Albanien verstößt gegen Europäische Energiegemeinschaft

++ NGOs reichen Beschwerde gegen Albanien ein ++ Wasserkraftprojekte an der Vjosa verstoßen eindeutig gegen die Regeln der Europäischen Energiegemeinschaft ++

<p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p>

Die Vjosa in Albanien – die letzte unberührte Flussschönheit Europas – ist in Gefahr.

© Gregor Subic

Tirana, Radolfzell, Wien. Das Sekretariat der Europäischen Energiegemeinschaft in Wien erhielt heute eine Beschwerde gegen die albanische Regierung. Darin erläutern EcoAlbania, Riverwatch und EuroNatur – drei Organisationen, die eine Kampagne zum Schutz des Flusses Vjosa in Albanien führen – wie die Bewilligungsverfahren für die Wasserkraftprojekte Kalivaç und Poçem den Bestimmungen der Energiegemeinschaft widersprechen.

Damit erhält die Energiegemeinschaft erstmals eine Beschwerde gegen Wasserkraftvorhaben in Albanien. Die Beschwerde bezieht sich in erster Linie auf die Nichteinhaltung der EU-Richtlinie zur Durchführung von Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) bei den Wasserkraftprojekten Kalivaç und Poçem. Die UVP-Richtlinie ist ein integraler Bestandteil des Rechtsrahmens der Energiegemeinschaft. Überdies haben es sowohl das Unternehmen als auch die Behörden versäumt, eine ordnungsgemäße Öffentlichkeitsbeteiligung durchzuführen. Die Beschwerde betont daher, dass offenkundig gegen die Regeln der Energiegemeinschaft verstoßen wurde.

„Dies ist ein weiterer Schritt in unserem langen Kampf gegen die Wasserkraftprojekte an der Vjosa. Wir sind überzeugt, dass die Regierung nicht nur gegen albanisches Recht verstößt, sondern auch ihre Verpflichtungen im Rahmen der Energiegemeinschaft verletzt. Die Wasserkraftprojekte Kalivaç und Poçem sind nicht einmal wirtschaftlich sinnvoll, weil die sozialen und die Umweltkosten nicht ausreichend berücksichtigt werden“, sagt Olsi Nika von EcoAlbania.

„Wir gehen davon aus, dass die Energiegemeinschaft im nächsten halben Jahr ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Albanien einleiten wird. In diesem Fall müssen die Staudammprojekte auf Eis gelegt werden“, sagt Ulrich Eichelmann von Riverwatch.

Die albanischen Flüsse gehören zum „Blauen Herz Europas“ und verkörpern das unverfälschte Naturerbe des Kontinents. Die Vjosa ist die Krone dieser Flüsse. Sie ist der letzte noch frei fließende große Fluss in Europa außerhalb Russlands. „Die Vjosa und ihre Nebenflüsse sind unerreicht in Europa. Es gibt kein vergleichbares Flussnetzwerk mehr auf unserem Kontinent. Diese Flusslandschaft muss daher geschützt werden und darf nicht durch Wasserkraftwerke zerstört werden“, sagt EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer.

 

Hintergrundinformationen:

  • Albanien gehört der Energiegemeinschaft seit 2006 an. Diese internationale Organisation soll den Energie-Binnenmarkt der EU auf Südosteuropa und die Schwarzmeerregion ausweiten. Mitglieder sind die EU, vertreten durch die Europäische Kommission, sowie südosteuropäische Staaten. Als Vertragsstaat ist Albanien verpflichtet, die Regeln der Energiegemeinschaft einzuhalten, wozu auch die UVP-Richtlinie der EU (Richtlinie 2011/92/EU) zählt.
  • Die Kampagne „Rettet das blaue Herz Europas“ will die wertvollsten Flüsse der Balkan-Halbinsel vor einem Tsunami aus ca. 2.800 Staudammprojekten schützen. Die Kampagne wird von den NGOs Riverwatch und EuroNatur koordiniert und zusammen mit lokalen Partnerorganisationen wie EcoAlbania durchgeführt.

