EuroNatur-Jahresrückblick

Was uns im vergangenen Jahr bewegt hat

Langjährige Projektgebiete genießen nun höchsten Schutzstatus, in Bulgarien gab es seit über 60 Jahren zum ersten Mal wieder seltenen Vogelnachwuchs und unsere politische Einflussarbeit in Brüssel konnten wir mit der Eröffnung eines Büros vor Ort auf ein neues Niveau heben. Auch 2021 konnten wir viel für Europas Natur erreichen, obgleich die Corona-Pandemie unsere Arbeit auch im zurückliegenden Jahr beeinflusst hat. Doch mittlerweile haben wir uns an Videoformate und Zoom-Konferenzen gewöhnt – aber hoffen dennoch, dass 2022 wieder mehr Normalität einkehrt. Wir wünschen Ihnen eine interessante Rückschau und einen guten Rutsch ins Neue Jahr. Unterstützen Sie uns mit Ihren Möglichkeiten bitte auch 2022 bei unserer Arbeit zum Schutz des europäischen Naturerbes.


Hoffnung für die Saline Ulcinj

Flamingo vor Abflug

Vielleicht gibt es bald wieder rosige Zeiten für die Flamingos in der Saline Ulcinj.

© Adrian Perovic

Noch im alten Jahr gab es hoffnungsvolle Nachrichten aus Montenegro. Im Dezember 2020 trat die neu gewählte Regierung ihr Amt an. Im Wahlkampf hatte sie versprochen, Maßnahmen zu treffen, die die Saline Ulcinj effektiv schützen werden. Montenegros neuer Premierminister Krivokapić hielt sein Wort: Mit der Einsetzung des erfahrenen Naturschützers (und EuroNatur-Preisträgers von 2011) Goran Gugic zum Leiter des Naturparks besteht Hoffnung für den Salzgarten an der Adria.

Unsere Meldung anlässlich des Weltfeuchtgebietstages 2021


EuroNatur eröffnet Dependance in Brüssel

Aktivisten mit Plakaten gegen Waldzerstörung

Zukünftig setzen wir auf noch mehr Präsenz in Brüssel.

© Matthias Schickhofer

Viele umweltpolitische Entscheidungen, die Auswirkungen auf alle Staaten der EU haben, werden mittlerweile in Brüssel getroffen. Um noch näher dran zu sein an den politischen Entscheidungsträgern, haben wir uns entschieden, im neuen Jahr eine Zweigstelle von EuroNatur in Brüssel zu gründen. Mit Bruna Campos und Thomas Freisinger konnten wir Experten gewinnen, die bereits nach wenigen Monaten wichtige Impulse in Brüssel gesetzt haben.

Hier erfahren Sie mehr


Weltweite Forderung nach Nationalpark an der Vjosa

Banner vor Brandenburger Tor

Auch in Berlin war unsere Forderung nach einem Vjosa-Nationalpark deutlich sichtbar.

© Paul Buske

Metergroße Buchstaben verkündeten Anfang März in mehreren europäischen Hauptstädten eine klare Botschaft: VJOSA NATIONAL PARK NOW. Mit der Aktion wollten wir unserer Forderung nach einer strengen Unterschutzstellung der albanischen Vjosa visuell Ausdruck verleihen – insbesondere vor dem Hintergrund der Parlamentswahlen in Albanien am 25. April. Die Botschaft kam an: Die Vjosa wurde zum Wahlkampfthema und Albaniens alter und neuer Premierminister Edi Rama versprach ihre Unterschutzstellung. Derweil ist die Botschaft quer über die Welt gereist.

Begeben Sie sich auf Weltreise


EU-Gelder für Naturzerstörung

gerodete Waldfläche

EU-Gelder für Fällungen: eine reale Gefahr!

© Ģirts Strazdiņš

Als Reaktion auf die Covid-19-Pandemie hat die Europäische Kommission den Mitgliedsstaaten der EU einen hohen Milliardenbetrag zur Verfügung gestellt, um sich wirtschaftlich von der Krise zu erholen. Diese nationalen Konjunktur- und Resilienzpläne sollen jedoch in nicht wenigen Staaten dazu genutzt werden, naturzerstörerische Infrastrukturprojekte durchzusetzen – mit EU-Geldern, trotz Green Deal. EuroNatur hat gemeinsam mit Bankwatch die Pläne akribisch studiert und die Kommission auf Missstände hingewiesen.

Lesen Sie hier mehr über einen weiteren naturschutzpolitischen Meilenstein 2021


Wissenschaftlerwoche in Albanien

Wissenschaftlerin erforscht Flussfauna

Akribisch wurden die Nebenflüsse der Vjosa untersucht.

© Nick St. Oegger

Vom 29. Mai bis 6. Juni hat eine internationale Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Forschern die beiden größten Nebenflüsse der albanischen Vjosa untersucht. An Shushica und Bënça sammelten die 30 Experten aus verschiedenen Disziplinen Belege für die hohe Schutzwürdigkeit der beiden Wildflüsse und bewiesen: Es genügt nicht, nur die Vjosa als Nationalpark auszuweisen; das gesamte Einzugsgebiet der „Königin der Balkanflüsse“ muss unter Schutz gestellt werden.

Gewinnen Sie einen Eindruck der Wissenschaftlerwoche im Video


Shar-Gebirge wird Nationalpark

Wald vor Bergkulisse

Eine der letzten wilden Gebirgslandschaften Europas steht endlich grenzübergreifend unter Schutz.

