Wichtigster Zugvogelrastplatz an der Adria-Ostküste soll Bauland werden

Seit 1926 wurde die Saline Ulcinj zur Salzgewinnung genutzt. Dadurch blieb sie als Feuchtgebiet erhalten. Die meisten anderen Gebiete wurden trockengelegt und überbaut. © Martin Schneider-Jacoby

Saline Ulcinj soll am 16. Januar unter den Hammer kommen

Pressemitteilung vom 10. Januar 2012


Radolfzell. Seit dem 16. Dezember 2011 läuft der Count-down für den wichtigsten Zugvogel-Rastplatz an der Adria-Ostküste. Am 16. Januar 2012 soll die Saline von Ulcinj in Montenegro für mindestens 257,8 Millionen Euro verkauft werden. Damit droht dem global bedeutenden Feuchtgebiet das Aus.

„Ohne die Möglichkeit zur Rast in der Saline Ulcinj würden viele Zugvögel, vor allem Knäkenten, Sichelstrandläufer und Dünnschnabelbrachvögel ihren bis zu 5.000 Kilometer langen Flug von Eurasien nach Afrika nicht überleben. Es besteht derzeit die riesige Gefahr, dass dieses ökologische Kleinod skrupelloser Geschäftemacherei zum Opfer fällt“, sagt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der europaweit tätigen Naturschutzstiftung EuroNatur. Im Rahmen der Privatisierung des einstigen Staatsbetriebs im Jahr 2005 hat das Unternehmen Eurofond 75 Prozent des Salinenbetriebs für nur 800.000 Euro vom Staat Montenegro übernommen. Dazu zählt auch das 14,5 Millionen Quadratmeter große Salinengelände. Diese Fläche entspricht ungefähr 1.450 Fußballfeldern. Seither bestimmt Eurofond, der vom Geschäftsmann Veselin Barovi? kontrolliert wird, die Geschicke der Saline.

Dass statt mit Salz heute mit dem Verkauf des Geländes das große Geschäft gemacht werden kann, basiert auf skandalösen Änderungen der Vorlage des Raumplans von Montenegro (2005 – 2020) im Jahr 2007. Gefördert wurde die Erstellung des Dokuments durch die Bundesregierung. An der Ausarbeitung waren Experten der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) beteiligt. Ziel der ursprünglichen Version des Raumplans war es, Montenegro durch eine nachhaltige Entwicklung neue wirtschaftliche Perspektiven zu eröffnen. Doch die Version, die zur Abstimmung in das Parlament gelangte, unterschied sich deutlich von der Fassung, die kurz zuvor auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft und in einer öffentlichen Anhörung präsentiert worden war: erstens wurde die Ausweisung neuer Schutzgebiete gestrichen. Dieser Finte fiel auch die Ausweisung der Saline Ulcinj als Naturschutzgebiet zum Opfer. Zweitens wurde die Nutzung der Saline als Tourismusgebiet und drittens die Entwicklung neuer Übernachtungskapazitäten auf der Fläche der Saline vorgesehen. Damit wurde das global bedeutende Feuchtgebiet „Saline Ulcinj“ zum potentiellen Bauland und der finanzielle Spekulationswert der Firma erhöhte sich um ein Vielfaches.

„Als Beitrittskandidat für die Europäische Union kann es sich Montenegro nicht leisten, ein zukünftiges Natura 2000-Gebiet zum Bauland zu erklären. Noch immer stehen Hotels aus jugoslawischen Zeiten leer. Montenegro braucht nicht mehr Hotelbetten, sondern attraktive und gut geschützte Naturgebiete“, sagt EuroNatur-Projektleiter Dr. Martin Schneider-Jacoby. EuroNatur unterstützt die Petition der montenegrinischen Natur- und Umweltschutzverbände und fordert Premierminister Igor Lukši? dringend auf, die Änderungen im Raumplan zurückzunehmen. Die Saline muss als wichtige Attraktion für den Tourismus und als bedeutendster Zugvogellandeplatz des Landes unter Naturschutz gestellt werden.



Hintergrundinformationen:

  • Die Saline Ulcinj ist die größte Lagune Montenegros und wurde seit 1926 zur Salzgewinnung genutzt. Dadurch blieb sie als Feuchtgebiet erhalten, während die meisten anderen Gebiete trockengelegt und überbaut wurden. Die Saline Ulcinj ist auch bekannt als Firma Solana „Bajo Sekuli?“, „Solana Ulcinj“ oder „Ulcinj Salina“.



Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

EuroNatur

Konstanzer Str. 22

78315 Radolfzell

Tel.: 07732 - 92 72 10

Fax: 07732 - 92 72 22

E-Mail: info(at)euronatur.org

Internet: www.euronatur.org

Ansprechpartner: Dr. Martin Schneider-Jacoby

Pressekontakt: Katharina Grund

Zugvogel-Rastplatz an der Adria-Ostküste

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