Waldzerstörung in Rumänien: Großangelegte Razzia der Anti-Mafia-Behörde angelaufen

Die Anti-Mafia-Staatsanwaltschaft in Bukarest geht endlich gegen die mafiösen Strukturen der rumänischen Holzindustrie vor. Bei einer Razzia wurden unter anderem Sägewerke durchsucht und mehrere Personen zur Befragung vorgeführt.

Dass der massive Holzeinschlag in rumänischen Schutzgebieten nicht mit rechten Dingen zugeht, ist offensichtlich. Nun reagieren die Behörden. © Matthias Schickhofer

Am frühen Morgen des 30. Mai 2018 begannen Beamte der rumänischen Behörde DIICOT (Direktion zur Bekämpfung des Organisierten Verbrechens und des Terrorismus) mit einer groß angelegten Ermittlungsaktion gegen illegale Praktiken in der rumänischen Holzindustrie. In der Pressemitteilung von DIICOT ist von einer „organisierten kriminellen Gruppe“ die Rede, spezialisiert auf Straftaten der Veruntreuung von öffentlichen Holzversteigerungen, Steuerhinterziehung, unlauterem Wettbewerb, Abholzungen und anderen Straftaten.

Es bestehe ein „begründeter Verdacht“, dass mehrere Personen seit 2011 eine organisierte kriminelle Gruppe bilden, deren Mitglieder die öffentlichen Holzversteigerungen missbrauchen, um erhebliche zusätzliche Mengen an Holz für die Verarbeitung in Sägewerken zu beschaffen. Viele Indizien sprechen dafür, dass ein Teil des verarbeiteten Holzes aus illegalen Einschlägen stammt. Der geschätzte Schaden beläuft sich laut DIICOT auf mehr als 25 Millionen Euro. Die Mitglieder der kriminellen Gruppe hätten auch von der Unterstützung einiger Beamter profitiert. Eine Reihe von Personen wurde zur Befragung in der DIICOT-Zentrale vorgeführt.

Etwa 20 Beamte erschienen am 30. Mai auch beim Werk von Holzindustrie Schweighofer in Sebes. Nach eigenen Angaben des österreichischen Unternehmens wurden unterschiedliche Räumlichkeiten von Holzindustrie Schweighofer in ganz Rumänien untersucht. Insgesamt wird offenbar gegen mehrere Unternehmen und Beamte ermittelt.

Das konzentrierte Einschreiten der Behörden wird in Rumänien bereits seit Jahren erwartet. Die aktuelle Aktion der Anti-Mafia-Behörde erfolgt im Anschluss an eine öffentlichkeitswirksame Fact Finding Mission des EU-Abgeordneten Thomas Waitz. Diese führte ihn in den von Abholzungen besonders betroffenen Domogled-Nationalpark. Zusätzlich fand eine Protestaktion von Aktivisten von Agent Green in dem Gebiet statt (sehen Sie hier das Video zur Aktion). Der Lokaltermin von Thomas Waitz und Vertretern von EuroNatur und Agent Green offenbarte dramatische Wald-Zerstörungen im Herzen des Nationalparks, unter anderem die Rodung uralter Buchenwälder, überdimensionierte und erosionsfördernde Forststraßen sowie Bodenverwüstungen durch Traktorwege in Steilhängen.

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