Übergabe Memorandum zum Schutz der rumänischen Urwälder

Übergabe des Wissenschaftler-Memorandums. V.l.n.r.: Gabriel Paun (Präsident Agent Green), Adriana Petcu (Ministerin für Wasser und Wälder), Gabriel Schwaderer (Geschäftsführer EuroNatur), Matthias Schickhofer (Urwaldschützer und Journalist) © EuroNatur
Wissenschaftler und Waldschützer im Urwaldtal Boia Mica im Fagaras-Gebirge. V.l.n.r.: Gabriel Paun (Agent Green / Rumänien), Martin Mikolas (Universität Prag / Tschechien), Prof. Dr. Hans Dieter Knapp (Universität Greifswald und Michael Succow Stiftung, Mitglied im EuroNatur-Präsidium / Deutschland) © Matthias Schickhofer

200 weltweit führende Wissenschaftler und Experten der Waldökologie rufen Rumänien dazu auf, die letzten Paradieswälder Europas zu retten +++ EuroNatur: Rumäniens Regierung muss energisch durchgreifen, um die destruktiven Kräfte im rumänischen Forstsektor zu stoppen

 

Gemeinsame Pressinformation von EuroNatur und Agent Green vom 15. März 2017



Bukarest/ Radolfzell.  Die Urwälder in Rumänien erhalten namhafte Unterstützung aus aller Welt. 200 Wissenschaftler und Experten der Waldökologie aus 27 Ländern und von drei Kontinenten haben ein von EuroNatur initiiertes Memorandum unterzeichnet. Gemeinsam rufen sie damit die rumänische Regierung dazu auf, sofort zu handeln und die sehr wertvollen Urwälder zu retten. Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der internationalen Naturschutzstiftung EuroNatur und Gabriel Paun, Präsident der rumänischen NGO Agent Green haben das Memorandum der Wissenschaftler heute der rumänischen Ministerin für Wasser und Wälder, Adriana Petcu, in Bukarest überreicht.

Die Wissenschaftler fordern von der rumänischen Regierung insbesondere, unverzüglich ein Einschlagsmoratorium für alle identifizierten und potentiellen Urwaldflächen zu beschließen. Ferner sollen die Forstverwaltung und insbesondere die Forest Guards einer strikten administrativen Kontrolle im Hinblick auf die Einhaltung der Gesetze unterzogen und bestehende Gesetzeslücken geschlossen werden.  Die Unabhängigkeit des Managements der rumänischen Nationalparke sollen durch die Regierung sicher gestellt und die Kernzonen der Nationalparke so vergrößert werden, dass internationale Standards, die so genannten IUCN Kriterien, eingehalten werden. Zudem fordern die Wissenschaftler die rumänische Regierung dazu auf, Kompensationszahlungen für private Urwaldbesitzer bei vollständigem Nutzungsverzicht zur Verfügung stellen.

Unter den Unterzeichnern des Memorandum ist die Crème de la Crème der internationalen Waldökologen vertreten:
Dr. Ing. Iovu-Adrian Biris / Rumänien, Prof. Dr. Pierre L. Ibisch / Deutschland, Prof. Dr. Hans Dieter Knapp / Deutschland, Prof. Ing. Miroslav Svoboda / Tschechische Republik, Prof. Brendan Mackey, Ph.D. / Australien, Univ. Prof. Dipl. Ing. Dr. Kurt Zukrigl / Österreich, Univ. Prof. Dr. Georg Gratzer / Österreich, Prof. Dr. Rainer Luick / Deutschland, Cyril F. Kormos (Vize-Präsident, WILD Foundation und Vize-Präsident für Welt-Naturerbe, IUCN-WCPA) / USA, Dr. James Watson (Wildlife Conservation Society, Präsident - Society for Conservation Biology) / USA, Dr. Ing. Nicolae Donita / Rumänien, Prof. Dr. Michael Succow (Träger des Alternativen Nobelpreises) und Prof. William S. Keeton, Ph.D. / USA.

Die Wissenschaftler unterstützen mit dem Memorandum auch ihre rumänischen Kollegen, die sich ebenfalls geschlossen gegen die drohende Zerstörung der Urwälder engagieren. In keinem anderen Land Europas gibt es noch so große Urwälder wie in Rumänien. Ungefähr zwei Drittel aller „Paradieswälder“ der Europäischen Union haben in den rumänischen Karpaten überlebt. Zusammen mit der Ukraine ist Rumänien das wichtigste Land für den Schutz der Rotbuche, die nur in Europa vorkommt und deren Schutz von globaler Bedeutung ist. Die europäischen Buchenurwälder sind zudem Gegenstand einer transnationalen Nominierung als UNESCO Welt-Naturerbe. Dennoch wurden in den vergangenen 10 bis 15 Jahren bereits große Flächen mit außerordentlichem ökologischem und wissenschaftlichem Wert durch legalen und illegalen Holzeinschlag zerstört. Und die Urwaldzerstörung geht trotz einiger gesetzlicher Verbesserungen in den letzten Jahren mit alarmierender Geschwindigkeit weiter. Eine der wichtigsten Ursachen für die voranschreitende Vernichtung der Urwälder ist die weit verbreitete Korruption und die Missachtung der gesetzlichen Vorgaben im Forstsektor.

In der Konsequenz bieten nicht einmal die Naturschutzgebiete in Rumänien ausreichenden Schutz für die Primärwälder: viele der FFH-Gebiete in Rumänien sind sogar Hotspots der Waldzerstörung. Und fast alle rumänischen Nationalparke erfüllen die IUCN-Kriterien für Schutzgebietszonierung derzeit nicht. Primärwälder in Nationalparken wie etwa im Domogled-Nationalpark sind akut durch kommerziellen Holzeinschlag bedroht, der vielfach als Naturschutzmaßnahmen verschleiert wird.

