Vorläufiges Aus für Kleinwasserkraftwerke in Bosnien-Herzegowina

++ Parlament verhängt historische Entscheidung für Flüsse in Bosnien-Herzegowina ++ Baustopp für Wasserkraftprojekte ++

<p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p>

"Lasst mich fließen!" Über 350 Menschen blockierten am 1. Juni eine Brücke über den Fluss Neretvica und verhinderten den Baubeginn.

© Svjetlana Panic
<p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p><p> </p>

Neretvica: Entlang dieses unberührten Flusses sind 15 Wasserkraftwerke geplant. Mit der Entscheidung in der Föderation von Bosnien-Herzegowina werden all diese Projekte geprüft.

© Amel Emric

Sarajevo, Wien, Radolfzell. Das Parlament der Föderation in Bosnien-Herzegowina hat Dienstagabend ein Moratorium für alle neuen Kleinwasserkraftwerke im Land beschlossen. Das heißt, es werden keine neuen Kraftwerke mehr genehmigt und bei bereits genehmigten Projekten soll überprüft werden, ob die Genehmigung rechtens war oder nicht. Damit kommt das Parlament einer langjährigen Forderung von Umweltschützern und großen Teilen der Bevölkerung nach.

Die Entscheidung ist die Folge anhaltender Proteste im ganzen Land gegen den Bau von Wasserkraftwerken, die zumeist illegal errichtet werden, selbst während des Corona-Lockdowns in der Region. Zuletzt verhinderten etwa am Pfingstmontag 350 Menschen den Baubeginn eines Wasserkraftwerks an der Neretvica, einem Bach nahe Sarajevo.

Bosnien-Herzegowina ist zur Zeit der Wasserkraftbau-Hotspot in Europa. Zuletzt wurden fast täglich neue Konzessionen vergeben. Etwa 100 Wasserkraftwerke wurden gebaut, sie hinterließen über weite Teile des Jahres ausgetrocknete Flussbetten und soziale Konflikte. Damit sollte es jetzt vorbei sein.

Durch den Beschluss des Parlaments sind mit einem Schlag wertvolle Flüsse wie die Una, Šujica, Kruščica und Teile der Neretva vor ihrer Verbauung sicher. Die insgesamt 15 Projekte an der Neretvica sowie hunderte weitere Projekte, die bereits eine Konzession erhalten haben, werden überprüft.

Das ist ein Riesenerfolg v.a. für die NGOs und vielen Flusskämpfer in Bosnien-Herzegowina. Ohne deren unerbittlichen Widerstand gegen die vielen Projekte wäre diese Entscheidung nicht möglich gewesen. Das Moratorium gilt allerdings nur für die Föderation Bosnien-Herzegowina, nicht aber für die Republika Srpska.

„Dies kann ein historischer Moment für unsere Flüsse und unsere Natur sein. In den nächsten Monaten werden wir jedoch sorgfältig darauf achten, dass diese ehrgeizigen Ziele nicht verwässert werden", sagt Nina Kreševljaković, Rechtsexpertin des Aarhus-Zentrums in Sarajevo und Mitglied des Juristenteams innerhalb der „Save the Blue Heart of Europe“-Kampagne.

Dies ist ein enorm wichtiger Schritt in die richtige Richtung und kann als Vorbild für alle Balkanstaaten und sogar für ganz Europa dienen, da neue Entwicklungen im Bereich der Wasserkraft eine große Bedrohung für die biologische Vielfalt und die Menschen darstellen", sagt Ulrich Eichelmann von Riverwatch, Koordinator der „Save the Blue Heart of Europe“-Kampagne.

Kleine Wasserkraftwerke leisten allenfalls einen symbolischen Beitrag zur Stromproduktion, nicht nur in Bosnien-Herzegowina, sondern auf dem gesamten Balkan und in Europa. Es ist höchste Zeit, die Förderung dieser zerstörerischen Nutzung von Flüssen zu beenden. Wir gehen davon aus, dass die Entscheidung eine große Signalwirkung entfaltet“, sagt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer von EuroNatur.

Zwischen Slowenien und Albanien fließen die wertvollsten Flüsse Europas – die Region ist das „Blaue Herz Europas“. Auf dem gesamten Balkan sind jedoch 3.000 neue Wasserkraftwerke geplant. Seit dieser Woche gibt es deutlich mehr Hoffnung, dass das Blaue Herz Europas weiterschlägt.


