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Zug der Störche

Im August geht der Storchensommer zu Ende. Die Jungen sind nun unabhängig von ihren Eltern. Sie sammeln sich in größer werdenden Trupps und ziehen noch vor den Alttieren ab. Die Zugrichtung ist ihnen angeboren. Sie benötigen daher keine Führung durch die Eltern, die etwa eine Woche nach den Jungen aufbrechen.

Störche ziehen auf zwei Routen in ihre Winterquartiere. Eine sogenannte Zugscheide trennt ostwärts und westwärts ziehende Störche. Diese Zugscheide verläuft mitten durch Deutschland (von Holland bis zum Harz; dort knickt sie nach Süden zu den Alpen hin ab).

Man spricht daher von Westziehern und Ostziehern. Die westliche Zugroute (Weststörche) führt über die Iberische Halbinsel nach Marokko und von dort nach Zentralafrika. Die östliche Zugroute (Oststörche) führt über den Balkan, den Golf von Iskenderun, die Länder des Nahen Ostens nach Ost-, Zentral- und Südafrika.

Durchschnittlich legen Störche auf dem Zug eine tägliche Strecke von 150 - 300 Kilometern zurück. Sie verhalten sich dabei wie Segelflugzeuge. Sie nutzen warme Aufwinde (Thermiken) und lassen sich ohne Flügelschlag in große Höhen tragen. Von hier lassen sie sich über große Entfernungen zum Fuß einer neuen Thermik gleiten. Im aktiven Ruderflug könnten die Störche die langen Strecken in die Überwinterungsgebiete nicht bewältigen.

Fehlende Thermik ist übrigens auch der Grund, warum Störche nicht direkt über das Mittelmehr nach Afrika fliegen. Die riesige Wassermasse des Mittelmeers erwärmt sich bei Sonneneinstrahlung viel langsamer als das Festland; deshalb bildet das Mittelmeer für die ziehenden Störche eine unüberwindliche Barriere.

Die Reise der Weststörche

Westzieher unter den Weißstörchen brüten im Süden der Niederlande, im Südwesten Deutschlands, einige wenige in Frankreich und der Schweiz, in Spanien und Portugal sowie in Marokko, Algerien und Tunesien. Die Westzieher wandern über die vierzehn Kilometer breite Meerenge von Gibraltar. In Marokko ziehen sie dann mit den dortigen Störchen weiter nach Süden und überbrücken das mehr als 1.000 Kilometer breite Wüstengebiet der Sahara bis zur Nordgrenze der Sahelzone. Hier verbringen die meisten den Winter.

Viele spanische Störche haben mittlerweile ihren angeborenen Zugtrieb verloren und bleiben auch im Winter in ihren Sommerquartieren. Nahrung finden sie auf den riesigen Mülldeponien im Umland der spanischen Großstädte.

Europa - Treffpunkt für Oststörche

Die Oststörche ziehen aus ihrer Brutheimat in Richtung Schwarzes Meer. Sie kommen aus den nördlichen Teilen Deutschlands, aus Dänemark, Polen, dem Baltikum, Weißrussland und Russland, aus der Ukraine ebenso wie aus Tschechien, der Slowakei, aus Österreich, Ungarn, Rumänien, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Jugoslawien. Weiter im Süden stoßen die Weißstörche aus Albanien, Griechenland und der Türkei dazu. Sie überqueren den Bosporus und gelangen über den Libanon und Israel auf die Sinai-Halbinsel. Über den Golf von Suez erreichen sie Ägypten und Afrika. Sie folgen von dort aus dem Niltal nach Süden. In den Savannen und Halbwüsten des Sudans legen sie eine mehrwöchige Rast ein und fressen sich Fettreserven für ihren Weiterflug nach Ost- und Südafrika an. Von Europa bis nach Südafrika sind Störche 8 bis 15 Wochen unterwegs.


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