 

Rückfragen:

  • Riverwatch: Ulrich Eichelmann, E-Mail: ulrich.eichelmann@riverwatch.eu, phone: +43 676 6621512
  • EcoAlbania: Besjana Guri, E-Mail : b.guri@ecoalbania.org , phone: +355 69 29 54 214



 

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv:

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Mit Ihrer Spende leisten Sie einen wirkungsvollen Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Fischarten im Mittelmeerraum durch Wasserkraftboom gefährdet

++ Neue Studie belegt: Wasserkraftwerke haben verheerenden Einfluss auf Fischbestände in Flüssen rund um das Mittelmeer ++ Zahlreiche Arten sind vom...

Verbot von Bleischrot scheitert an Julia Klöckners Ministerium

Das europaweite Verbot von Jagd mit Bleischrot an Gewässern ist vergangene Woche gescheitert – am Widerstand des Bundesministeriums für Ernährung und...

EU Kommission warnt Rumänien: Illegale Abholzung stoppen oder Klage vor Gericht

Die Europäische Kommission fordert die rumänischen Behörden auf, unverzüglich gegen die illegale Abholzung von Ur- und Naturwäldern in rumänischen...

Petition zur Rettung der rumänischen Paradieswälder übergeben

++ Über 122.000 Unterschriften an Staatssekretäre des rumänischen Umweltministeriums überreicht ++ Forderung nach umfassendem Schutz der Ur- und...

Vorläufiges Aus für Kleinwasserkraftwerke in Bosnien-Herzegowina

++ Parlament verhängt historische Entscheidung für Flüsse in Bosnien-Herzegowina ++ Baustopp für Wasserkraftprojekte ++

Großer Erfolg für Europas Flüsse

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) bleibt in ihrer aktuellen Fassung erhalten, das hat Virginijus Sinkevičius, EU-Umweltkommissar,...

Saline Ulcinj: Ein Jahr lang unter Naturschutz – wenig geschehen

Die Saline Ulcinj in Montenegro wurde vor einem Jahr zum Naturpark erklärt – ein großer Erfolg für uns und unsere Partner. Was auf dem Papier gut...

In Albanien blüht der illegale Tierhandel

Ausgestopfte Balkanluchse, Braunbären in Käfigen, Wildgerichte auf der Speisekarte: Trotz eines Jagdverbots werden in Albanien etliche Wildtiere...

Künstler für die Balkanflüsse

++ Anlässlich des World Music Days am 21. Juni erheben 40 KünstlerInnen ihre Stimme für die Blue Heart Kampagne zur Rettung der Balkanflüsse ++

Die „mutigen Frauen von Kruščica“ müssen erneut kämpfen

In Bosnien-Herzegowina rüsten sich die Bewohnerinnen des Dorfes Kruščica wieder für die Blockade ihres Flusses. Investoren haben angekündigt, den Bau...

Pestizide: Nein Danke! EuroNatur-Preis für Gemeinde Mals

++ EuroNatur-Preis 2020 geht an die Gemeinde Mals in Südtirol ++ Überregionale Bekanntheit durch Kampf um Pestizidverbot mitten in der Obstanbauregion...

Endlich eine klare Ansage: EuroNatur begrüßt Biodiversitätsstrategie für EU

++ Europäische Kommission stellt Biodiversitätsstrategie vor ++ Zukünftig sollen 10 Prozent der Landesfläche unter striktem Schutz stehen ++ Für...

Europas größtes Flussschutzgebiet kurz vor Anerkennung

Entlang der drei Flüsse Donau, Drau und Mur könnte bald Europas größtes Flussschutzgebiet entstehen. Nachdem auch Österreich grünes Licht gegeben hat,...

EuroNatur-Projektgebiete in Nordmazedonien sollen Schutzstatus erhalten

Erfreuliche Nachricht: Das Shar-Gebirge in Nordmazedonien könnte bald Nationalpark werden. Darauf haben EuroNatur und ihre Partner lange...

Fotodokumentation zu Abholzungen in rumänischen Schutzgebieten veröffentlicht

EuroNatur und Agent Green präsentieren eine Fotodokumentation, die tiefe Einblicke in die schockierende Realität der Ur- und Naturwälder in Rumäniens...

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Zur Datenschutzerklärung