Zusammenarbeit statt Abschottung

++ Naturschützer auf dem Balkan setzen Gegenpol zu nationalen Egoismen ++ Zweiter internationaler „Tag des Grünen Bandes Europa“ war ein voller Erfolg ++ Größte Veranstaltung im Teilabschnitt „Grünes Band Balkan“ fand in Serbien an der Donau statt ++

Bei den Feierlichkeiten zum Green Belt Day kamen der serbische Bürgermeister (links im Bild) und sein rumänischer Amtskollege ins Gespräch. © EuroNatur/ Christian Stielow
Die Donau bei Kladovo. Links des Flusses ist Serbien, rechts Rumänien zu sehen. © EuroNatur/ Christian Stielow
© Christian Stielow / EuroNatur

Kladovo (Serbien), Radolfzell. Naturschützer, Bürger und lokale Entscheidungsträger aus mehreren Ländern Südosteuropas haben am gestrigen Sonntag ein Zeichen für eine grenzübergreifende Zusammenarbeit zum Schutz des europäischen Naturerbes gesetzt. Entgegen dem aktuellen Trend der Abschottungspolitik feierten die Menschen der Region gemeinsam den „Tag des Grünen Bandes Europa“ (Green Belt Day) mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen.

Die größte Veranstaltung entlang des einstigen Eisernen Vorhangs fand im serbischen Kladovo statt. Die Kleinstadt liegt an einem besonders reizvollen Teil der Donau, direkt an der Grenze zu Rumänien. „Das Verhältnis der beiden Staaten war im Laufe der Geschichte nicht immer unproblematisch und auch heute noch ist die Zusammenarbeit zwischen Serbien und Rumänien eher die Ausnahme als die Regel. Dass es uns gelungen ist, Entscheidungsträger aus beiden Ländern für den grenzübergreifenden Naturschutz in dieser Region ins Boot zu holen, ist ein großer Erfolg“, betont Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der europaweit tätigen Naturschutzstiftung EuroNatur.

Nachdem die rumänische Delegation angereist und von den serbischen Vertretern mehrerer Grenzgemeinden herzlich willkommen geheißen wurde, begannen die Feierlichkeiten rund um das Kulturzentrum in Kladovo. Der Bürgermeister der serbischen Ortschaft Majdanpek, Srećko Nikolić, betonte den verbindenden Charakter des Grünen Bandes: „Der heutige Tag soll den Beginn einer inspirierenden Zusammenarbeit zwischen Serben und Rumänen am Grünen Band bilden. Ich sehe die Donau nicht mehr als Grenze zwischen beiden Ländern, sondern als eine Linie, die Gegensätze überbrückt.“

Dass insbesondere auch zahlreiche Jugendliche an der Veranstaltung teilnahmen, freute den Präsidenten des Bezirks Kladovo, Dragan Novaković. „Die vielen jungen Menschen, die heute hier zusammengekommen sind, geben mir Hoffnung, dass die Schönheit dieser Grenzregion auch in Zukunft erhalten bleibt.“ Präsentationen und Informationsstände boten die Gelegenheit, sich ausführlich über die Naturschutzarbeit in der Region zu informieren. Kulturelle Veranstaltungen sowie kulinarische Angebote mit Produkten aus der Region rundeten das vielseitige Programm ab.

Gemeinsam mit ihren Partnern setzt sich EuroNatur seit über 25 Jahren entlang des Grünen Bandes Balkan dafür ein, grenzüberschreitende Schutzgebiete vorzubereiten, zu etablieren und diese miteinander zu vernetzen. In den länderübergreifenden Projekten bringt die Stiftung Naturschützer und andere Interessengruppen aus ehemals verfeindeten Staaten zusammen, um gemeinsam Maßnahmen für den Schutz der Natur zu entwickeln und umzusetzen. Der Green Belt Day, der in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfand, soll dazu beitragen, die bislang erzielten Erfolge zu festigen und die lokale Bevölkerung für die Naturschätze vor ihrer Haustür zu begeistern.

 

Hintergrundinformationen:

Das „Grüne Band Europa“: Über 12.500 Kilometer erstreckt sich das „Grüne Band Europa“ als Korridor von Lebensräumen mit außergewöhnlicher Artenvielfalt entlang der ehemaligen Grenze zwischen Ost und West von der Barentssee bis zum Schwarzen und Adriatischen Meer. Die derzeit ambitionierteste Naturschutzinitiative Europas hat sich vorgenommen, diese Lebensräume im Bereich des früheren Eisernen Vorhang als eine Linie des Lebens zu bewahren und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Grünen Infrastruktur unseres Kontinents. Am Grünen Band reihen sich urige Wälder und Sümpfe, artenreiche Kulturlandschaften sowie wilde Gebirgs- und Flusslandschaften aneinander, wie sie in Europa sonst kaum noch zu finden sind. Es verbindet acht biogeographische Regionen und 24 Staaten miteinander und erstreckt sich in vier Abschnitten über den Kontinent. Das „Grüne Band Balkan“ ist der südlichste Abschnitt.

