In Italien geht es Zugvögeln an den Kragen

Novelle des italienischen Jagdgesetzes gefährdet Touristen und seltene Vogelarten

Presseinformation vom 20. Januar 2005

Radolfzell. Nach Plänen der italienischen Regierung geht es Vögeln wie Kampfläufer, Bekassine oder auch dem Birkhuhn in Zukunft verstärkt an den Kragen. Hintergrund ist nach Angaben der internationalen Umweltstiftung EuroNatur eine Änderung des italienischen Jagdrechts. So soll die Jagdsaison verlängert, die Zahl der jagdbaren Vogelarten von 36 auf 41 erhöht und die Haltung von lebenden Lockvögeln vereinfacht werden. "Bei illegalen Abschüssen sollen nur noch Bußgelder und keine Haftstrafen mehr verhängt werden können und zum Training von Jagdhunden könnte dann selbst in Naturschutzgebieten ganzjährig gejagt werden", berichtet Dr. Martin Schneider-Jacoby, Vogelexperte bei EuroNatur und ergänzt: "Viele der Vogelarten, die in Italien gejagt werden, gehen EU-weit in ihren Beständen zurück oder sind bei uns in Deutschland vom Aussterben bedroht." Mit der Gesetzesnovelle drohe dann auch eine weitere Verarmung der Natur in weiten Teilen Mitteleuropas.

Besonders bedenklich ist nach Einschätzung von EuroNatur die vorgeschlagene Verlängerung der Jagdsaison. Die Saison würde dann vom 18. August bis zum 20. Februar andauern (momentan:19. September bis 31. Januar) und begänne damit noch Mitten in der Urlaubszeit. Auch Touristen müssten mit massiven Störungen rechnen. "Wer schon einmal zu Beginn einer Jagdsaison in viel bejagten Gegenden wandern war, weiß dass man es bei der Schiesserei mit der Angst zu tun kriegen kann." sagt EuroNatur-Projektleiter Schneider-Jacoby. Allein in der Jagdsaison 2003/2004 sind in Italien 52 Menschen durch Jagdunfälle getötet und 88 schwer verletzt worden. "Außerdem befinden sich ab Januar bereits etliche Zugvogelarten, auf dem Weg in ihre nordeuropäischen Brutgebiete. Aus Achtung vor dem gemeinsamen europäischen Naturerbe, muss die italienische Regierung den Gesetzesvorschlag deshalb unbedingt ablehnen", betont man bei EuroNatur.

In den 70er Jahren geriet Italien durch die weitverbreitete Jagd auf Vögel schon einmal in die öffentliche Kritik. Mit Slogans wie "Kein Urlaubsort, wo Vogelmord" machten Naturschützer damals auf die Gefährdung der europäischen Zugvogelbestände durch 700.000 italienische Vogeljäger aufmerksam. Konsequenzen für den Tourismus blieben nicht aus und so konnte die Gefährdung der Vögel etwas abgeschwächt werden. Insbesondere die Nutzung illegaler Fanggeräte und Fangmethoden wie, Leimruten, Haken, Tonbandgeräte und die Nutzung geblendeter oder verstümmelter lebender Vögel als Lockvögel konnte durch verstärkte Kontrollen eingeschränkt werden. Durch intensive Natur- und Vogelschutzarbeit sind viele gefährdete Arten wie Weißstorch, Löffler, Flamingo oder die Moorente heute wieder vermehrt als Brutvögel in Italien anzutreffen. Nach Angaben der Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur) hat sich das Problem jedoch teilweise nach Osten, in die Balkanländer verlagert, wo die italienischen Vogeljäger zwar auch gegen Gesetze verstoßen, aber bisher mit weniger Kontrollen rechnen mussten. EuroNatur arbeitet europaweit für den Schutz von Wildtieren und ihren Lebensräumen.

Nach der Jagdgesetznovelle sollen in Italien zukünftig auch verschiedenen Gänsearten wie Bläß-, Saat- und Graugans zum Abschuss frei gegeben werden.

