Kranichschutz in Europa

Tanzende Frühlingsboten

<p> </p><p> </p><p> </p><p>                Schwarm Kraniche fliegend und stehend</p><p> </p><p> </p><p> </p>
© Dietmar Nill

In vielen Kulturen gelten Kraniche seit jeher als Glücksvögel. Mit ihrer Rückkehr aus den Überwinterungsgebieten kündigt sich das Frühjahr an: Die Temperaturen steigen, die Tage werden wieder länger und die Natur erwacht zu neuem Leben. Auch bei den Kranichen herrscht auf der Heimreise in die Brutgebiete Frühlingsstimmung. An den großen Rastgebieten ist die Luft erfüllt von den trompetenartigen Rufen der eleganten Großvögel. Die Balzzeit steht bevor. Schon während der Frühjahrsrast führen einzelne Kraniche ihre eindrücklichen „Tänze“ auf: Sie rennen im Kreis und im Zickzack, springen mit ausgebreiteten Flügeln in die Luft, stoßen dabei laute Rufe aus und werfen mit dem Schnabel Pflanzenteile und andere Objekte in die Luft. 

Wo ziehen Kraniche
Die europäischen Brutpopulationen ziehen auf drei unterschiedlichen Routen in ihre Überwinterungsgebiete. Kraniche aus Brutgebieten in Finnland, Polen, dem Baltikum, Weißrussland und der Ukraine nutzen hauptsächlich die Zugroute, die von Ungarn über den Balkan und die Adria nach Tunesien geht (Adria-Zugweg). Eine zweite Zugroute teilt sich schon hoch im Norden und führt aus dem Westen Russlands und Osten Lettlands über die Krim, das Schwarze Meer nach Israel und Äthiopien (Östlicher Zugweg). Die westeuropäische Route, der sogenannte Atlantikzugweg, führt Kraniche aus skandinavischen Brutgebieten über Deutschland und Frankreich nach Spanien und Nordafrika. Je nach Tradition der Altvögel können zum Beispiel Vögel aus Estland auf allen drei Zugrouten in ihr Winterquartier fliegen.

Wodurch sind Kraniche in Europa bedroht
Kraniche sind als Bodenbrüter vielen Gefahren ausgesetzt. Um sich und ihre Jungen vor Fressfeinden zu schützen, bauen sie ihre Nester in seichten Gewässern wie Sumpfwäldern oder verlandeten Seen und Teichen. In den vergangenen Jahrzehnten fielen jedoch viele Feuchtgebiete dem steigenden Flächenbedarf der intensiven Landwirtschaft und dem Bau von Siedlungen zum Opfer. Nicht nur in den Brutgebieten macht sich dieser zunehmende Verlust von Lebensräumen bemerkbar. Insbesondere entlang des Adria-Zugwegs fehlen ungestörte Rastplätze, wo die Kraniche neue Energien für den anstrengenden Weiterflug tanken können. In den vergangenen 60 Jahren sind an der Adria-Ostküste 80 Prozent der Feuchtgebietsflächen stark beeinträchtigt oder zerstört worden. Hinzu kommt, dass sich in den wenigen intakten Rastgebieten auf dem Westbalkan jedes Jahr Scharen von Vogeljägern konzentrieren und die erschöpften Tiere gnadenlos abschießen.

Fotogalerie

Zum Öffnen der Galerie klicken Sie bitte auf eines der Bilder.

Was macht EuroNatur?

