Im Rahmen der Internationalen Wasservogelzählung (IWC) führte EuroNatur-Projektleiter Dr. Martin Schneider-Jacoby (im Interview) im Januar 2010 gemeinsam mit einer Gruppe von Vogelkundlern des Vereins Nase Ptice in Bosnien ein Monitoring der Wasservögel durch. Zu Beginn des Videos ist der Speichersee Busko Blato im Süden des Livanjsko Polje zu sehen. Das im Hinterland von Split gelegene Livanjsko Polje ist das größte Karstfeld der Welt und ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel entlang des Adriatic Flyway. Zu sehen sind Gänsesäger. Mehr als 100 Vögel dieser Art konnten am Busko Blato schon gezählt werden - ein ausreichendes Argument, um das Gebiet als Ramsar-Gebiet unter Schutz zu stellen. Danach sind Silber- und Graureiher sowie Blässhühner zu sehen, die auf dem eisfreien See nach Nahrung suchen. Im Flachwasser drängen sich Tafel- und Pfeifenten. Kormorane nutzen den Busko Blato zum fischen.
Danach ist das Neretva Delta zu sehen, wo die nächste Zählung stattfand. Aufgrund der Wilderei waren hier längst nicht so viele Wasservögel zu beobachten, wie in früheren Wintern. Statt 50.00 waren es im Januar 2010 nur um die 3.000 Wasservögel und damit erneut weniger als in den beiden Vorjahren. Nur noch vier Moorenten waren dabei. Auch 2010 hat das Zählteam Wilderer im Neretva-Delta auf frischer Tat ertappt. Sie brausten dort mit Schnellbooten mitten durch die Kernzone des Naturparks Hutovo Blato, das größte Jagdbanngebiet in Bosnien. EuroNatur setzt sich intensiv dafür ein, den Naturpark zu stärken und die Vogeljagd in diesem wichtigen Rastgebiet zu unterbinden.
Mehr dazu im Faltblatt „Neretva-Delta – Zerbrechliches Idyll an der Adria“ (pdf-Datei, 568 kb)
EuroNatur-Projektleiter Dr. Martin Schneider-Jacoby (im Interview) führte vom 12. bis 15. März 2009 eine Gruppe von Vogelkundlern zur Vogelbeobachtung an verschiedene Zugvogel-Rastplätze entlang der montenegrinischen Adriaküste. Dabei wurde die Gruppe Zeuge dramatischer Jagdszenen. An sämtlichen Beobachtungspunkten fanden illegale Jagdaktivitäten statt.
Zu sehen sind drei bedeutende Zugvogel-Rastplätze an der Adria in Montenegro. Zuerst die alte Saline von Tivat (Solila Tivat), danach die Buljarica Bucht bei Petrovac mit ihren ausgedehnten Schilfgebieten und zuletzt das Bojana-Delta mit dem Sandstrand „Velika Plaza“ und der Saline Ulcinj.
EuroNatur berichtet, dass vom 12. bis 15. März 2009 allein an den Stränden Buljarica (Budva) und Velika Plaza (Ulcinj) mehrere Tausend Zugvögel beschossen wurden. Darunter auch geschützte Arten: Im Film zu sehen sind z.B. ein frisch tot aufgefundenes Tüpfelsumpfhuhn in der Saline Tivat sowie geschossene Knäkenten und Graureiher in einem Jagdschirm in der Buljarica-Bucht. Die Jäger benutzten illegale Lockmittel: Im Film zu sehen sind Lockenten und Lautsprecher in der Buljarica Bucht sowie montenegrinische Wilderer und italienische Jagdtouristen, die an der Velika Plaza illegale Lockmittel einsetzen. Zwei Jäger mit Lockenten verließen die Saline Ulcinj als die Vogelbeobachter auftauchten. Bei keinem der Gebiete handelt es sich um Jagdreviere und die Vogeljagd fand außerhalb der Jagdsaison statt.
Gesetzlicher Hintergrund: Im August 2008 verabschiedete das Parlament Montenegros ein Jagdgesetz, das einen wichtigen Schritt im Kampf gegen die Vogeljagd auf dem Balkan bedeutet: Das Spektrum der jagdbaren Arten wurde an internationale Standards angepasst. Einige Arten, darunter auch die Knäkente, wurden aus der Liste entfernt und dürfen offiziell nicht mehr gejagt werden. Die Jagdsaison im März wurde gestrichen und die Küstenzone (morsko dobro) ist nun von der Jagd ausgenommen. Damit wurden langjährige Forderungen von EuroNatur endlich umgesetzt. Doch wie das Video zeigt, sieht die Realität ganz anders aus.
EuroNatur fordert die montenegrinische Regierung dringend auf, für die Einhaltung der geltenden Jagdbestimmungen zu sorgen!
Das Video “Entenjagd nahe Carska Bara” wurde in einem Ramsar-Gebiet in Serbien aufgenommen. Es zeigt in frappierender Weise, dass Artenschutz- und Jagdgesetz in Serbien bei der Vogeljagd völlig übergangen werden. Mehr als die Hälfte der in diesem auf youtube veröffentlichten Film zu sehenden Vögel darf offiziell nicht geschossen werden. Das beweist, dass die an der Jagd Beteiligten sich offensichtlich vor juristischer Verfolgung sicher fühlen.
