© Alfred Limbrunner

Zurück zur Natur - Renaturierung der Narew

Wachtelkönig mit Jungen.
Wachtelkönig mit Jungen.

In den siebziger und achtziger Jahren wurden weite Teile des Narew -Tales kanalisiert. Für den geplanten Ackerbau waren die Flächen aber nicht zu gebrauchen. Stattdessen haben die Bauern schmerzhaft erfahren, wie wertvolle Wiesen und Weiden durch den sinkenden Grundwasserspiegel zerstört wurden. Infolgedessen zogen sich die Landwirte mehr und mehr aus der landwirtschaftlichen Nutzung zurück. Und mit ihnen verschwanden Vogelarten wie Wachtelkönig, Kampfläufer, Seggenrohrsänger oder Bekassine, die auf offene Lebensräume angewiesen sind. Nach und nach wucherten die Feuchtwiesen mit Schilf zu und die ehemalige Artenvielfalt verschwand zusehends.

Das war der Beginn der Arbeit von EuroNatur im Nordosten Polens. Ziel war es zunächst, wichtige Flussabschnitte zu renaturieren und das Labyrinth aus unzähligen Mäandern und verästelten Altarmen wiederherzustellen. Dafür konnten bis heute gemeinsam mit dem  PTOP (Nordpodlassischer Bund für Vogelschutz) mehrere hundert Hektar Land in der Pufferzone des Narew-Nationalparks gekauft werden. Inzwischen sind die Altarme, die infolge des Kanalbaus verlandet waren wiedervernässt und alte Flussläufe wieder miteinander verbunden. Die Ergebnisse sprechen für sich: Heute brüten im Narew-Gebiet weit mehr Vogelarten als nach der Kanalisation.

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Menschen und Natur verbinden

Hofkäserei Familie Sakowicz in Rogowo
Hofkäserei Familie Sakowicz in Rogowo

„Mittlerweile zählen die Bauern des Narew-Tals zu den wichtigsten Verbündeten des Naturschutzes. Durch Mund zu Mund-Propaganda werden Projekte wie die klimafreundliche Energieerzeugung aus Schilf und der Aufbau von Käsereien mehr und mehr zu Selbstläufern. Genau so muss erfolgreiche Naturschutzarbeit laufen“, sagt EuroNatur-Projektleiter Lutz Ribbe. Und bringt damit auf den Punkt, was die langjährige Projektarbeit in der Narew-Region im Nordosten Polens bis heute gebracht hat: Langfristige Perspektiven - für Menschen und Natur.

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Erneuerbare Energien in Polen

Windkraft ist eine der potenziellen erneuerbaren Energiequellen in Podlassien.
Windkraft ist eine der potenziellen erneuerbaren Energiequellen in Podlassien.

In Polen ist der Nachholbedarf in Sachen einer gelungenen Energiewende besonders groß. Während die Zentralregierung des Landes der Klimaschutzpolitik der Europäischen Union weiterhin skeptisch gegenübersteht, haben einige wenige Regionen in Polen das Potential der Energiewende aber bereits erkannt, wie z.B. die Wojewodschaft Podlassien. Im Rahmen eines vom Bundesumweltministerium geförderten Projekts unterstützt EuroNatur das dortige Marschallamt seit 2013 dabei, eine effizientere und schonende Nutzung der Ressourcen zu erreichen. Für die Umsetzung von Modellprojekten wurden sieben Gemeinden ausgewählt - darunter auch die Gemeinde ?apy.

Im Auftrag von EuroNatur erstellte die Energievision Franken GmbH gemeinsam mit Fachleuten der technischen Hochschule Bia?ystok ein Klimaschutz- und Energiekonzept für die Stadt und Landgemeinde ?apy.

Klimaschutz- und Energiekonzept für ?apy (PDF, 16 MB)


Energie aus Schilf - Für Natur, Menschen und Klima

Landwirt Michal Gogol produziert mit Schilfbriketts einen klimaneutralen Brennstoff.
Landwirt Michal Gogol produziert mit Schilfbriketts einen klimaneutralen Brennstoff.

Erfolgreich läuft auch ein Projekt zur Energiegewinnung aus Schilf, das im Narew-Nationalpark im Überfluss zur Verfügung steht und vielerorts artenreiche Offenlebensräume aufzufressen droht.

EuroNatur hat gemeinsam mit seinen polnischen Projektpartnern Möglichkeiten aufgetan, wie sich Bauern aus der Narew-Region langfristig für die Mahd der sensiblen Flächen gewinnen lassen. Eine davon war die Idee, das pflanzliche Material zu Heizzwecken zu nutzen. Die Idee hat mittlerweile konkrete Formen angenommen: Seit Ende 2007 befreit Landwirt Michal Gogol im Narew-Gebiet regelmäßig empfindliche Feuchtwiesen vom störrischen Schilf. Anschließend verarbeitet er die Biomasse zu Schilfbriketts und schafft sich damit eine ganz neue Einkommensquelle in der Region – eine Art des Geld Verdienens, die mehr und mehr Nachahmer findet.

