Auszeichnung für die „mutigen Frauen von Kruščica“

++ EuroNatur-Preis 2019 geht an Flussschützerinnen aus Bosnien-Herzegowina ++ Energiekonzerne wollen die letzten Wildflüsse Europas ausbeuten, doch der Widerstand in der Bevölkerung wächst ++

die mutigen Frauen von Kruščica besetzen die Brücke
Vereinigt gegen Wasserkraft: Mehr als 500 Tage und Nächte haben Frauen im bosnischen Bergland nahe der Ortschaft Kruščica eine Brücke besetzt und so den Bau von zwei Wasserkraftwerken verhindert. © Andrew Burr

Radolfzell. Über 500 Tage und Nächte hat eine Gruppe von Frauen aus dem Dorf Kruščica eine Brücke über den gleichnamigen Fluss besetzt und somit den Bau von zwei Wasserkraftwerken verhindert. Für diese mutige und ausdauernde Protestaktion erhalten die Frauen am 10. Oktober 2019 den EuroNatur-Preis.

Im Glauben, dass Frauen von den Sicherheitskräften nicht angegriffen würden, waren es ausschließlich Bewohnerinnen des Dorfes Kruščica, die von August 2017 bis Dezember 2018 die Brücke über ihren Fluss blockierten. Weder gewalttätige Einsätze der Polizei noch Einschüchterungsversuche des Investors konnten die mutigen Frauen dazu bringen, die Verteidigung ihres Flusses aufzugeben. Erst kurz vor Weihnachten 2018 entschieden sich die Frauen, die Brücke zu  verlassen. Das zuständige Gericht hatte die Einwände gegen die geplanten Wasserkraftwerke bestätigt. Damit fand der knapp anderthalb Jahre dauernde friedliche Protest der Frauen von Kruščica ein vorläufig glückliches Ende.

„Der Mut und die Beharrlichkeit dieser tapferen Frauen imponiert und hat Vorbildcharakter für den Einsatz von EuroNatur und ihren Partnerorganisationen im Kampf gegen die Wasserkraftlobby auf dem Balkan“, begründet EuroNatur-Präsidentin Christel Schroeder die Wahl der diesjährigen Preisträgerinnen. Mit der Auszeichnung stehen die „mutigen Frauen von Kruščica“ in einer Reihe mit Persönlichkeiten wie dem US-Beststellerautor Jonathan Franzen oder dem rumänischen Urwaldschützer Gabriel Paun. Sie erhielten den EuroNatur-Preis für ihren beispielhaften Einsatz zum Schutz des europäischen Naturerbes.

Hintergrundinformationen:    

  • EuroNatur-Preis: Frühere Preisträger sind u.a. Roberto Epple, Jonathan Franzen, Dr. Luc Hoffmann, Dr. Mario F. Broggi und Gudrun Steinacker. Der EuroNatur-Preis ist undotiert. Mit ihm werden herausragende Leistungen für den Naturschutz gewürdigt. Der EuroNatur-Preis 2019 wird am Donnerstag, 10. Oktober 2019 um 17 Uhr auf der Bodenseeinsel Mainau an eine Delegation der Frauen aus Kruščica verliehen.
     
  • Kampagne zur Rettung der Balkanflüsse: Ungefähr 3.000 neue Wasserkraftwerke sind derzeit zwischen Slowenien und Albanien in Planung oder im Bau. Um dieser Welle der Zerstörung entgegenzutreten, haben die Naturschutzorganisationen EuroNatur und Riverwatch zusammen mit lokalen Partnern in den Balkanländern die Kampagne „Save the Blue Heart of Europe“ ins Leben gerufen.

Rückfragen: Christian Stielow, mail: christian.stielow(at)euronatur.org, tel: +49 (0)7732 – 92 72 15

 

 

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv:

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Mit Ihrer Spende leisten Sie einen wirkungsvollen Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Rüge für Albanien: Berner Konvention fordert albanische Regierung erneut auf, Wasserkraftprojekte an der Vjosa auszusetzen

Der Ständige Ausschuss der Berner Konvention hat beschlossen, das Verfahren gegen die albanische Regierung in Bezug auf die Wasserkraftwerke Pocem und...

Neue Grenzen für Albaniens Schutzgebiete

Aktuell bereitet die albanische Regierung eine Neubewertung der Schutzgebietsgrenzen des Landes vor. In einem offenen Brief an die Regierung in Tirana...

Europas Flüsse sind verdammt

++ Neue Studie zeigt Ausmaß des Wasserkraft-Irrsinns in ganz Europa ++ Über 8.700 neue Wasserkraftwerke geplant ++ Besonders auf dem Balkan sind die...

Ferienanlage in der Karavasta-Lagune verhindert

Die Pläne für eine große Ferienanlage in der albanischen Karavasta-Lagune sind vom Tisch. Die Regierung in Tirana hat das Vorhaben gekippt. Das...

Sava TIES: Pilotmaßnahmen gestartet

Invasive gebietsfremde Arten stellen eine große Bedrohung für die biologische Vielfalt dar und verursachen erhebliche Umwelt-, Wirtschafts- und...

Neue Abholzungen und Brände bedrohen Domogled-Nationalpark

Holzfäller dringen immer weiter in die Waldwildnis des Nationalparks Domogled – Valea Cernei in den Südkarpaten vor. Zudem haben schwere Brände im...

Das Grüne Band Europa: Naturschutz verbindet Nachbarn

++ Der Fall der Mauer markiert die Geburtsstunde des Grünen Bandes Europa ++ Naturschutz entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs als zentrales...

Bär in Bayern gesichtet

Zunächst haben Kothaufen auf seine Anwesenheit hingewiesen, nun ist er in die Fotofalle getappt: Ein Braunbär wurde im Landkreis...

Morde in Rumäniens Urwäldern erschüttern die Öffentlichkeit

EuroNatur und Agent Green: Rumänien muss den Kampf gegen Mafia und Korruption im Forstsektor intensivieren

EuGH-Urteil: Keine Aufweichung des Wolfsschutzes

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat Genehmigungen zum Abschuss von Wölfen enge Grenzen gesetzt. Die Richter kamen in ihrem Urteil vom 10. Oktober...

EuroNatur-Preis 2019 an die „mutigen Frauen von Kruščica“ verliehen

++ Engagierte Flussschützerinnen aus Bosnien-Herzegowina ausgezeichnet ++ Staudamm-Boom bedroht die letzten Wildflüsse unseres Kontinents ++

Weiterer Sieg für Wildflüsse im Mavrovo-Nationalpark

++ Baugenehmigung für zwei Wasserkraftwerke in Nordmazedonien aufgehoben ++

Neue Zahlen: Mehr Wolfsrudel in Westpolen

++ Ergebnisse des Wolfsmonitorings zeigen mindestens 95 sesshafte Rudel ++ Auch Sudetengebirge ist wieder Wolfsrevier ++

Rumänien: Neue Analyse enthüllt riesigen bedrohten Natur- und Urwaldschatz

EuroNatur und Agent Green: Europa muss die Waldzerstörung in Rumänien stoppen

Neue Studie: Subventionen für Wasserkraft am Westbalkan verwüsten die Umwelt und fließen in die Taschen einiger weniger

Kleinwasserkraftwerke erhalten in den Staaten des Westbalkans unverhältnismäßig hohe öffentliche Subventionen. Die Folgen sind große Umweltzerstörung...

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Zur Datenschutzerklärung