Malta verschärft Jagdgesetze

EuroNatur: Erster Schritt zu besserem Zugvogelschutz

 

Presseinformation vom 12. September 2005

 

 

Radolfzell / Valletta. Zu Beginn der herbstlichen Vogelwanderung ist jetzt eine Einschränkung der Vogeljagd auf Malta in Sicht. Darauf hat die internationale Umweltstiftung EuroNatur hingewiesen. Der maltesische Umweltminister George Pullicino kündigte vergangene Woche eine Angleichung der maltesischen Jagdgesetzgebung an EU-Recht an. Eine Entscheidung, die Vogelfreunde in ganz Europa freuen wird, denn trotz einiger Fortschritte bei der Überwachung der illegalen Jagd werden immer noch jedes Jahr Tausende zum Teil sehr seltene Zugvögel über Malta geschossen oder in Fallen gefangen. Die Fallenjagd auf sieben Finkenarten wie Buchfink, Grünfink, Stieglitz oder Kernbeißer soll nun auf einen Zeitraum zwischen Anfang Oktober und Ende Januar beschränkt bleiben (bislang Anfang Oktober bis Mitte April). Außerdem soll die Jagdsaison auf See (bislang Anfang Oktober bis Ende Februar) um einen Monat verkürzt und die Höchstgeschwindigkeit für die Motorboote der Jäger auf 20 Kilometer pro Stunde beschränkt werden.

Nach Angaben der internationalen Umweltstiftung EuroNatur kämen die Gesetzesänderungen insbesondere den zahlreichen über Malta ziehenden Finken und Enten zu Gute. Wild gefangene Finken werden in vielen Mittelmeerländern als "Haustiere" in kleinen Käfigen gehalten, während seltene Entenarten wie Pfeif-, Löffel- oder Krickente auf Malta ausgestopft zur Vervollständigung privater Sammlungen herhalten müssen. Durch die Verkürzung der Seejagdsaison könnten in Zukunft viele Enten diesem Schicksal entgehen. EuroNatur begrüße außerdem jede Verkürzung der legalen Jagdzeiten, da sich immer wieder zeige, dass die Verhinderung illegaler Abschüsse innerhalb der offiziellen Jagdsaison sehr schwierig sei.

EuroNatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer bleibt indes abwartend: "EuroNatur begrüßt die Gesetzesänderungen, die durch das Drängen und die Kritik von Umweltverbänden und der EU-Kommission möglich wurden. Allerdings kann das nur ein erster Schritt sein. Jetzt kommt es darauf an, die bestehenden Regelungen konsequent zu kontrollieren und die Gesetzgebung weiter an europäisches Niveau anzupassen."

 

Bei Rückfragen:

Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur)

Konstanzer Str. 22

78315 Radolfzell

Tel. 07732 - 92 72 0

Fax 07732 - 92 72 22

E-mail info@euronatur.org

Internet www.euronatur.org

 

 

EuroNatur-Hintergrundinfo Vogeljagd auf Malta:

Die Republik Malta besteht aus den drei Inseln Malta, Gozo und Comino, die etwa 90 km südlich von Sizilien liegen. Mit 385.000 Einwohnern, von denen 14.000 als Jäger und 8.000 als Fallensteller registriert sind, hat die Inselgruppe neben der höchsten Bevölkerungsdichte auch die höchste "Jägerdichte" Europas. Weitere etwa 3.000 illegale Jäger kommen hinzu, macht insgesamt 25.000 Vogeljäger auf Malta. Und das auf einer Landfläche (316 km2), die kleiner ist als der Gardasee.

Vogeljagd und Fallenstellen ("trapping") haben auf Malta eine lange Tradition. Vor allem das sogenannte "trapping" hat eine wichtige soziale Komponente. Statt auf den Fußballplatz geht man sonntags zum Vögel fangen. Die lebend gefangenen Singvögel - meist Finkenarten wie Grünfink, Stieglitz, Girlitz oder Kernbeißer - werden in kleinen Käfigen privat gehalten oder auf dem Vogelmarkt in Valletta verkauft.