 

Rückfragen:

Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur)

Konstanzer Str. 22,

78315 Radolfzell

Tel. 07732 - 92 72 0

Fax 07732 - 92 72 22

E-mail info(at)euronatur.org

Internet www.euronatur.org

Sie wollen helfen?

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Mit Ihrer Spende leisten Sie einen wirkungsvollen Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Zähler veranschaulicht illegale Abholzung rumänischer Urwälder in Echtzeit

++ Die rumänische EU-Präsidentschaft im Rampenlicht - und damit auch die Zerstörung der Urwälder ++ EuroNatur und Agent Green fordern Rumänien und die...

Pilotgebiete an der Save ausgewählt

Im Rahmen des Sava TIES Projekts wurden sieben Pilotgebiete festgelegt, in denen der Einfluss invasiver Pflanzenarten erforscht und Maßnahmen...

Naturschutztage am Bodensee

Auch in diesem Jahr bieten die Naturschutztage am Bodensee ein vielseitiges Programm. Sie finden vom 3. bis zum 6. Januar 2019 im Milchwerk in...

Auf Entdeckungsreise in Europas Natur

Internationaler Fotowettbewerb „Naturschätze Europas 2019“ startet

Vergiftungen bedrohen Geierbestände auf dem Balkan

In den letzten zwanzig Jahren sind mindestens 465 Geier auf dem Balkan Opfer von Vergiftungen geworden. Zu diesem erschreckenden Ergebnis kommt eine...

Berner Konvention fordert Albanien zum Schutz der Vjosa auf

++ Geplante Wasserkraftwerke Pocem und Kalivac an der Vjosa sind sofort zu stoppen. ++ Ständiger Ausschuss der Berner Konvention sieht einmaliges...

Öko-Masterplan zeigt Wert der Balkanflüsse

++ 80.000 Kilometer Fließgewässer auf dem Balkan wissenschaftlich bewertet ++ 76 Prozent davon als Tabuzonen für Wasserkraftwerke ausgewiesen ++...

#GivingTuesday: Mitmachen und Flussperlen schützen!

Der Countdown läuft: Am 27. November ist #GivingTuesday. An diesem Tag ruft die gleichnamige Initiative weltweit Menschen dazu auf, ein Zeichen gegen...

Gänsegeier in der Saline Ulcinj abgeschossen

Für einen kroatischen Gänsegeier wurde die Saline Ulcinj zu einem tödlichen Rastplatz. Vermutlich erschossen Wilderer den seltenen Greifvogel – leider...

Grünes Band in Thüringen ist Nationales Naturmonument

Der einmalige Biotopverbund entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze soll dauerhaft und flächendeckend geschützt werden.

EU-Kommission muss Urwälder in Rumänien schützen

EuroNatur und Agent Green: Größte Naturschutzkrise der EU erfordert dringendes Einschreiten

Kein „Weiter so“ in der Gemeinsamen Agrarpolitik

Die Verhandlungen um die Neugestaltung der europäischen Agrarpolitik ab 2021 auf EU-Ebene sind in vollem Gang. EuroNatur und ihre Partner fordern...

Serbien will Abkommen zum Schutz der Zugvögel beitreten

Lange haben EuroNatur und ihre serbische Partnerorganisation Bird Protection and Study Society of Serbia darauf hingearbeitet, nun ist der erste...

Grenzübergreifendes Projekt zum Save-Schutz angelaufen

Das von EuroNatur initiierte SavaParks Netzwerk hat den Zuschlag zu einer EU-Förderung für ein neues Projekt an der Save bekommen. Anfang Oktober fand...

Petition zur Rettung von Europas letzten Urwäldern

Die vierte Folge der investigativen Dokuserie „Out of Control“ zeigt die dramatischen Zerstörungen im rumänischen Calimani-Nationalpark. Parallel zur...

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Zur Datenschutzerklärung