Die Bestandsdaten zeigen klar, dass die Mäharbeiten auch in der Natur eine positive Entwicklung in Gang gesetzt haben. Wiesenbrüter erobern die gemähten Feuchtwiesen langsam aber sicher für sich zurück. Ganz nebenbei leistet der Bauer mit der Herstellung seiner Schilfbriketts auch einen Beitrag zum Klimaschutz. Denn wenn das Schilf am Fluss nachwächst, wird genau so viel CO2 gebunden, wie bei der Verbrennung in die Atmosphäre entweicht. Dabei ist der Heizwert nicht geringer als der von Holz.

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Rote Kühe und würziger Käse

Rote Kühe können auch auf morastigen Wiesen weiden.
Rote Kühe können auch auf morastigen Wiesen weiden.

Mit ihren wasserresistenten Hufen sind die Roten Kühe perfekt an die morastigen Feuchtwiesen an der Narew angepasst. EuroNatur hat bereits mehrere Landwirte beim Aufbau ihrer Herden aus Roten Kühen unterstützt. In Waniewo, einem kleinen Ort im Westen des Narew-Nationalparks, konnte mittlerweile sogar ein Bauer gefunden werden, der seine Roten Kühe jeden Morgen mit einem Stocherkahn zum Weiden auf die Schilfinseln im Fluss treibt. Abends holt er sie zum Melken wieder zurück ans Ufer.

Das Erfolgsrezept ist auch hier, dass sich die Naturschutzarbeit für die Bauern in barer Münze auszahlt: Zu Käse verarbeitet, findet die hochwertige Milch der Roten Kühe reißenden Absatz, auf den regionalen Märkten bis hin nach Warschau.

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Energie aus Ölpflanzen

Experten in ihrem Element: Thimmy Brandt und Prof. Piotr Banaszuk in einem Feld mit Mischfruchtanbau.
Experten in ihrem Element: Thimmy Brandt und Prof. Piotr Banaszuk in einem Feld mit Mischfruchtanbau.

Völlig neue Wege schlagen Narew-Bauern ein, die sich an einem seit November 2007 laufenden und vom Umweltbundesamt finanzierten Projekt beteiligen. Ziel ist es, Biomasse ohne großen Energieeinsatz und ohne Umweltbelastung zu gewinnen. Dabei dreht sich alles um den Mischfruchtanbau, der in Polen noch weitgehend unbekannt ist. Dieser bietet die Möglichkeit, einerseits Futtermittel für das Vieh und andererseits Ölpflanzen für die Energieproduktion auf ein und demselben Feld anzupflanzen.

Seit 2008 laufen erfolgreich Anbauversuche, bei denen Leindotter in Mischkultur ausgesät wird. Zahlreiche Versuchsteilnehmer stammen aus der Gemeinde Choroszcz, in der mit Unterstützung von EuroNatur bereits zwei Kleinkäsereien aufgebaut wurden. Dies unterstreicht den positiven Dominoeffekt erfolgreicher Modellprojekte. Die Bauern werden bei den Saatversuchen intensiv betreut. So sorgt EuroNatur dafür, dass sich die Landwirte regelmäßig mit deutschen Experten austauschen können und organisiert Einzelberatungen zu Saat- und Anbautechniken.

Die anfallenden Ölsaaten sollen dann in kleinen Ölmühlen gepresst und die gewonnenen Öle regional genutzt und vermarktet werden. Der Ölkuchen als Nebenprodukt der Ölpressung, sowie die in den Mischkulturen angebauten Leguminosen sollen als Futtermittel dienen. Im April 2010 kam die erste Ölmühle in der Narew an. Langfristig soll im Projektgebiet ein ganzes Netz aus solchen dezentralen Ölmühlen entstehen, da diese an die kleinbäuerlichen Strukturen der Narew-Region angepasst sind. Die Pflanzenöle, die in den Kleinanlagen entstehen, werden nicht raffiniert, sondern sollen unter anderem direkt als Kraftstoff für die Traktoren verwendet werden. Der energieintensive und teure Weg über die Raffinerien entfällt und sämtliche Prozesse bleiben in bäuerlicher Hand.

Interview mit Projektpartner Thomas Kaiser „Mischkulturen sind wie kleine Urwälder“ über die Pflanzenöltechnologie der Zukunft. EuroNatur-Magazin 2-2008, S. 8 (pdf-Datei, 2,6 Mb).

