Bastardindigo: Ein Neophyt auf dem Vormarsch

Um eingeschleppte Pflanzenarten im Rahmen des Sava TIES-Projekts wirksam bekämpfen zu können, braucht es valides Wissen. In diesem Beitrag geht es um Amorpha fruticosa, besser bekannt als Bastardindigo.

Bastardindigo am Flussufer © Luka Baskrek
Der Amorpha-Honig hat sich zu einer kulinarischen Spezialität der Region entwickelt. © Hartmut Ern

Amorpha fruticosa, die zur Familie der Erbsenpflanzen gehört, wurde Anfang des 18. Jahrhunderts aus Nordamerika als Gartenstrauch in Europa eingeführt. Der Grund war die tiefviolette Färbung der Blütenblätter, die einen lebhaften Kontrast zu den leuchtend gelben Pollensäcken bildet, wenn die Pflanze in voller Blüte steht. Die europäischen Siedler in der Neuen Welt haben mit den Blüten von Amorpha fruticosa als blauen Farbstoff experimentiert. Offensichtlich hat sie das Ergebnis nicht überzeugt, deshalb nannten sie den Busch Bastardindigo.

Seit fast 300 Jahren ist selbiger nun eine beliebte Gartenpflanze. Seinen Siegeszug in freier Wildbahn trat der Bastardindigo in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts an. Eisenbahningenieure pflanzten ihn bevorzugt an den Ufern von Bahndämmen an, die im sumpfigen Gelände gebaut werden sollten, so auch an der Save. Die Idee dahinter war, die losen Böden der neuen Eisenbahndämme schnell zu festigen. Doch genau hier zeigte der Bastardindigo seine extreme Invsasivität.

Sehr schnell fanden die winzigen Schoten mit den kleinen Samen im Inneren in Hülle und Fülle ihren Weg zu anderen Orten mit angegriffenen Bodenprofilen und intensiver Sonneneinstrahlung. Entlang neu gebauter Straßen und Waldwege begann der Bastardindigo, heckenartiges Dickicht zu bilden und breitete sich von dort in weitere Gebiete aus, in denen die moderne Forstwirtschaft große Schneisen haute. Lange bevor der natürliche Eichenwald wieder nachwachsen konnte, bedeckte der Bastardindigo die Lichtungen. Die Wiederaufforstung mit den natürlichen Steineichen und Hainbuchen gestaltete sich dadurch kompliziert und teuer.

Die invasive Pflanze zeigt aber nicht nur negative Seiten für seine Umwelt. Die Menschen der Region erkannten, welch aromatischen Honig ihre Blüten abgeben. Seit mehr als zehn Jahren werden im Frühsommer große Lastwagen mit jeweils mehr als 100 Bienenstöcken zu den Amorpha-Dickichten im gesamten Gebiet von Lonjsko Polje, Mokro Polje und Sunjsko Polje gebracht. Der Amorpha-Honig hat sich zu einer echten Delikatesse und kulinarischen Spezialität der Region entwickelt. Hinzu kommt, dass das dichte Dickicht, das der Bastardindigo bildet, eine sichere Brutstätte für zahlreiche Vogelarten wie Turteltaube und Neuntöter darstellt. Die Balance zwischen gefährlichen und nützlichen Eigenschaften dieser invasiven Pflanzenart ist also nicht leicht zu definieren.

 

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