Fischarten im Mittelmeerraum durch Wasserkraftboom gefährdet

++ Neue Studie belegt: Wasserkraftwerke haben verheerenden Einfluss auf Fischbestände in Flüssen rund um das Mittelmeer ++ Zahlreiche Arten sind vom Aussterben bedroht ++

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Der Balkan Streber (Zingel balcanicus) dürfte aussterben, wenn die geplanten Wasserkraftwerke in seinem Lebensraum gebaut werden. Er kommt nur noch an wenigen Stellen in Nordmazedonien vor. Er braucht frei fließende, schotterreiche Bäche zum Überleben.

© Vasil Kostov
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Wasserkraftwerke, v.a. Kleinwasserkraftwerke sind eine der wesentlichen Ursachen für die immer länger werdenden Roten Listen bei den Fischen. Wird der Ausbau nicht gestoppt, würden in den Flüssen des Mittelmeerraumes 186 Fischarten weiter Richtung Aussterben gedrückt werden.

© Amel Emric

Wien, Radolfzell. Wasserkraftwerke sind eine wesentliche Ursache für den Rückgang zahlreicher Fischarten im Mittelmeerraum. Das zeigt eine neue Studie, die von den Naturschutzorganisationen EuroNatur und Riverwatch, sowie Wetlands International Europe, GEOTA und WWF Adria in Auftrag gegeben wurde. Insgesamt wurden 251 gefährdete Süßwasser-Fischarten und deren Bestandssituation in Flüssen rund um das Mittelmeer erfasst sowie der Einfluss von bestehenden und geplanten Wasserkraftwerken auf ihren Bestand bewertet. Das ist die bislang umfassendste derartige Erhebung in Europa.

Der Mittelmeerraum ist ein Biodiversitäts-Hotspot, aber Flüsse und Feuchtgebiete leiden insbesondere unter dem aktuellen Wasserkraftboom. Mehr als 6.300 neue Wasserkraftanlagen sind in Planung, 5.269 sind schon in Betrieb, 202 aktuell im Bau. Sollten alle geplanten Anlagen gebaut werden, würden 179 Fischarten weiter Richtung Aussterben gedrückt werden, für weitere sieben Arten gäbe es sicher keine Rettung mehr, sie dürften  global aussterben. Die größte Bedrohung geht dabei von Kleinwasserkraftwerken aus. Allein 163 Fischarten sind durch bestehende und geplante Wasserkraftwerke unter 10 MW Leistung vom Aussterben bedroht.

Dr. Jörg Freyhof, Autor der Studie und renommierter Fischexperte, betont: „Wasserkraftwerke sind eine der wesentlichen Ursachen für die immer länger werdenden Roten Listen bei den Fischen. Aus Artenschutzsicht ist dringend erforderlich, den weiteren Ausbau der Wasserkraft, v.a. der Kleinwasserkraft zu stoppen. Stattdessen sollten frei fließende Flüsse geschützt und verbaute renaturiert werden. Das gilt nicht nur für den Mittelmeerraum, sondern für Fließgewässer in ganz Europa."

„Wird der Ausbau der Wasserkraft nicht gestoppt, kann die EU ihre Artenschutzziele im Green Deal vergessen. Es macht keinen Sinn, dass die Biodiversitätsstrategie die Renaturierung von 25.000 Flusskilometern vorsieht, wenn gleichzeitig durch den Ausbau der Wasserkraft zigtausende Kilometer verstaut und abgeleitet werden sollen“, sagt Ulrich Eichelmann, Geschäftsführer von Riverwatch.

 „Unsere zentralen Forderungen liegen auf der Hand: keine weitere finanzielle Förderung der Wasserkraft, vor allem ein Stopp der Subventionen für Kleinwasserkraftwerke. Diese Studie ist ein weiterer Beleg für das zerstörerische Potenzial von Wasserkraft, diese zu Unrecht mit einem grünen Stempel versehene Form der Energieerzeugung“, sagt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der Stiftung EuroNatur.


Hintergrundinformationen:

  • Die Studie: Gegenstand der Studie sind 251 schon jetzt gefährdete Fischarten im mediterranen Becken. Geographisch untersucht wurden die Iberische Halbinsel, Frankreich, Italien, Teile des Balkans, der Mittlere Osten, Ägypten und die Maghreb Staaten. Die gesamte Studie: https://balkanrivers.net/Threatened_Fish_MedBasin.pdf
  • Die Kampagne „Rettet das blaue Herz Europas“ will die wertvollsten Flüsse der Balkan-Halbinsel vor einem Tsunami aus ca. 3000 Staudammprojekten schützen. Die Kampagne wird von den NGOs Riverwatch und EuroNatur koordiniert und zusammen mit lokalen Partnerorganisationen durchgeführt.

Kontakt:

  • Anja Arning, EuroNatur, anja.arning(at)euronatur.org,  +49 7732 – 927213
  • Ulrich Eichelmann, Riverwatch, ulrich.eichelmann(at)riverwatch.eu, +43 676 6621512
  • Dr. Jörg Freyhof, joerg.freyhof(at)mfn.berlin, +49 176 83520718

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