Beschwerde gegen Serbien bei Energiegemeinschaft eingereicht

EuroNatur und drei weitere NGOs reichen bei der eurpäischen Energiegemeinschaft eine Beschwerde gegen Serbien ein, weil das Land es versäumt hat, die Umweltverträglichkeit von Kleinwasserkraftwerken vor deren Bau vollständig zu prüfen.

Ausgetrocknetes Flussbett, Unpassierbarkeit für wandernde Tierarten, Zerstörung der umliegenden Landschaft: Beim Kleinwasserkraftwerk Ravni na Pristavaci nahe der Ortschaft Uzice kann man all die negativen Folgen der Wasserkraft für die Natur sehen.

© Amel Emric

Radolfzell, Wien. Die meisten Flüsse in Serbien sind noch weitestgehend unberührt. Sie weisen eine hohe biologische Vielfalt auf, die es so in Europa kaum noch anderswo gibt. Die Bewohner in unmittelbarer Nähe dieser Flüsse sind immer noch tief mit ihnen verbunden, da die Flüsse die Grundbedürfnisse der Menschen zur Aufrechterhaltung ihrer Lebensgrundlage erfüllen.

Zahlreiche Flüsse im Land sind jedoch durch den möglichen Bau von etwa 700 Wasserkraftwerken mit einer Energiekapazität von etwa 1 MW bedroht. Jedes dieser sogenannten Kleinwasserkraftwerke kann erhebliche Auswirkungen auf die Flüsse und die umliegende Umwelt sowie auf die von ihnen abhängige Bevölkerung haben.

Die meisten Kleinwasserkraftwerke sind Ausleitungskraftwerke. Für diese Art von Staudämmen ist eine kleine Barriere oder ein Wehr erforderlich, um das Wasser aufzustauen und es in das Umspannungswerk flussabwärts umzuleiten. Dieses kann entweder einige Meter oder mehrere Kilometer flussabwärts liegen. Das bedeutet, dass das Kleinwasserkraftwerk sowohl die Wassermenge als auch die Qualität des Wassers zwischen der Barriere und dem Umspannungswerk flussabwärts beeinflusst. In Trockenperioden ist es wahrscheinlich, dass es nicht ausreichend Wasser gibt, um über die Barriere weiterhin den Fluss zu speisen. Infolgedessen trocknen Flussabschnitte aus, und Süßwasserarten können sich - sofern sie überhaupt überleben - nicht zwischen den geteilten Flussabschnitten bewegen.

Die Naturschutzorganisationen RERI, Riverwatch, EuroNatur und ClientEarth haben bei der europäischen Energiegemeinschaft in Wien eine offizielle Beschwerde gegen das Versäumnis der serbischen Regierung eingereicht, die Umweltauswirkungen von Kleinwasserkraftwerken zu bewerten. Die vier NGOs äußern Bedenken darüber, wie Serbien entscheidet, ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für Kleinwasserkraftprojekte (<2 MW) erforderlich ist oder nicht.

Laut nationaler Gesetzgebung sind die serbischen Behörden verpflichtet, die Umweltauswirkungen der Anlagen zu prüfen. Die Naturschutzorganisationen kritisieren jedoch die begrenzte Anzahl von Kriterien, die bei dieser Entscheidung berücksichtigt werden müssen: nur die Größe der Anlage und in Ausnahmefällen auch ihr Standort in einem Schutzgebiet werden bei der Entscheidung, ob das Projekt dem UVP-Verfahren unterzogen werden muss, berücksichtigt. Nach Ansicht der NGOs sollte der serbischen Regierung kein Freibrief für die Zerstörung der wertvollen Ökosysteme Serbiens erteilt werden.

Eine Umweltverträglichkeitsprüfung ist notwendig, um die Auswirkungen auf die Umwelt und die Anwohner zu vermeiden bzw. zu minimieren. Die vier NGOs hoffen, dass Serbien mit dieser Beschwerde den rechtlichen Rahmen des Abkommens der Energiegemeinschaft einhalten wird, das die ordnungsgemäße Prüfung der Umweltauswirkungen aller Wasserkraftprojekte unabhängig von ihrer Größe oder ihrem Standort gewährleistet.