„Tag des Grünen Bandes Europa“ (Green Belt Day): Mit dem am 24.09.2017 zum zweiten Mal ver-anstalteten Green Belt Day feierte die Initiative das dreijährige Bestehen des Vereins „European Green Belt Association“. Dieser wurde im September 2014 von 23 Regierungs- und Nichtregierungs-organisationen aus 14 Ländern gegründet. Erstmals gibt es seither eine offizielle Organisationsform, welche die Initiative Grünes Band Europa repräsentiert. Mit dem BUND als Stellvertreter hat EuroNatur den Vereinsvorsitz übernommen.

 

Rückfragen:
Katharina Grund (Pressekontakt), Mail: katharina.grund(at)euronatur.org, Tel.: +49 (0)7732-927210 

Sie wollen helfen?

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Mit Ihrer Spende leisten Sie einen wirkungsvollen Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

Aktuelles

Erneuter Sieg für die „tapferen Frauen von Kruščica“

++ Frauen blockieren seit über einem Jahr eine Brücke in Bosnien-Herzegowina, um ihren Fluss zu schützen ++ Erneuter Versuch des Investors, die...

Illegale Bauarbeiten im Valbona-Nationalpark gehen weiter

Juristische Farce in Albanien: Unterschiedliche Gerichte heben gegenseitig ihre Entscheidungen im Fall des geplanten Kraftwerks Dragobia auf....

Slowenischer Teilabschnitt der Mur wird UNESCO-Biosphärenreservat

Erfreuliche Neuigkeit für Mitteleuropas größte Flusslandschaft: Die UNESCO hat 29.000 Hektar Auenlandschaft der slowenischen Mur als...

Auswilderung von Mönchsgeiern in Bulgarien

Drei junge Mönchsgeier sollen in die Freiheit entlassen werden. Im östlichen Balkangebirge bereiten derzeit unsere Partner von Green Balkans und vom...

Fotosafari durch die Natur

Seehunde beim Sonnenbad, Kampfläufer in Duellierlaune und eine zarte Annäherung zwischen Bläulingen: 892 Naturbegeisterte haben sich für den...

Schutzmaßnahmen wirken: Wolfszahlen in Westpolen entwickeln sich weiter positiv

Die Zahl der Wolfsrudel im westlichen Polen und nahe der Grenze zu Deutschland ist im Vergleich zum vergangenen Jahr weiter angestiegen.

Auszeichnung für einen Fluss-Schützer aus Leidenschaft

++ EuroNatur-Preis 2018 geht an Roberto Epple ++ Gründungspräsident des European Rivers Network engagiert sich seit Jahrzehnten für naturnahe Flüsse...

Blue Heart im Europaparlament

Filmvorführung im Brüsseler EU-Parlament: Am Mittwoch, den 27. Juni wurde die Dokumentation „Blue Heart“ gezeigt. Bei der anschließenden Debatte...

Vier Jahre erfolgreicher Storchenschutz

Zahlreiche Erfolge für Europas Weißstörche wurden im Projekt zum Erhalt von Feuchtwiesen und -weiden erreicht. Das über die letzten vier Jahre...

Über 120.000 Stimmen gegen Wasserkraft

++ Petition gegen die Finanzierung von Staudammprojekten auf dem Balkan von mehr als 120.000 Menschen unterschrieben ++ Gestern erfolgte Übergabe der...

Baustopp für Kraftwerk an der Valbona

Hoffnungsvolle Nachricht für die albanische Valbona: Die Bauarbeiten am Wasserkraftwerk Dragobia im Valbona-Nationalpark müssen laut Urteil des...

Wildfluss Vjosa in Albanien erhielt hohen Besuch

Vertreter der Berner Konvention haben die Vjosa besucht und sich vor Ort ein Bild davon gemacht, inwiefern die Wasserkraftpläne die Ziele der Berner...

Historische Annäherung zwischen Mazedonien und Griechenland

Der Namensstreit um Mazedonien könnte schon bald der Vergangenheit angehören.

Die „Tapferen Frauen von Kruščica“ erringen Sieg gegen den Bau eines Wasserkraftwerks

Frauen blockieren seit über 300 Tagen Baustelle in Bosnien-Herzegowina - Gericht hebt Baugenehmigung auf

Erneuter Wortbruch der montenegrinischen Regierung im Fall Saline Ulcinj

++ Naturschutzorganisationen starten internationale Petition ++ Gefordert wird der sofortige Schutz der Saline Ulcinj in Montenegro ++ Wiederaufnahme...

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Zur Datenschutzerklärung