Kurz vor den Wahlen verkündet Rumänien den Schutz einiger Urwälder

Nach Jahren bürokratischer Mühen stehen manche rumänische Primärwälder – wie das Boia-Mică-Tal im Făgăraș-Gebirge – nun endlich unter Schutz. Andererseits hält die Regierung die Studien über weitere 13.000 Hektar kostbarer Ur- und Naturwälder weiterhin zurück – und hunderttausende Hektar wertvollster Naturwälder sind unverändert von der Zerstörung durch Abholzung bedroht ...

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Das wilde Boia-Mică-Tal im Natura 2000-Gebiet Făgăraș: Nach Jahren der Auseinandersetzung mit der Bürokratie wurde das Tal endlich in den „Nationalen Urwaldkatalog“ aufgenommen. In anderen Teilen des Natura 2000-Gebiets Făgăraș-Gebirge geht die Waldzerstörung hingegen weiter, sogar schneller denn je.

© Matthias Schickhofer

Das Umweltministerium Rumäniens hat kürzlich eine Neufassung des „Nationalen Urwaldkatalogs“ auf seiner Website veröffentlicht. Diese neue Version umfasst nun 43.823,36 ha Wald, das sind um 14.000 ha mehr als 2019. Allerdings standen 9.500 ha dieser Wälder bereits zuvor als Teile von UNESCO-Welterbestätten unter Schutz. Somit schrumpft der tatsächliche Zuwachs an jetzt streng geschützten Urwaldgebieten in Rumänien auf 4.500 ha.

Die Umweltschutzorganisationen EuroNatur und Agent Green begrüßen diesen „längst überfälligen“ Schritt der Regierung in letzter Minute, zwei Wochen vor den Parlamentswahlen. Gleichzeitig betonen die Naturschützer, dass eine Fläche von knapp 44.000 ha weit unter dem tatsächlichen Umfang der Primär- und Naturwälder in Rumänien liegt, und ziehen den Schluss, dass dieses Instrument über weite Strecken gescheitert ist.

Zu den neu aufgenommenen Urwaldgebieten zählt auch das einzigartige Naturerbe des Boia-Mică-Tals im Natura 2000-Gebiet Făgăraș-Gebirge. Dieses weglose, steile Tal beherbergt 960 ha unberührten Urwald. Boia Mică ist einer der der wildesten und ursprünglichsten Bergwälder der EU. Den rumänischen Waldexperten und ihren Kollegen von der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg wurde aber von der regionalen Fortbehörde und der „Technischen Kommission“ im Ministerium ein jahrelanges bürokratisches Vor und Zurück aufgenötigt. Zum Glück verlief die Anerkennung von Boia Mică jetzt ohne weitere Komplikationen.

Gleichzeitig schreiten die Einschläge in Primär- und Naturwäldern selbst in Nationalparks, Außenzonen von UNESCO-Welterbegebieten und Natura 2000-Gebieten weiter voran, und zwar in katastrophalem Ausmaß und ohne Gegenmaßnahmen der rumänischen Regierung.

Am 16. November gab das Berufungsgericht in Bukarest einer Beschwerde von Agent Green recht und setzte die Waldmanagementpläne für Teile des Nationalparks (und Natura 2000-Gebiets) Domogled–Valea Cernei sowie ein angrenzendes Natura 2000-Gebiet aus. Agent Green hatte ein Verfahren gegen Holzeinschläge durch die Staatsforste Romsilva angestrengt. Das Gericht erklärte diese Managementpläne nun für ungültig. Damit sind die Fällungen in den Staatswäldern in diesem Gebiet gestoppt. Die Naturschützer hoffen, dass nun die unersetzbaren Buchenwälder – vor allem im wilden oberen Cerna-Tal – in die eingriffsfreien Wildniszonen des Nationalparks einbezogen werden.

Trotz der letztinstanzlichen Gerichtsentscheidung und des laufenden EU-Vertragsverletzungsverfahrens gegen Rumänien begannen die Romsilva-Manager aber mit der Versteigerung von Rodungsbewilligungen für 32 Parzellen im südwestlichen Teil des Domogled-Nationalparks, wo die Managementpläne nicht ausgesetzt wurden.

EuroNatur und Agent Green appellieren an die EU-Kommission, sich nicht von dieser sehr geringen Ausweitung des „Urwaldkatalogs“ einlullen zu lassen. Kahlschläge in geschützten, natürlichen Nadelwäldern und die mehrstufige Rodung der artenreichen Buchenmischwälder schreiten ungebremst voran. Der „Katalog“ umfasst derzeit nicht einmal 10 Prozent der 500.000 ha Naturwald, die von der Primofaro-Studie festgestellt wurden.

Insbesondere auch im Lichte der neuen EU-Biodiversitätsstrategie, die von allen EU-Umweltministern – inklusive Rumänien – einstimmig angenommen wurde und den strikten Schutz aller Primär- und Naturwälder in der EU fordert, muss Rumänien sicherstellen, dass diese Wälder vor den Kettensägen geschützt werden.

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