EU-Parlament kritisiert Albanien für Staudammprojekte an Vjosa und in Schutzgebieten

Die Vjosa. Die EU ruft zum Schutz auf, die albanische Regierung will Wasserkraftwerk errichten. © Christian Baumgartner / Nationalpark Donau-Auen

Gemeinsame Pressemitteilung von EuroNatur,  Riverwatch  und EcoAlbania vom 15. April 2016


Radolfzell,  Wien, Tirana.
Das EU-Parlament hat die albanische Regierung für ihre geplanten Wasserkraftwerke kritisiert und dazu aufgerufen, stärker als bisher auf Schutzgebiete (vor allem Nationalparks) und andere sensible Naturgebiete Rücksicht zu nehmen. Besonders gelte dies für die Vjosa, so die Stellungnahme des EU-Parlaments zum Erweiterungsbericht der EU-Kommission, der gestern in Brüssel vom Parlament verabschiedet wurde. Das EU Parlament „fordert die Regierung Albaniens auf, den Bau von Wasserkraftanlagen in ökologisch gefährdeten Gebieten wie entlang der Vjosa und in Schutzgebieten zu kontrollieren und die Unversehrtheit von bestehenden Nationalparks aufrechtzuerhalten.” (Nr 23, EU Enlargement Report)

Bereits in der letztjährigen Stellungnahme zum Bericht der Kommission  hatte das Parlament die albanische Regierung aufgefordert, ihre Staudammpläne an der Vjosa und deren Zuflüssen zu überdenken. Stattdessen hat die Regierung unter Premierminister Edi Rama erst kürzlich die Planung eines großen Wasserkraftwerks an der Vjosa ausgeschrieben. Baufirmen aus aller Welt konnten sich bis zum 17.3.2016 für das Projekt bewerben. Wer den Zuschlag bekommt, ist bislang nicht bekannt. Doch es gibt Hinweise, dass es sich dabei um ein türkisches Unternehmen handelt. „Die Ausschreibung für ein weiteres Wasserkraftwerk an der Vjosa kommt für uns sehr überraschend, da Premierminister Rama bisher auch den Schutz dieses einzigartigen Flusses vorgeschlagen hat. Zudem wurden bisher keine Untersuchungen über die Auswirkungen dieses massiven Eingriffs nach international anerkannten Standards durchgeführt“, sagt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der Naturschutzstiftung EuroNatur.  

Ferner fordert  das EU-Parlament Albanien im Erweiterungsbericht explizit auf, die Qualität der Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) zu verbessern und an EU-Standards anzupassen sowie die Bevölkerung in die Planungen einzubeziehen und besser zu informieren. „Diese Position des EU-Parlaments ist Unterstützung für unsere Arbeit in Albanien. Es ist jedoch wichtig, dass sich die albanische Regierung auch an diese Vorschriften hält. Statt der geplanten Wasserkraftwerke fordern wir die Ausweisung der ganzen Vjosa als Nationalpark, dem ersten Wildfluss-Nationalpark in Europa. Die Vjosa ist ein europäisches Juwel“, so Ulrich Eichelmann von Riverwatch. Dieses Ziel unterstützen auch die Anrainer der Vjosa. Fast sämtliche Bürgermeister des Tales haben eine Petition für den Nationalpark und gegen Staudämme unterschrieben.

Die Vjosa ist der letzte große Wildfluss Europas außerhalb Russlands. Von den Bergen Griechenlands bis zu Mündung ins Mittelmeer fließt sie weitgehend ohne künstliche Hindernisse. Streckenweise ist das Flussbett zwei Kilometer breit. Wissenschaftlich ist dieser Fluss noch weitgehend unerforscht. Trotzdem beabsichtigt die Regierung vor allem in den ökologisch wertvollen Strecken Stauseen zu errichten.



Hintergrundinformationen:

  • Position des Europäischen Parlaments zu Wasserkraftwerken in Albanien im Wortlaut:

    23. fordert die Regierung Albaniens auf, den Bau von Wasserkraftanlagen in ökologisch gefährdeten Gebieten wie entlang der Vjosa und in Schutzgebieten zu kontrollieren und die Unversehrtheit von bestehenden Nationalparks aufrechtzuerhalten; empfiehlt, die Qualität von Umweltverträglichkeitsprüfungen zu verbessern, wodurch den EU‑Standards gemäß der Vogelschutzrichtlinie, der Habitat‑Richtlinie und der Wasserrahmenrichtlinie Rechnung getragen werden könnte; fordert die Regierung Albaniens auf, die Transparenz zu verbessern, indem sie die Öffentlichkeit in ihre Vorhaben einbezieht und sie zu ihnen konsultiert;
  • Zur Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“: Die Staudämme an der Vjosa sind nur ein Teil einer wahren Staudammflut, die derzeit den Flüssen auf der Balkanhalbinsel drohen. Rund 2.700 Wasserkraftwerke zwischen Slowenien und Albanien sind derzeit geplant. Um der Zerstörung entgegen zu wirken, haben EuroNatur und Riverwatch gemeinsam mit Partnern aus den Balkanländern die internationale Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ gestartet.  Mehr Informationen unter: www.balkanrivers.net/de

Rückfragen:

Katharina Grund – EuroNatur: katharina.grund(at)euronatur.org, + 49 7732 92 72-10
Ulrich Eichelmann – Riverwatch: ulrich.eichelmann(at)riverwatch.eu, +43 676 6621512
Olsi Nika – EcoAlbania: o.nika(at)ecoalbania.org,+355 69 29 44 757  

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