© Sandra Wigger/EuroNatur

Ein langer Atem zahlt sich aus: Rund 15 Jahre haben EuroNatur und ihre Partnerorganisationen für die Ausweisung des Shar-Gebirges als Nationalpark gefochten. Am 30. Juni 2021 beschloss das Parlament in Skopje, den nordmazedonischen Teil des Shar-Gebirges unter Schutz zu stellen. Es liegt zwar noch Arbeit vor uns und unseren Partnern, um sicherzustellen, dass die Management-Pläne auch wirklich einen effektiven Schutz des Gebiets garantieren. Doch die raue und in weiten Teilen noch unberührte Gebirgswelt von Shar Planina scheint grenzübergreifend gesichert.

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Geier-Nachwuchs in Bulgarien

Geierschützer mit beringtem Geierjungen

Geierschützer Hristo Peshev mit dem soeben beringten Mitchiev-Boev.

© Hristo Peshev/FWFF

Eine Nachricht, die uns alle überrascht hat: Im Frühjahr 2021 kündigte sich Nachwuchs bei den ausgewilderten Mönchsgeiern im bulgarischen Balkangebirge an. Eigentlich war das Geierpaar noch zu jung für ein Küken, doch die Vogelschützer vor Ort wurden eines Besseren belehrt. Im April erblickte Mitchiev-Boev das Licht der Welt – nach über 60 Jahren der erste Mönchsgeiernachwuchs im Balkan-Gebirge. Einige Wochen später wurde das Junge vermessen und besendert. Im Oktober hatte Mitchiev-Boev dann seinen Jungfernflug. 

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Fotowettbewerb: Augenschmaus in zwölf Gängen

Zwei Deutsche Wespen vor ihrer Baumhöhle

Wie schön auch die Natur vor unserer Haustür sein kann, beweist das Foto dieser beiden Wespen. Der Jury war dieses Bild den 10. Preis wert.

© John Cobham

Ein Schwarzspecht beim Frühjahrsputz, eine Waldmaus, die im Herbst fleißig Vorräte sammelt und zwei Drosseln, die sich in schneebedeckter Landschaft um Fallobst zanken: Großartige Naturaufnahmen lassen sich zu jeder Jahreszeit machen. In diesem Jahr haben Profi- und Hobbyfotografen aus 53 Ländern rund 4.200 Bilder für unseren Fotowettbewerb „Naturschätze Europas“ eingeschickt – Einsenderekord! Im Juli war es dann soweit: Eine vierköpfige Jury hat die zwölf besten Aufnahmen ausgewählt.

Werfen Sie einen Blick auf die Siegerbilder 2021


Mönchsrobbe Kostas getötet

Mönchsrobbe mit Speer im Leib

Die vielleicht traurigste Nachricht des zurückliegenden Jahres: die Tötung von Kostas.

© E. Tounta/MOm

Am 24. Juli 2021 wurde die weithin bekannte Mönchsrobbe Kostas in der Nähe der griechischen Insel Alonnisos tot aufgefunden. Ein 1,30 Meter langer Speer durchbohrte das Tier, das 2018/19 im Reha-Zentrum unserer griechischen Partnerorganisation MOm liebevoll aufgepäppelt wurde. Kurze Zeit nach der Tötung von Kostas begab sich EuroNatur-Mitarbeiter Thomas Freisinger nach Alonnisos und recherchierte vor Ort.

Lesen Sie hier mehr zum Kriminalfall


Fledermausquartier langfristig gesichert

Fledermausquartier Ostquell-Brauerei Frankfurt an der Oder.
© Horst Drewing

Im September wurden die Bauarbeiten an der ehemaligen Ostquellbrauerei in Frankfurt/Oder erfolgreich abgeschlossen. Die „Alte Brauerei“, die seit 2003 im Besitz von EuroNatur ist, war bautechnisch in einem schlechten Zustand. 2018 begannen die Instandsetzungsmaßnahmen, die nur in den Sommermonaten durchgeführt werden konnten, um die Winterruhe der Fledermäuse nicht zu stören. Damit bleibt eines der wichtigsten Überwinterungsquartiere im Osten Deutschlands für die Zukunft erhalten.

Wie sich EuroNatur für Fledermäuse engagiert


EuroNatur-Preis für Mahnende des Artensterbens

EuroNatur-PreisträgerInnen mit Urkunden

Auch dieses Jahr wieder eine festliche Veranstaltung: die Verleihung des EuroNatur-Preises im Weißen Saal des Schlosses Mainau.

© Gerald Jarausch

Am 14. Oktober erhielten die mehr als 1.000 Forschenden des IPBES den EuroNatur-Preis 2021 für ihren unermüdlichen Einsatz, den Verlust der Biodiversität zu benennen und der Politik Handlungsoptionen aufzuzeigen. Stellvertretend nahmen die Meeresökologin Dr. Yunne-Jai Shin (Frankreich), die Umweltökonomin Dr. Eszter Kelemen (Ungarn) sowie der Allgäuer Umweltforscher und Agrarbiologe Prof. Josef Settele die Auszeichnung für den Weltbiodiversitätsrat entgegen.

Schauen Sie sich die bewegenden Momente der Preisverleihung hier an


Relaunch unserer Webseite

Screenshot Unsere Themen

Unsere Themenübersicht nun im zeitgemäßen Kachelmenü.

Es war eine Arbeit, die hinter den Kulissen stattfand, deren Ergebnis sich aber sehen lassen kann: Wir haben auf unserer Webseite kleine, aber feine Änderungen vorgenommen. Unsere Menüstruktur ist deutlich aufgeräumter, wir haben uns von einigen veralteten Inhalten getrennt und manches optische Schmankerl eingebaut. Im November sind wir mit unserer überarbeiteten Seite online gegangen. Schauen Sie sich gerne um!

Viel Spaß beim Entdecken

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