EuroNatur Spezial zum Thema (pdf-Datei, 1,86 Mb)

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Pflanzenkläranlagen – Abwasser weg ohne Kanal

Pflanzenkläranlagen verbreiten sich in der Narew-Region wie ein Lauffeuer.
Pflanzenkläranlagen verbreiten sich in der Narew-Region wie ein Lauffeuer.

Wie wichtig Modellprojekte sind, um naturverträgliche Lösungen in einer Region durchzusetzen, zeigt das Beispiel „Pflanzenkläranlagen“. Im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Projekts „Lokale Agenda 21“ hatte EuroNatur gemeinsam mit Experten ein auf die Narew-Region zugeschnittenes Abwasserkonzept entwickelt.

Im Mai 2004 waren daraufhin die ersten neun Pflanzenkläranlagen auf privaten Grundstücken in der polnischen Gemeinde Sokoly gebaut worden. Das Interesse an dieser kanallosen Abwasserentsorgung nahm und nimmt in der ostpolnischen Region bis hinauf an die litauische Grenze infolgedessen stark zu.

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Wo Störche Ehrenbürger sind – Storchendorf Pentowo

Am Rande der Überschwemmungsflächen der Narew liegt das Dorf Tykocin. In Pentowo, einem Ortsteil von Tykocin, beherbergt ein einziger Hof die größte polnische Weißstorchkolonie. Das Besitzerehepaar hat, u.a. mit Unterstützung von Euronatur, auf den umliegenden Bäumen ihres Hofes Brutplattformen errichtet und die landwirtschaftlichen Nutzflächen werden extensiv bewirtschaftet, so dass sich optimale Bedingungen für Freund Adebar eingestellt haben.

Von zwei (Ende der 80er Jahre) ist Zahl der Storchenpaare auf weit über 20 angewachsen. Im Hof befindet sich auch ein Informationszentrum für Besucher, das regen Zuspruch findet. Das Feuchtgrünland, nach früherer Trockenlegung teilweise wiedervernässt, wird mit alten Nutztierrassen wie etwa der „Roten Kuh“ extensiv beweidet bzw. zeitlich versetzt gemäht. Auf diesen extensiv genutzten Wiesen und Weiden finden die Störche ein üppiges Nahrungsangebot.

Mehr über die EuroNatur-Initiative Europäische Storchendörfer

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Narew-Region ist LEADER

Die Voraussetzungen sind bestens, dass die positiven Entwicklungen an der Narew weiter vorangetrieben werden können. Zum Einen finden die Erfolgsprojekte mehr und mehr Nachahmer und zum Anderen wurde die Region von der Europäischen Union als sogenanntes „LEADER-Gebiet“ anerkannt. Damit ist eine finanzielle Förderung von Maßnahmen zur nachhaltigen Regionalentwicklung aus den Fördertöpfen der EU bis zum Jahr 2015 garantiert.

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Irrsinniges Flughafenprojekt

Zusammenstoß vorprogrammiert: Der geplante Flughafen liegt mitten im Kranichgebiet.
Zusammenstoß vorprogrammiert: Der geplante Flughafen liegt mitten im Kranichgebiet.

Die politisch Verantwortlichen der Wojwodschaft Podlasie wollen bei Tykocin einen internationalen Flughafen errichten, nur zwei Kilometer Luftlinie vom Narew-Nationalpark entfernt und direkt zwischen zwei großräumigen Natura 2000-Gebieten gelegen.


Dabei handelt es sich nicht nur um ein ökologisch untragbares Projekt, sondern diese Pläne sind auch verkehrspolitisch und ökonomisch völlig unsinnig. Damit auch große Jets landen können, soll die Start- und Landebahn 2.400 Meter lang werden. Dabei wird es voraussichtlich nicht mehr als zwei Starts und Landungen pro Tag geben. Zudem verstößt das Projekt gegen die verkehrs- und umweltpolitischen Zielsetzungen der Europäischen Union (EU). Und diese Missachtung soll auch noch mit EU-Geldern finanziert werden: 112 Millionen Euro verlangt Polen als Zuschuss für das ökologisch und ökonomisch unsinnige Flughafen-Projekt. 


Doch erst einmal steht die Ampel für den Flughafenbau auf Rot: EuroNatur hat in einer Stellungnahme darauf hingewiesen, dass der Flughafen eine direkte Gefahr für Leib und Leben darstellt. Schließlich tummeln sich im Umfeld zahlreiche Großvögel wie Störche, Gänse und Kraniche in der Luft – verheerende Zusammenstöße sind vorprogrammiert. Die Planungsunterlagen wurden auf diesen Einspruch hin vom Ministerium in Warschau aus vorerst mit der Note „ungenügend“ wieder nach Podlasien zurück überwiesen.


Link zur Stellungnahme von EuroNatur gegen den geplanten Flughafenbau bei Tykocin (pdf-Datei, 30 Kb)

 

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