30 Jahre EuroNatur - Drei Fragen an Geschäftsführer Gabriel Schwaderer

© Kerstin Sauer
© Kerstin Sauer

Was hat sich für die Naturschutzarbeit in Europa innerhalb der letzten 30 Jahre verändert?

Mitte der 1980er Jahre war die Idee eines vereinigten Europas eine Vision mit sehr positiver Ausstrahlung. Die Hoffnungen der Menschen gründeten sich auf die Stabilität eines friedlichen Miteinanders und auf eine soziale Marktwirtschaft. Dies war der Zeitgeist in der Gründungsphase von EuroNatur. Offensichtlich stehen wirtschaftliche Interessen heute mehr denn je im Vordergrund. Die Liberalisierung der Märkte lässt den Naturschutz zur Randnotiz verkommen. Aber nicht nur der Naturschutz leidet unter der Priorisierung von Partikularinteressen, sondern auch die europäische Idee. Etliche Mitgliedstaaten der EU wollen zwar alle ökonomischen Vorteile des Binnenmarkts für sich nutzen, sind aber kaum bereit, europäische Gesetzgebung zu respektieren, geschweige denn die europäische Integration weiter voranzutreiben. Eine der zentralen Forderungen von EuroNatur war und ist, dass es neben einer Wirtschaftsunion auch eine Umwelt- und Sozialunion geben muss. Nun, im Jahr 2017, müssen wir konstatieren, dass die Belange des Naturschutzes auf dem Papier deutlich besser dastehen als in der Realität. Ein Beispiel hierfür: Zahlreiche Großschutzgebiete wurden, auch auf unseren Vorschlag hin, ausgewiesen. Aber bis heute sind die personelle Ausstattung und das Management in diesen Schutzgebieten so mangelhaft, dass sich die Situation für Natur und bedrohte Arten trotz Schutzstatus weiter verschlechtert. Hinzu kommt, dass selbst Schutzgebiete keinen Schutz mehr vor dem rasanten Verbrauch von Natur und Landschaft bieten. Rund ein Drittel der geplanten Wasserkraftwerke auf dem Balkan soll in Naturschutzgebieten entstehen.  

Bedeutet das auch einen Kurswechsel für EuroNatur?

Die großen gesellschaftspolitischen Veränderungen der letzten Jahre machen aus meiner Sicht eine Ergänzung der Arbeitsweisen von EuroNatur erforderlich.  Wir müssen als Anwalt für Europas Natur noch viel deutlicher Stellung beziehen und müssen die Auseinandersetzung mit den Profiteuren der Ausbeutung der Natur noch intensiver führen. Denn vielfach fehlt ganz offensichtlich der politische Wille zur Erhaltung unserer Lebensgrundlagen und zum Schutz des europäischen Naturerbes.

Warum muss es EuroNatur weiterhin geben und auf welche bewährten Ansätze wird die Stiftung auch in Zukunft bauen?

Natur ohne Grenzen, das war der erste Slogan von EuroNatur und dafür steht die Stiftung. Auch 30 Jahre später hat er an seiner Gültigkeit nichts eingebüßt. Es reicht nicht aus, sich nur um seinen eigenen Vorgarten zu kümmern. Wir wollen uns weiterhin, und in Zukunft sogar noch stärker, darauf konzentrieren, zivilgesellschaftliche Strukturen zu stärken, insbesondere im Süden und Osten Europas. Nichtregierungsorganisationen, die sich für Natur und Umwelt einsetzen, sind ein zwingendes Erfordernis, um das europäische Naturerbe dauerhaft zu erhalten. Darüber hinaus wollen wir entscheidend daran mitwirken, eine europäische Öffentlichkeit zu schaffen.



Sie wollen helfen?

Spende

Zukunft braucht Natur. Wir setzen uns für sie ein. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen. Mit Ihrer Spende leisten Sie einen wirkungsvollen Beitrag für eine lebenswerte Umwelt.

Fördermitgliedschaft

EuroNatur setzt auf langfristig angelegte Naturschutzprojekte statt Schnellschüsse. Mit Ihren regelmäßigen Spendenbeiträgen geben Sie uns die dafür nötige Planungssicherheit.

10 Errungenschaften aus 30 Jahren Naturschutzarbeit

Solide Substanz

EuroNatur steht mittlerweile finanziell auf soliden Beinen und hat sich das Ansehen eines kompetenten, verlässlichen Naturschutzpartners aufgebaut: Von damals 150.000 D-Mark ist das Stiftungskapital auf rund fünf Millionen Euro angewachsen.

Starkes Partner-Netzwerk

EuroNatur hat ein weitreichendes internationales Netzwerk aus Partnern aufgebaut. Wir arbeiten mit mehr als 300 Wissenschaftlern, Naturschutzpraktikern und Umweltexperten in 19 Ländern Europas zusammen.

Schutzgebiete für die Natur

Seit der Gründung im Jahr 1987 hat EuroNatur eine bedeutende Fläche wertvoller Naturgebiete durch Kauf oder Pacht vor der Zerstörung gesichert. In über 15 europäischen Ländern haben wir wesentliche Beiträge zur Einrichtung von Großschutzgebieten geleistet.

Rückgrat für das Grüne Band

Entlang des einstigen Eisernen Vorhangs finden sich einige der wertvollsten Perlen des europäischen Naturerbes. Seit 2003 setzen wir uns gemeinsam und grenzübergreifend mit unseren Partnerorganisationen für ihren Erhalt ein.

Rettung von Spaniens Bären

Mitte der 1990er Jahre war die Situation der Braunbären im Kantabrischen Gebirge dramatisch: Sie standen am Rande des Aussterbens. Dank verschiedener Schutzmaßnahmen streifen heute wieder über 200 Petze durch Spaniens Norden.

Bahn frei für Polens Wölfe

Kurz nach der Jahrtausendwende lebten im Westen Polens nur einige wenige Wölfe - trotz optimaler Bedingungen. Mittlerweile leben wieder mehr als 40 Wolfsrudel in der Region. Sie bilden die wichtigste Quelle für die Zuwanderung von Wölfen nach Deutschland.

Kampf gegen die Vogeljagd

Nach wie vor ist die östliche Adria eine Todesfalle für Zugvögel. Durch unsere beharrliche Arbeit hat sich die Situation jedoch deutlich verbessert: Mittlerweile existiert ein Netzwerk aus qualifizierten Vogelschützern, welche die Tiere im Blick haben.

Ehrenbürger Weißstorch

Mit der Initiative der „Europäischen Storchendörfer“ hat EuroNatur eine wachsende Allianz für den Schutz von Meister Adebar geschaffen. Seit 1994 zeichnen wir ausgewählte Gemeinden aus und stärken deren positive Ansätze im Storchenschutz.

Hoffnung für das Blaue Herz

Vor Beginn der Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ sprach niemand darüber, welcher Staudamm-Tsunami auf die Balkanflüsse zurollt. Dabei stehen die letzten intakten Flusslandschaften unseres Kontinents auf dem Spiel.

Kein Korsett für die Save

Für die Save haben wir letztes Jahr einen wichtigen Etappensieg errungen. Ihr Ausbau für die Schifffahrt zwischen Sisak in Kroatien und Brcko im angrenzenden Bosnien-Herzegowina konnte verhindert werden - das Naturjuwel darf hier weiter frei fließen.

Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Zur Datenschutzerklärung