EU-Agrarpolitik: Geballte Ignoranz

Der EU-Agrarausschuss stimmte gestern für die weitere Verwendung von Glyphosat und anderen Pflanzengiften auf Ökologischen Vorrangflächen. Mit dieser Entscheidung ignoriert der Ausschuss die Ergebnisse der kürzlich beendeten EU-weiten Befragung zur Zukunft der Agrarpolitik. Knapp 260.000 EU-Bürger sprachen sich hierin für eine ökologische Ausrichtung der Landwirtschaft aus.

Dieses Bild wird immer seltener: Naturbelassene Blumenwiese © EuroNatur

Die Verödung unserer Kulturlandschaft nahm in den letzten Jahren dramatische Züge an. Ökologische Vorrangflächen sollen dazu beitragen, die stark bedrohte Biodiversität in den Agrarlandschaften zu erhalten und zu fördern. Dass auf diesen Flächen dennoch der Pestizideinsatz erlaubt ist, klingt wie purer Hohn. EU-Agrarkommissar Phil Hogan hat erkannt, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Doch sein Vorschlag, ein Pestizid-Verbot auf Ökologischen Vorrangflächen durchzusetzen, wurde von einem Großteil der Abgeordneten des EU-Agrarausschusses abgelehnt. Der CSU-Abgeordnete Albert Deß und der Brite John Stuart Agnew hatten die entsprechende Resolution gegen das Pestizid-Verbot veranlasst.

Die beiden Initiatoren und die Mehrheit im EU-Agrarausschuss zeigen sich damit als rückwärtsgewandte Vertreter einer naturschutzfeindlichen Agrarpolitik. Sie ignorierten auch das Votum der knapp 260.000 EU-Bürger und über 600 Organisationen, die im Rahmen einer Umfrage der EU für eine nachhaltige Ausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik stimmten. Doch noch besteht ein Fünkchen Hoffnung: Die Abgeordneten des EU-Parlaments können die Entscheidung des Agrarausschusses in ihrer Plenarsitzung am 12. Juni ignorieren und dem von Agrarkommissar Hogan vorgeschlagenen Pestizidverbot auf Ökologischen Vorrangflächen doch noch zustimmen.

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