Tödliche Sammelwut

80% der Jäger sammeln geschossene Vögel ausgestopft als Trophäen. Das heißt, die Jagdmotivation resultiert nicht aus dem Wunsch etwas Essbares auf den Tisch zu bekommen, sondern die fehlenden Arten in der Wohnzimmervitrine zu ergänzen. Das gefährdet besonders seltene Arten, da auch untereinander getauscht wird, und gerade diese Arten zu hohen Preisen auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden. So kostet ein ausgestopfter Löffler nach vorsichtigen Schätzungen etwa 700 Euro. Das "Sammlerproblem" führt auch dazu, dass maltesische Jäger ins Ausland, insbesondere nach Ägypten, fahren, um dort gezielt noch fehlende Arten zu schießen. Immer wieder werden bei Razzien in Ägypten, bei der Einfuhr nach Malta oder bei illegalen Präparatoren Hunderte toter Vögel gefunden.

Die Politik spielt mit

Da die Wahlen auf Malta zwischen den beiden großen Parteien regelmäßig mit nur wenigen Hundert bis Tausend Stimmen entschieden werden, sind die Jäger (und ihre Familien und Freunde) eine entscheidende Wählergruppe. Das "Jägerlager" macht etwa 17% der Wählerschaft aus! Das wird im Wahlkampf mit zweideutigen Sprüchen wie "Your vote is a weapon - use it well!" (Deine Stimme ist eine Waffe - nutze sie gut!) offen thematisiert und das führte auch dazu, dass die maltesische Regierung vor dem Eintritt in die EU Sonderjagdrechte erstritten hat.

Die rechtliche Situation

Über 30 Vogelarten wird im Herbst und Winter (1. September bis 31. Januar) legal nachgestellt. Hinzu kommt die durch eine EU-Sondergenehmigung legalisierte Frühjahrsjagd auf Wachtel und Turteltaube. Danach dürfen auch im April und Mai noch Wachteln und Turteltauben geschossen, sowie bis in den April hinein Finken lebend gefangen werden. Damit ist fast das ganze Jahr durch Jagdaktivitäten abgedeckt. Ob nur erlaubte Arten geschossen werden, ist sehr schwer zu kontrollieren und so fallen auch viele Greifvögel, Pirole, Bienenfresser, Reiher und andere Arten der illegalen Frühjahrsjagd zum Opfer. EuroNatur fordert darum ein vollständiges Verbot der Frühjahrsjagd und eine Umsetzung der EU-Vogelschutzrichtlinie ohne Ausnahmen. Die Strafen bei Gesetzesverstößen und vor allem auch der Vollzug müssen weiter verschärft werden, um wirklich eine abschreckende Wirkung zu entfalten. Solange ein Jäger mit dem Verkauf eines illegal geschossenen Vogels mehr verdienen kann, als er an Bußgeldern riskiert, werden die Gesetze nie wirklich greifen.

Jäger und Touristen

Auf der kleinen Insel kommen sich Touristen und Jäger immer wieder "ins Gehege". Jäger mögen normalerweise keine Touristen. So findet der Vogelmarkt in der Hauptstadt nur vor 8:30 Uhr morgens statt, um die Touristen nicht zu vergraulen. Und im sogenannten Bird Protection Act ist geregelt, dass an Sonn- und Feiertagen nicht nach der Mittagszeit gejagt werden darf, um Spaziergängern und Wanderern die Ballerei während des Sonntagsspaziergangs zu ersparen.

Erfreuliche Entwicklungen

Noch um 1990 wurde auf Malta häufig sogar in Parkanlagen, Gärten und Naturschutzgebieten ohne Einschränkung gejagt. Inzwischen gibt es eine mit mehreren Booten und Jeeps gut ausgerüstete Einsatztruppe der Polizei. Im Jahr 2004 wurden 376 Gerichtsverfahren wegen illegaler Jagd angestrengt! Viele der auf frischer Tat ertappten Jäger wurden zu Geldstrafen und Entzug des Jagdscheins für einige Jahre verurteilt. In einem Fall wurden erstmalig sogar Gefängnisstrafen verhängt. Dank engagierter Menschen bei der Polizei und Naturschutzorganisationen hat sich die Situation auf Malta deutlich verbessert. Anlass zur Entwarnung besteht deshalb aber noch lange nicht.

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