Hintergrundinformationen:
Die Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas" will die wertvollsten Flüsse der Balkanhalbinsel vor einem Damm-Tsunami aus ca. 3.000 geplanten Projekten bewahren. Die Kampagne wird von den NGOs Riverwatch und EuroNatur koordiniert und gemeinsam mit Partnerorganisationen in den Balkanländern umgesetzt. Weitere Informationen finden Sie unter https://balkanrivers.net/de

 

Kontakt:

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv:

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Mit Ihrer Spende leisten Sie einen wirkungsvollen Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Beschwerde an Berner Konvention wegen Staudämmen an der Neretva

++ Naturschutzorganisationen erheben bei der Berner Konvention Beschwerde gegen Bosnien-Herzegowina wegen der Bewilligung von Dammbauten an der...

Slowenische Regierung plant Ausbau der Wasserkraft

An der Save in Slowenien soll eine Reihe von Wasserkraftwerken entstehen; die Regierung in Ljubljana hat mehrere Konzessionen vergeben. Naturschützer...

Zeugen illegalen Holzeinschlags in Rumänien

Recherchereise von Thomas Waitz, Europaabgeordneter der Grünen aus Österreich, zusammen mit Agent Green zeigt, dass der illegale Holzeinschlag in...

EuroNatur-Preis 2020 für ausdauernde Pestizidgegner

++ Südtiroler Gemeinde Mals erhält diesjährigen EuroNatur-Preis ++ Überregionale Bekanntheit durch Kampf um Pestizidverbot mitten in der...

Naturschutz für EU-Beitritt unabdingbar

Wasserkraft, Abholzungen, Biodiversität: Bericht der Kommission zu den EU-Beitrittskandidaten formuliert klare Anforderungen für den Naturschutz.

30 Jahre Wiedervereinigung – 31 Jahre Grünes Band

BUND, European Green Belt Association und Deutscher Kulturrat unterstützen Nominierung als UNESCO-Welterbe

Grünes Band Europa: Naturschutz verbindet Nachbarn

++ 30 Jahre Deutsche Wiedervereinigung ++ Naturschutz entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs als zentrales europäisches Friedensprojekt ++

Ohne Pestizide – für eine zukunftsfähige Landwirtschaft

++ EuroNatur-Preis 2020 geht an die Gemeinde Mals in Südtirol ++ Immer wieder werden Pestizidgegnerinnen und -gegner mit Klagen konfrontiert ++...

Eilmeldung: Wasserkraftwerk Kalivaç wird nicht gebaut, so Premierminister Edi Rama

Als Reaktion auf die Erklärung des albanischen Präsidenten Ilir Meta gab Premierminister Edi Rama heute gegenüber den Medien bekannt, dass er...

Allianz gegen Staudamm an der Vjosa wächst

++ Forschungszentrum an der albanischen Vjosa eröffnet ++ Wissenschaftler üben scharfe Kritik an der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zum geplanten...

Frist abgelaufen: Jetzt Flüsse konsequent schützen

Naturschutzorganisationen fordern von der Regierung der Föderation von Bosnien und Herzegowina ein Moratorium für den Bau von Kleinwasserkraftwerken....

Schlechte Saison für Störche

++ Nur wenige flügge Jungen in Europas Storchendörfern ++ Wetterextreme machen Weißstörchen zu schaffen ++ Erhalt von Feuchtgrünland bedeutet Klima-...

Endlich: EU verbietet Bleischrot in Feuchtgebieten

Eine gute Nachricht für Europas Wasservögel: Die Jagd in Feuchtgebieten mit giftigem Bleischrot wird verboten. So werden jährlich in der EU etwa 1,5...

Rendezvous mit Wasserfledermaus und Co.

Traditionell findet am letzten Wochenende im August die europaweite „Bat Night“ statt. Auch unsere Partner in Frankfurt an der Oder luden am 28....

Siegerbilder des EuroNatur-Fotowettbewerbs gekürt

Rund 3.400 Bilder von Europas Natur sind in diesem Jahr bei der Jury eingegangen – die Auswahl der zwölf besten Fotos kann sich sehen lassen.

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Zur Datenschutzerklärung