Mit dem Video angelockt werden vor allem italienische Jagdgäste. Von den 21 Vögeln, die anhand der Aufnahmen von EuroNatur bestimmt wurden, sind 11 Moorenten – eine Art, die auch in Serbien unter Schutz steht. Die (mindestens) 11 illegal geschossenen Moorenten sind bei Sek. 42 im Video zu sehen. Vorne rechts liegt eine junge Moorente, die noch nicht fliegen konnte. Dies macht klar, dass die Jagdaktivitäten am 2. September in der Brutzeit der Moorente und damit in einer höchst sensiblen Phase ausgeübt wurden. Durch die Jagd werden nicht nur Einzeltiere dieser weltweit gefährdeten Art getötet, sondern auch Junge führende Weibchen und Jungtiere. Nicht geschossene Jungvögel gehen nach Verlust der Eltern kläglich ein.
Doch die Moorente ist nicht das einzige Jagdopfer: Bei Sek.17 ist eine geschützte Schnatterente im Boot zu sehen. Legal geschossen werden durften nur die 2 Tafel- und die 3 Stockenten (22. Sek.) sowie die Krickenten in der linken Hand des Jägers (17. Sek.).
Der Film schließt mit den Worten "Dobar Pogled" („Gute Aussicht“). Doch wenn Jagd- und Artenschutzgesetze weiterhin ignoriert werden, sind die Aussichten für die Moorente schlecht.
EuroNatur fordert dringend:
„Die Wachtel dürfte nirgends und zu keiner Zeit mehr gejagt werden“, sagt EuroNatur-Projektleiter Dr. Martin Schneider-Jacoby. Denn ihre Bestände gehen europaweit stark zurück. Doch an der östlichen Adria sieht die Realität anders aus: Mitten in der Brutsaison veranstalten italienische Jagdgäste und einheimische Jäger gemeinsame Treibjagden und dezimieren den ohnehin rückläufigen Wachtelbestand in Europa weiter (siehe Video).
Die Methode ist einfach: Eine Kette von Jägern streift im Abstand von 50 Metern durch die Kultur- und Wiesenlandschaften in den Tiefländern an der Donau oder in den großen Karstpoljen Bosniens. Wichtigste Helfer sind Vorsteherhunde, die den Jägern rechtzeitig die Anwesenheit der Vögel am Boden anzeigen. Auf kurze Entfernung werden die Wachteln dann aufgescheucht und mit einer oder zwei Salven Schrot erlegt. Noch immer wandern ganze Berge der seltenen Vögel jedes Jahr in den Kochtopf oder auf den Grill.
Allein in der Vojvodina in Serbien werden bis zu 34.000 Wachteln in einer Saison geschossen. In den weiten Steppen- und Wiesengebieten der Pannonischen Tiefebene in Serbien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina, brütet der Löwenanteil des mitteleuropäischen Wachtelbestandes.
Kein Wunder, dass diese Art heute nur noch ein seltener Vogel in unserer Kulturlandschaft ist, denn die Bestände Deutschlands hängen mit den großen intakten Populationen im östlichen Mitteleuropa und in Südosteuropa zusammen. Besonders in den hochwertigen Lebensräumen in Kroatien, Bosnien und Serbien wird der mitteleuropäische Wachtelbestand durch Jagdaktivitäten während der Brutzeit stark zur Ader gelassen.
Der etwa neun Kilometer lange Strand an der Küste Montenegros ist Schutz- und Jagdbanngebiet, Teil des Emerald- Netzwerks und damit künftiges Natura 2000-Gebiet. Mit seiner vegetationsreichen Dünenlandschaft dient der im Bojana-Buna-Delta gelegene Naturstrand Zugvögeln beim Flug über die Adria als Start- und Landeplatz. Doch dieser Zwischenstopp kostet jährlich Scharen von Zugvögeln das Leben.
Szenario im Film (aufgenommen 2007): Im Frühjahr haben die Jäger an der Velika Plaza vor allem Wasser- und Watvögel wie Knäkente, Moorente, Spießente, Brachvögel und die Bekassine im Visier, die aus ihren Überwinterungsquartieren in Afrika zurückkommen. Der Strand Velika Plaza ist mit Jagdunterständen gespickt, im Sand stecken Attrappen von Brachvögeln und daneben schallen Lockrufe aus illegal aufgestellten Klangattrappen.
Auf dem Wasser platzieren die Jäger Lockenten, mit denen sie die Wasservögel zum Landen bewegen. Sobald die Ersten eintreffen, wird in Richtung Meer geschossen. Abgeschreckt von den Salven der Jäger meiden die meisten Tiere das Ufer und lassen sich stattdessen weit draußen auf dem Wasser nieder, wo sie weder Nahrung noch die nötige Ruhe finden. Im Frühjahr ist die See häufig rau und es weht ein kalter Wind. So verlieren die Vögel Energie, anstatt auftanken zu können. Selbst wenn sie nicht direkt geschossen werden, ist daher die Gefahr groß, dass sie ihre Reise nicht überleben, da sie vor Erschöpfung sterben.