützt EuroNatur Naturschützer, die hier Meter für Meter Natur zurückerobern. Inzwischen stehen Jahr für Jahr wieder mehr als 300 Hektar unter Wasser. Und wenn es im Winter sehr viel regnet, dann dehnt sich der Flachsee wieder fast auf ursprüngliche Ausmaße aus. Nicht nur zur Freude der Bauern und Viehzüchter, die hier ihr Vieh weiden. Allerdings sind die Renaturierungen nur möglich geworden, da der einstige Seegrund sich für eine rentable Landwirtschaft nicht eignete. Und eine extensive Viehzucht sowie ein Eldorado für Wasservögel, das geht durchaus zusammen, wie Berichte aus der Vergangenheit belegen.

Inzwischen überwintern Jahr für Jahr mehrere tausend Gänse und Enten an der Laguna La Nava. Mit zahlreichen anderen seltenen Durchzüglern und Wintergästen ist La Nava jetzt das drittwichtigste Wintergebiet dieser Art in Spanien. Auch erste Kraniche haben wieder Station gemacht. Bis sich der neue Rastplatz als Alternative zu La Gallocanta auch unter den Kranichen wieder "herumgesprochen" hat, wird sicher noch einige Zeit vergehen. Allerdings sind sich Experten sicher, dass in nicht allzu ferner Zukunft auch wieder große Trupps des majestätischen Vogels auf ihrer Reise in die Extremadura Rast an der Laguna La Nava machen.

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Kraniche in der Extremadura

Mittlerweile ist es in ganz Spanien und weit darüber hinaus bekannt: Das Spektakel der 50 – 70.000 Kraniche, die sich jedes Jahr zum Überwintern im Südwesten Spaniens einfinden. Sie gelten als Glücksboten, anlässlich ihrer Rückkehr werden Feste veranstaltet und Beobachtungstouren organisiert. Noch 1970 überwinterte ein Großteil der Kraniche in Nordafrika, jenseits der Straße von Gibraltar. Doch in den Steppen und Eichenhainen (Dehesas) der Extremadura fanden die großen Vögel geeignete Lebensräume und ausreichend Nahrung und so blieben sie. EuroNatur engagiert sich seit Anfang der 90er Jahre für den Kranichschutz in der Extremadura und unterstützt die regelmäßige Bestandserfassung, die Information der Öffentlichkeit und den Schutz der Dehesas. Diese für die Extremadura und Andalusien so typische Kulturlandschaft aus parkartigen Kork- und Steineichenwäldern bietet neben den Kranichen auch etlichen anderen seltenen Arten Lebensraum und Rückzugsgebiete.

mehr zum Projektgebiet Extremadura

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Hortobágy, Kopacki Rit und Csikvarsa

Wirkungsvoller Naturschutz hat mit dazu beigetragen, dass in Ungarn wichtige Rastplätze für Zugvögel gesichert wurden. Der Eeconet Action Fund, das Bündnis zum Schutz von Naturlandschaften in Mittel- und Osteuropa, an dem auch EuroNatur beteiligt ist, hat im Hórtobagy Nationalpark hierzu Wesentliches beigetragen. Hier können nun Tausende von Vögeln Energie tanken, um sich für ihre Weiterreise zu stärken. Ansammlungen von mehr als 50.000 Kranichen sind dort zwar nicht jedes Jahr zu verbuchen, jedoch auch keine Seltenheit. Etwas weiter im Süden mündet die Drau in die Donau. Das Mündungsgebiet heißt Kopacki Rit und ist eine Drehscheibe für den Vogelzug. Auch die Feuchtwiesen von Csikvarsa sind ein Eldorado für durchziehende und überwinternde Wasservögel.

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Erzin - Im Zeichen der Naturbewahrung

Weite Steppenlandschaften, Dünen und Strandseenkomplexe erstrecken sich noch entlang der 200 Kilometer langen Küste des Golfs von Iskenderun. Diese Gebiete sind ökologische Drehscheibe für Kraniche und Weißstörche auf ihrem Flug in den Süden. Aber die Rastplätze sind durch Bebauung, Müllablagerungen und Chemikalien bedroht. Die Kommune Erzin hat dieser Zerstörung den Kampf angesagt. Unterstützt wird sie dabei von ihrer deutschen Partnerstadt Freiberg am Neckar und von EuroNatur. Jüngster Erfolg: der letzte unverbaute Strand wurde vor künftiger Zersiedelung bewahrt.

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Israel - Drehscheibe für den Vogelzug

Das Hula-Tal liegt an einer der wichtigsten Zugvogelrouten der Welt. Mehr als 500 Millionen Vögel überqueren jedes Frühjahr Israel und die anderen Länder des Nahen Ostens auf dem Weg in ihre Brutgebiete in Europa und im westlichen Asien. Israel liegt am Schnittpunkt dreier Kontinente und ist daher eine ökologische Brücke für die Vogelwanderung, wie sie wohl an keinem anderen Ort der Erde existiert. Mehr als 400.000 Weißstörche und eine Million Greifvögel wie Wespenbussarde, Steppen- und Schlangenadler nutzen diesen Weg. Da es über dem offenen Meer kaum Thermik gibt, wählen vor allem Großvögel ihre Route so, dass sie möglichst wenig Meeresfläche überqueren müssen. So hat sich im Westen der "Flyway" über die Iberische Halbinsel und die Meerenge von Gibraltar nach Westafrika herausgebildet. Im Osten führt der Weg für viele Arten über den Balkan und Bosporus entlang Kleinasiens und über die Gebiete des Nahen Ostens.

mehr zu EuroNatur-Projekten im Nahen Osten

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Bericht 2007

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