“Gemeinsam mit  200 Wissenschaftlern und Experten der Waldökologie aus der ganzen Welt rufen wir heute die neue rumänische Regierung dazu auf, sich energisch für den Stopp des Holzeinschlags im wertvollsten europäischen Naturerbe – den letzten großflächigen Urwäldern – einzusetzen. Schon viel zu lange haben Politik und Behörden in Rumänien der Zerstörung des Naturerbes nur zugeschaut. Ursächlich hierfür sind vielfach finstere Praktiken im rumänischen Forstsektor, welche die Behörden, die Staatliche Forstverwaltung sowie private Holzeinschlags- und Handelsunternehmen einschließt. Es ist nun höchste Zeit für couragiertes Handeln. Die wertvollen Wälder sind nicht nur eine rumänische Angelegenheit, sondern sie verdienen es geschützt zu werden, für uns alle und die künftigen Generationen. Primärwälder spielen zudem eine enorm wichtige Rolle für den Klimaschutz und sie sind einer der kostbarsten Naturschätze Europas”, sagt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der EuroNatur Stiftung.


Hintergrundinformationen:

  • Die gemeinsame Kampagne “SaveParadiseForests” von EuroNatur und Agent Green will die Urwaldzerstörung in Rumänien international bekannt machen und den Urwaldschutz vorantreiben.

 

Rückfragen:

EuroNatur: Katharina Grund (Pressekontakt): katharina.grund(at)euronatur.org +49 7732 92 72-10
Gabriel Paun, Agent Green: Mobile: 0043 664 1850717, Email: gabriel.paun(at)agentgreen.org

Sie wollen helfen?

Spende

Europas Naturschätze sind bedroht. EuroNatur handelt. Unterstützen Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende! Damit leisten Sie einen wirkungsvollen Beitrag zur Bewahrung von Europas Natur.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Schluss mit der Giftspritzerei

Umweltgifte wie Glyphosat haben auf „ökologischen Vorrangflächen“ künftig nichts mehr zu suchen. Diesen Beschluss fasste das Europäische Parlament am...

Hoffnungsvoller Gerichtsentscheid

Der natürliche Lauf der Valbona im Norden Albaniens ist durch Wasserkraftprojekte gefährdet. Gegen den Bau der Staudämme haben verschiedene...

Mayas Mutterglück

Großartige Neuigkeiten aus Mazedonien: Ein Balkanluchsbaby hat das Licht der Welt erblickt! Zum ersten Mal seit Beginn der Schutzbemühungen von...

Der aktuelle EuroNatur-Newsletter ist da

EuroNatur und ihre Partnerorganisationen arbeiten mit Hochdruck daran, die durch Kraftwerksprojekte gefährdete Ursprünglichkeit der albanischen Vjosa...

EuroNatur: Anwalt für Europas Natur seit drei Jahrzehnten

Am 5. Juni ist der Tag der Umwelt ++ EuroNatur kämpft seit 30 Jahren für den Erhalt der europäischen Naturschätze

EU-Agrarpolitik: Geballte Ignoranz

Der EU-Agrarausschuss stimmte gestern für die weitere Verwendung von Glyphosat und anderen Pflanzengiften auf Ökologischen Vorrangflächen. Mit dieser...

Wasserkraftprojekt Kalivaç bedroht Europas letzten Wildfluss

Albanische Regierung will Konzession für naturzerstörerisches Projekt “Kalivaç” neu vergeben ++ NGOs werden Widerstand leisten

Bauwahn im albanischen Pelikan-Paradies

Die Karavasta-Lagune an der albanischen Adria-Küste ist eines der wichtigsten Feuchtgebiete auf dem Balkan. Ein Bauunternehmen plant, genau dort eine...

Der „Fall Vjosa“ geht in die nächste Runde

Nachdem das albanische Verwaltungsgericht Anfang Mai den Bau des Wasserkraftwerks „Pocem“ vorerst verbot, haben vergangenen Freitag die albanische...

Deutsche Welle nimmt Balkanluchse ins Visier

Der Balkanluchs gehört zu den seltensten Katzen der Erde. Um sein Aussterben zu verhindern, arbeiten Naturschützer unter anderem aus dem Kosovo und...

Ein Netzwerk für Meister Adebar

Vom 16.-20. Mai 2017 tagt im griechischen Poros die 14. Konferenz der Europäischen Storchendörfer ++ Auch Störche werden bei ihrem Zug über das...

Bewahren Sie mit uns das Blaue Herz Europas!

Kürzlich haben wir einen wichtigen Etappensieg errungen: Der albanische Verwaltungsgerichtshof hat den geplanten Bau des Wasserkraftwerks „Pocem“ an...

Motivsuche am Grünen Band Balkan

Neun Fotowettbewerbe – ein Ziel: Das schönste Bild des Grünen Bandes Balkan! Im Rahmen einer internationalen Fotowettbewerbsaktion laden neun...

Breites Votum für eine nachhaltige Landwirtschaft

In den vergangenen Wochen konnten Europas Bürger über die zukünftige Ausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU abstimmen. Weit über...

Illegale Tötung von Bären in Spanien nimmt wieder zu

Der Druck auf Spaniens Petze im Westteil des Kantabrischen Gebirges wächst weiter. Kürzlich wurden erneut zwei tote Bären in der Provinz Asturien...

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Zur Datenschutzerklärung