Die Naturschutzorganisationen hoffen auch, dass diese Beschwerde dazu beiträgt, den verheerenden Boom von Staudammbauten in Serbien einzudämmen. Die Beschwerde zielt darauf ab, den Schutz dieser in Europa einzigartigen Flüsse insgesamt zu verbessern.

Hintergrundinformation:

  • Die Energiegemeinschaft ist eine internationale Organisation, die die Integration der benachbarten EU-Länder anstrebt, um die Regeln und Prinzipien des EU-Energiebinnenmarktes in einem rechtsverbindlichen Rahmen zu erweitern.
  • Weitere Informationen zu den bedrohten Flusslandschaften des Balkans gibt's hier: https://balkanrivers.net/de

 

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv:

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Mit Ihrer Spende leisten Sie einen wirkungsvollen Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

„Bärentöter-Bande“ verurteilt

In Nordspanien wurden die Mitglieder einer organisierten Wilderergruppe aus der Provinz Palencia wegen Verbrechens gegen die Umwelt verurteilt - ein...

Herausforderung Corona

Das Coronavirus verändert unser Leben; auch EuroNatur tut, was nötig ist, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. Die Büros leeren sich,...

Beschwerde gegen Serbien bei Energiegemeinschaft eingereicht

EuroNatur und drei weitere NGOs reichen bei der eurpäischen Energiegemeinschaft eine Beschwerde gegen Serbien ein, weil das Land es versäumt hat, die...

Vogelkriminalität in Serbien bedroht Zugvögel

++ Der Vogelzug ist in vollem Gange ++ Etliche Vögel fallen auf dem Balkan Wilderern zum Opfer ++ EuroNatur und ihre serbischen Partner setzen sich...

Erfolg für Rumäniens Urwälder: Abholzungsverbot im Nationalpark Domogled

Der rumänische Oberste Gerichtshof verbietet die weitere forstwirtschaftliche Nutzung der alten Wälder im Nationalpark Domogled-Valea Cernei. Das...

Weiblicher Balkanluchs besendert

Unsere Partner von der nordmazedonischen Naturschutzorganisation MES haben einen Balkanluchs besendert. Das Weibchen, auf den Namen Narcisa getauft,...

Widerstand der Wissenschaftsgemeinde gegen Ver-Dammung der Vjosa in Albanien

++ 776 Wissenschaftler verlangen in einer Petition ein Ende der Staudammprojekte an der Vjosa in Albanien ++ Die Wissenschaftler fordern von der...

EU wird für Rumäniens Urwälder aktiv

EU ergreift rechtliche Schritte gegen Rumäniens Behörden wegen illegaler Abholzungen der letzten Urwälder Europas.

 

Rumäniens Regierung zum Waldschutz aufgefordert

In einem gemeinsamen Brief an den Präsidenten, den Regierungschef und den Umweltminister Rumäniens fordern EuroNatur und andere...

Kommentar zur Waldpolitik der Europäischen Union

Bei der EU-Waldkonferenz vom 4.-5. Februar 2020 fand Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermans deutliche Worte zum Waldschutz. Dennoch steht zu...

Konsequenter Schutz von Europas Urwäldern notwendig

Am 4. und 5. Februar findet in Brüssel die EU-Waldkonferenz statt, bei der die künftige Waldpolitik der EU diskutiert wird. In seiner Eröffnungsrede...

Abschuss von Waldrappen in Kroatien

Waldrappe gehören zu den seltensten Vögeln der Welt; es gibt nur noch winzige Restpopulationen im Nahen Osten sowie an Marokkos Atlantikküste. Mit...

Neue Spitze für das EuroNatur-Präsidium

++ Prof. Dr. Thomas Potthast neuer Präsident der EuroNatur-Stiftung ++ Dr. Anna-Katharina Wöbse übernimmt Amt der Vizepräsidentin++

Vielfalt der Natur im Fokus

Internationaler Fotowettbewerb „Naturschätze Europas 2020“ startet

Rüge für Albanien: Berner Konvention fordert albanische Regierung erneut auf, Wasserkraftprojekte an der Vjosa auszusetzen

Der Ständige Ausschuss der Berner Konvention hat beschlossen, das Verfahren gegen die albanische Regierung in Bezug auf die Wasserkraftwerke Pocem und...

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Zur Datenschutzerklärung