Vogelschützer kämpfen für eine sichere Adria-Zugroute

++ Der Vogelzug ist in vollem Gange ++ Etliche Vögel fallen auf dem Balkan Wilderern zum Opfer ++ 3. Adriatic Flyway-Konferenz tagt in Serbien ++

In großen Schwärmen ziehen Wat- und Wasservögel auf dem Adria-Zugweg über das Mittelmeer (im Bild: Alpenstrandläufer). © Peter Sackl/Joanneum
An den Stränden oder versteckt im Schilf lauern die Wilderer, wie hier in Montenegro. © Martin Schneider-Jacoby/EuroNatur
Mit Attrappen versuchen die Vogeljäger die von der Reise erschöpften Tiere anzulocken. © Mihailo Jovicević

Radolfzell, Fruška Gora. Die Bestände vieler Zugvogelarten, vor allem von Enten und Gänsen, gehen auf dem Balkan immer weiter zurück und dies, obwohl sich ihre Vorkommen in anderen Teilen Europas tendenziell erholen. Die Teilnehmer der dritten Adriatic Flyway-Konferenz, die seit Montag, 19. März im serbischen Nationalpark Fruška Gora stattfindet, diskutieren die wesentlichen Gründe für den weiteren, teilweise dramatischen Rückgang.

Trotz des jahrelangen Engagements der Naturschutzstiftung EuroNatur und vielen Erfolgen fallen noch immer Zehntausende Zugvögel Schrotkugeln zum Opfer. Der Adria-Zugweg ist und bleibt ein Spießrutenlauf für die Ausdauerflieger. „Es ist besorgniserregend, wie stark die Zugvogelbestände auf dem Balkan abnehmen. Wir gehen davon aus, dass illegale Tötungen, der widerrechtliche Handel mit Vögeln, die nicht nachhaltige Jagd sowie die Zerstörung von Lebensräumen entlang des Adriatic Flyway die wichtigsten Ursachen sind. Wir fordern die zuständigen Behörden auf, die strafrechtliche Verfolgung zu verbessern“, sagte Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer von EuroNatur, bei seiner Eröffnungsrede am vergangenen Dienstag.

Neben der Wilderei ist der Schutz von Lebensräumen auf der Adria-Zugroute ein wichtiges Thema der Konferenz, die von EuroNatur und ihrer serbischen Partnerorganisation BPSSS organisiert wird. „In den vergangenen Jahren wurden etliche Küstenabschnitte, oftmals illegal, zubetoniert und gleichzeitig wurden im Hinterland naturnahe Feuchtwiesen und Moore in lebensfeindliche Agrarwüsten umgewandelt. Zahlreiche wertvolle Rastgebiete sind schon verloren gegangen. Die Politik muss endlich entschieden gegen die Naturzerstörung vorgehen“, fordert Dr. Stefan Ferger, EuroNatur-Projektleiter.  Besonders gefährdet sind derzeit die Saline Ulcinj in Montenegro sowie der Karavasta-Nationalpark  und das Vjosa-Narta-Ökosystem in Albanien.   

Hintergrundinformationen:
Adria-Zugweg: Die Wasservögel Mittel-, Nord- und Osteuropas konzentrieren sich besonders auf den sogenannten Adriatic Flyway, der quer über den Balkan, die Adria und Süditalien bis nach Nordafrika führt. Einen Kurzfilm zum Vogelzug über die östliche Adria finden Sie hier.
• Die Adriatic Flyway-Konferenzen bieten ein wichtiges Forum für Vogelschützer aus ganz Europa, um sich auszutauschen und gemeinsame Projekte zu entwickeln. Hier finden Sie Informationen zur ersten (2009) und zweiten (2014) Konferenz.
• Mehr zum Thema Vogeljagd auf dem Balkan.
• Eine gemeinsame Resolution aller 73 Teilnehmer wurde am gestrigen Abend (Donnerstag, 22. März 2018) verabschiedet. Das Papier finden Sie hier.

Rückfragen: Christian Stielow, E-Mail: christian.stielow(at)euronatur.org, Tel.: +49 (0)7732 - 92 72 15

Unser Info-Service für Sie

Presseabo
Wählen Sie aus, zu welchem Ihrer Interessensgebiete Sie unsere Pressemitteilungen erhalten wollen.

Zum Presseabo

RSS-Feeds
Um alle Meldungen zu Ihren Wunsch-Themen zu erhalten, können Sie unsere RSS-Feeds abonnieren.

Zur Liste der RSS-Feeds

Erfahren Sie mehr über unsere Themen

Braunbär

Ein Raubtier mit der Vorliebe für Süßes, beliebte Vorlage für Kuscheltiere und als blutrünstige Bestie verfemt und verfolgt: der Braunbär vereint viele Gegensätze.

Luchs

Scheu, geschickt, geschmeidig und einzelgängerisch ist der Luchs. Damit er in Europa überleben und sich wieder ungestört ausbreiten kann, bedarf es intensiver Schutzmaßnahmen.

Wolf

Als geschickter und ausdauernder Jäger bewundert, aber auch als blutrünstiger Isegrim verrufen und verfolgt: Das Verhältnis der Menschen zum Wolf ist sehr gespalten.

Zugvögel

Immer dort sein, wo sich gerade die besten Lebensbedingungen bieten: Wer Flügel hat, kann sich diesen Luxus leisten.

Grünes Band

Über 12.500 Kilometer erstreckt sich das Grüne Band als Korridor von Lebensräumen mit außergewöhnlicher Artenvielfalt entlang des einstigen Eisernen Vorhangs vom hohen Norden Europas bis zum Schwarzen Meer im Süden.

Urwaldschutz in Rumänien

Urwälder: Auch in Europa gibt es sie noch. Vor allem in den rumänischen Karpaten haben große Flächen ursprünglicher Waldgebiete überlebt – ein globales Naturerbe von unschätzbarem ökologischem Wert.

Flüsse in Europa

Wo in Deutschland gibt es noch ursprüngliche, wilde Flüsse? Sie sind mit der Lupe zu suchen. Auf dem Balkan hingegen finden sich solche Paradiese bis heute in großem Ausmaß.

EuroNatur-Preis

Ehren-Auszeichnung für Natur- und Umweltschutz seit 1992

Wettbewerb Naturfotografie

Jährlicher Fotowettbewerb "Naturschätze Europas" - international und gebührenfrei. Machen Sie mit!

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Zur Datenschutzerklärung