Platz da, hier kommt Ostrava!

© Hristo Peshev
© Hristo Peshev

Viel Geduld war gefragt, bis mir dieses Foto von der Mönchsgeierdame Ostrava gelungen ist. Lange verharrte ich in meinem winzigen Ausguck, in dem ich mich kaum bewegen konnte, meine Beine schliefen irgendwann ein. Doch ich wollte unbedingt ein Foto von Ostrava schießen! Das Warten hat sich schließlich gelohnt.

Die Vorgeschichte zum Foto begann im Juli 2018, als meine Kollegen und ich in der Gegend um Kotel die drei jungen Mönchsgeier Boyan, Riga und Ostrava ausgewildert hatten. Ich wollte die drei Geier später im Jahr fotografieren, sobald sie mit ihren Erkundungsflügen in der Region begannen. Die GPS-Sender von Boyan und Riga verrieten, dass sie sich bereits früher als geplant auf Entdeckungstour außerhalb des Gebiets machten; nur Ostrava verharrte noch in den Bergen um Kotel. Schnell reiste ich aus dem Südwesten Bulgariens quer durchs Land, um wenigstens einen der Geier zu fotografieren.

Als ich Mitte Oktober in Kotel ankam, baute ich noch am selben Abend meinen tragbaren Beobachtungsstand auf. Ich suchte mir dafür ein Plätzchen nahe der Fütterungsstelle aus. Die Wettervorhersage für die kommenden Tage sah nicht gut aus; wenn ich brauchbare Fotos machen wollte, musste es am kommenden Tag klappen. Ich stand also früh auf und wartete auf Ostrava. Zunächst kamen zwei Schakale, wenig später ein Dutzend Gänsegeier – von Ostrava jedoch keine Spur. Als auch noch zwei streunende Hunde auftauchten und die Reste des Kadavers fortschleppten, gab ich meine Hoffnung bereits auf. Kurz darauf informierten mich allerdings meine Kollegen darüber, dass sie noch ein weiteres totes Schaf hätten. Ich bat sie, den Kadaver vor meinem Versteck abzulegen und übte mich weiter in Geduld.

Gegen 14 Uhr landeten erneut etwa vierzig Gänsegeier am Kadaver und weideten ihn aus. Und dann, etwas später, zeigte sich endlich auch Ostrava. Zunächst hielt sich die junge Mönchsgeierdame noch etwas abseits der entfernten Geierverwandschaft, aber bald legte sie alle Zurückhaltung ab, spielte ihre Dominanz aus und begann zu fressen. Wenn ich mir das Bild heute mit etwas Abstand anschaue, macht es mich traurig, schließlich ist es eines der letzten Fotos von Ostrava, ehe sie im Februar 2019 vergiftet wurde.

© Hristo Peshev (privat)
© Hristo Peshev (privat)

Hristo Peshev beschäftigt sich mit der Vogelwelt und der Fotografie seit er denken kann. Angefangen hat alles mit einer russischen Smena 8-Kamera. Nachdem Hristo Ökologie studiert hatte, begann er seine Tätigkeit im Greifvogelschutz. Zunächst bewachte er Adlerhorste, später haben es ihm die Geier seiner bulgarischen Heimat angetan. Seine Arbeit bei FWFF ist vielseitig und reicht vom Auslegen der Kadaver bis zu verschiedenen Aufgaben in der Öffentlichkeitsarbeit der Naturschutzorganisation.

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