Wissenschaftswoche an den Zuflüssen der Vjosa

++ 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Österreich, Albanien, Italien und Deutschland untersuchen eine Woche lang die beiden größten Nebenflüsse der albanischen Vjosa ++ Die Daten sollen dabei helfen, Wasserkraftprojekte vor albanischen Gerichten zu stoppen ++

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Mag. Michaela Brojer aus dem Naturkundemuseum in Wien in Aktion. Sie ist eine von 30 Wissenschaftlerinnen, die die Biodiversität der Vjosa-Zuflüsse untersuchen.

© Nick St. Oegger
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Professor Gabriel Singer (Universität Innsbruck) bei der Probenahme an der Shushica, einem Zufluss der Vjosa. Die gesammelten Daten sollen einen Beitrag leisten, um das gesamte Vjosa-Einzugsgebiet unter Schutz zu stellen.

© Nick St. Oegger
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Ein malerischer Ausschnitt der Bënça. Dieser Zufluss der Vjosa ist durch 8 Wasserkraft-Projekte bedroht.

© Nick St. Oegger

Tepelena/Brataj (Albanien), Wien, Radolfzell. Vom 29. Mai bis 6. Juni hält sich eine Delegation von Wissenschaftlerinnen und Forschern aus Österreich, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Albanien, Italien und Deutschland, an den beiden Haupt-Zuflüssen der Vjosa, Shushica und Bënça auf, um interdisziplinäre Daten zu erheben. Diese Forschungswoche ist die Fortsetzung eines ähnlichen Unterfangens im Jahr 2017 an der Vjosa selbst. Dies hat schlussendlich dazu beigetragen, den ökologischen Wert der Vjosa wissenschaftlich zu belegen, Wasserkraftprojekte abzuwehren und den Fluss als Schutzgebiet zu designieren.

In der diesjährigen Forschungswoche, die wiederum von den leitenden Forschern Prof. Fritz Schiemer (Universität Wien) und Prof. Aleko Miho (Universität Tirana) organisiert wird, verfolgen die Wissenschaftlerinnen ein ähnliches Ziel. Denn während die Staudammgefahr für die Vjosa fürs Erste abgewendet werden konnte, sind ihre Nebenflüsse weiterhin bedroht. An der Shushica sind fünf Wasserkraftwerke geplant, an der Bënça nicht weniger als acht. Die Wissenschaftler erklären, dass für den Schutz der Vjosa auch die Unterschutzstellung ihrer Zuflüsse essentiell ist, denn die Einzigartigkeit des Vjosa-Flussökosystems gründet auf der Unversehrtheit des gesamten Einzugsgebiets. „Wenn man die Nebenflüsse zerstört, wird das unvermeidbar auch die Vjosa zerstören – so wie ein Baum schließlich stirbt, wenn man ihm alle Wurzeln abschneidet“, betont Fritz Schiemer.

Um den Wert dieser malerischen Nebenflüsse aufzuzeigen, ist interdisziplinäre Expertise vonnöten. So braucht es 30 Expertinnen und Experten mit verschiedenen Schwerpunkten, um einen umfassenden Einblick zu gewinnen, u.a. Hydromorphologen, Botanikerinnen und Ichthyologen. Die Wissenschaftlerinnen scheuten keine Mühen, um an dieser Forschungswoche teilzunehmen und zum Schutz dieses herausragenden Ökosystems beizutragen. „Einmal mehr bieten wir der neugewählten Regierung Albaniens unsere Unterstützung an, dieses einzigartige Flusssystem zu schützen und Europas ersten Wildflussnationalpark zu errichten“, bekräftigt Prof. Aleko Miho.

„Derzeit sind die Wasserkraftprojekte an der Shushica die unmittelbarste Bedrohung. Zusammen mit den Menschen, die entlang der Flüsse leben, und mit NGOs sind wir entschlossen, diese Projekte zu stoppen. Für diesen Kampf werden die gesammelten Daten entscheidend sein“, sagt Dorian Matlija, Rechtsanwalt bei der Organisation Res Publica.

„Die Landschaft an der Vjosa und ihren Zuflüssen ist überwältigend. Besonders beeindruckend ist, wie die Bevölkerung mit dem Fluss lebt. Die Wissenschaftler bestätigen nun, was die Menschen schon lange intuitiv wissen: wie wertvoll dieses Ökosystem ist“, ergänzt Tara Sukic, Projektleiterin für Fließgewässerschutz bei EuroNatur.


HIntergrundinformationen:

  • Die Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ hat den Schutz der wertvollsten Flüsse auf dem Balkan zum Ziel, und der Schutz der Vjosa hat hierbei Top-Priorität. Die Kampagne wird von den NGOs Riverwatch und EuroNatur koordiniert und gemeinsam mit Partnerorganisationen aus den Balkanländern durchgeführt. Der Partnerorganisation in Albanien ist EcoAlbania.
  • Die Vjosa ist der letzte große Wildfluss Europas außerhalb Russlands. Ungestört und völlig unverbaut fließt sie über fast 270 Kilometer vom Pindosgebirge bis in die Adria. Die Shushica, die Bënça und all die anderen frei fließenden Nebenflüsse sollen Teil des Vjosa-Nationalparks werden – eine Vision, für die sich die Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ einsetzt – und dafür müssen sie frei von Dämmen bleiben. Wenn auch nur ein Damm gebaut wird, kann der betroffene Fluss nicht mehr in den Nationalpark einbezogen werden. Das würde den lokalen Gemeinden auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten für Ökotourismus rauben.
  • Die Wissenschaftler haben im Vjosa Forschungszentrum in Tepelena eine Pressekonferenz abgehalten. Hier geht es zur Aufnahme.
  • Die Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ wird unter anderem von der Manfred-Hermsen-Stiftung unterstützt.


Rückfragen:
Prof. Fritz Schiemer – Universität Wien, friedrich.schiemer@univie.ac.at, 0043/69910188845
Prof. Aleko Miho – University of Tirana, aleko.miho@fshn.edu.al, 0035/682707208
Dorian Matlija – ResPublica dorian.matlija@gmail.com 0035/699408875
Besjana Guri – EcoAlbania b.guri@ecoalbania.org 0035/692954214
Anja Arning – EuroNatur, anja.arning(at)euronatur.org, 0049/7732927213
Cornelia Wieser – Riverwatch, cornelia.wieser@riverwatch.eu, 0043/6504544784

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