Stiftung Europäisches Naturerbe - Euronatur
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Projektgebiete / Troas
Archäologie und Ökologie in einem Boot: Kraniche wieder in Troia?
Homers Dichtung brachte Troia unvergänglichen Ruhm, der noch heute beim Besuch der historischen Stätte die Phantasie beflügelt. Beachtung verdient aber genau so das reiche Naturerbe der Region. Und auch darüber hat Homer schon in der Ilias - jener Geschichte über den Trojanischen Krieg - geschrieben. Die Troas war zu Homers Zeiten und noch bis vor wenigen Jahren ein wichtiger Rastplatz für Kraniche und viele andere Zugvögel - das ist überliefert. Heute ist die Funktion der Region als wichtiger Zugvogelrastplatz deutlich geschmälert; Kraniche sind hier schon lange nicht mehr gesehen worden. Trotzdem hat die Landschaft um Troia noch viel zu bieten. Der Skamander-Fluss mit seinen Schotter- und Sandbänken bietet zahllosen Wasservögeln ein wichtiges Refugium. Die offenen, parkähnlichen Eichenhaine sind unverzichtbare Trittsteine im internationalen System des Vogelzugs und idealer Lebensraum für Wiedehopf und Rotkopfwürger, aber auch für die Smaragdeidechse und andere Reptilienarten sowie für verschiedene Orchideen- und Irisarten. Alte, teilweise mit Schilf bewachsene Bewässerungskanäle bieten Zugvögeln sowie der Europäischen Sumpfschildkröte und vielen Amphibienarten Lebensraum.
Das Natur- und Kulturerbe in Troia zu bewahren, ist das Ziel des "Historischen Nationalparks", den die türkische Regierung 1996 mit einer Fläche von mehr als 13.600 Hektar ausgewiesen hat. Bisher ist jedoch nicht viel Positives passiert. Die intensive Landwirtschaft frisst sich immer weiter in die Landschaft; vor allem die letzten Feuchtgebiete werden trockengelegt, die Bewässerung der Flächen noch verstärkt und Straßen werden in sensible Bereiche gebaut
Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Tübingen hat Euronatur begonnen, dem Raubbau am wertvollen Naturerbe in Troia entgegenzuwirken. Unterstützt von DaimlerChrysler hat Euronatur einen Workshop mit Vertretern der türkischen Regierung, der Universität Tübingen und Umweltjournalisten organisiert, um die Naturzerstörung zu stoppen und Konzepte für eine nachhaltige Entwicklung zu erarbeiten. Die türkische Regierung hat zugesagt, in Kürze einen Managementplan für den Nationalpark zu erarbeiten, und ist auch bereit, eine effektive Parkverwaltung aufzubauen. Woran es mangelt, ist weniger der Wille als das Geld. Ein verbindlicher Managementplan ist aber unabdingbar um zu verhindern, dass der letzte Rest Natur zerstört wird. Für den ökologischen Umbau der Landwirtschaft hat der Workshop ebenfalls zahlreiche Impulse gebracht. Nun gilt es, die guten Ideen etwa zum ökologischen Anbau von Baumwolle sowie der Nutzung der Landschaft durch traditionelle Haustierrassen ebenso umzusetzen, wie die Projektbausteine für eine nachhaltige Tourismusentwicklung. Ziel muss sein, dass die Bevölkerung stärker als bisher von den Besuchern in Troia profitiert. Dies ist eine der Voraussetzungen für die Akzeptanz der mit den Naturschutzmaßnahmen einhergehenden Nutzungseinschränkungen.
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