  • Rastgebiete erhalten: Wir setzen uns für die Ausweisung von Schutzgebieten entlang des Zugwegs der Kraniche ein und entwickeln wirksame Schutzkonzept für ein grenzübergreifendes Netz von sicheren Rastplätzen. Beispiele sind Slano Kopovo in Serbien und Livanjsko Polje in Bosnien. 
  •  
  • Vogeljagd bekämpfen: Wir machen Druck auf die Entscheidungsträger in den betroffenen Ländern, wirksame Maßnahmen gegen die Vogeljagd zu ergreifen.
  •  
  • Alternativen entwickeln: Der Naturtourismus ist eine attraktive Alternative zu Vogeljagd und Lebensraumzerstörung. Gemeinsam mit unseren Partnern entwickeln wir naturtouristische Konzepte für die Kranichrastgebiete an der östlichen Adria. Grundlage dafür ist der großer Erfolg von Angeboten zur Vogelbeobachtung an den großen deutschen Kranichrastplätzen.
  •  
  • Kranichlebensräume schützen: In Modellprojekten, wie zum Beispiel in der Extremadura und in den Save-Auen, zeigen wir, wie sich landwirtschaftliche Nutzung und der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen der Kraniche vereinbaren lassen.
  •  
  • Gesetzliche Grundlagen verbessern: Mit naturschutzpolitischer Lobbyarbeit machen wir uns für eine naturverträgliche Landwirtschaft stark, die auch den Kranichen ausreichend Lebensraum bietet.
  •  
  • Kranichbestände im Auge behalten: Gemeinsam mit unseren Partnern erfassen wir regelmäßig die Bestände der Kraniche in Südosteuropa. Damit schaffen wir eine wichtige Grundlage, um geeignete Schutzmaßnahmen für die Kraniche zu entwickeln und den Erfolg dieser Maßnahmen zu kontrollieren. 

EuroNatur-Projekte zum Schutz der Kraniche in Europa

Mehr erfahren

Sehen Sie unseren Kurzfilm zum Adria-Zugweg: Adriatic Flyway (Englisch)

Zum YouTube-Kanal

Mitmachen und dabei sein - werden Sie aktiv:

Spende

Jeder Euro für die Natur zählt! Mit Ihrer Spende leisten Sie einen wirkungsvollen Beitrag zum Schutz von Europas Zugvögeln. Bitte nutzen Sie Ihre Möglichkeiten, um zu helfen.

Zugvogelpatenschaft

Der Vogelzug ist ein unvergleichliches Naturspektakel. Doch illegale Jagd und die Zerstörung von Rastgebieten gefährden die Vögel. Helfen Sie, ihre Reise sicherer zu machen.

Aktuelles

Mönchsgeier in Ungarn erschossen

In Ungarn wurde ein Mönchsgeier abgeschossen, der aus dem bulgarischen Wiederansiedlungsprogramm stammte, an dem sich auch EuroNatur beteiligt. Dies...

EU-Gelder für Naturzerstörung?

Seit Jahren kämpfen EuroNatur und ihre Partnerorganisationen gegen das umstrittene Wasserkraftwerk Mokrice an der Save. Über das Hintertürchen der...

Albanisches Vogelparadies durch Flughafenbau gefährdet

++ In der Narta-Lagune an der Adria soll ein Flughafen gebaut werden ++ Rastgebiet von internationaler Relevanz für Hunderttausende Wasservögel ++ Am...

Webinar zu Rechtsinstrumenten im Flussschutz

Um die Entwicklung der Wasserkraft in Europa rasch voranzutreiben, werden verpflichtende Rechtsverfahren und Vorgaben zur...

Schon ein Damm kann den Fluss zerstören

Eine jüngst erschienene Studie stellt den hohen Wert des Vjosa-Flusssystems in Albanien als eines der wenigen verbliebenen Referenzgebiete für...

Naturschützer fordern politische Unterstützung aus der EU für Vjosa-Nationalpark in Albanien

++ Der neue Slogan „Vjosa National Park Now“ ist ein Appell, Europas letzten großen Wildfluss zu schützen ++

NGOs: Europäische Wiederaufbaugelder lassen die Natur links liegen

EU-Aufbauprogramme im Zuge der Corona-Krise lesen sich weitestgehend ohne Berücksichtigung von Natur- und Klimaschutzzielen

Albanien vor der Wahl: Nationalpark oder Zerstörung der Vjosa

Die Zukunft von Europas größtem unberührten Fluss steht auf dem Spiel

Bärenmutter in Montenegro ermordet

In Montenegro haben Wilderer das Muttertier von zwei jungen Braunbären erschossen – ein besonders dramatischer Fall von Wildtierkriminalität im Land,...

Vjosa: Umweltverbände legen Antrag für Europas ersten Wildfluss-Nationalpark vor

++ Wegen Tatenlosigkeit der albanischen Regierung werden nun die Naturschutzorganisationen aktiv ++ Vjosa-Nationalpark könnte 2023 Realität werden ++

Insektenschutz: Bundesregierung muss sich zur Umsetzung ihrer eigenen Beschlüsse bekennen

Gesetzespaket ist dringend notwendiger Schritt für mehr Insektenschutz

 

Wertvolle Moore in Polen durch Bergbaupläne in Gefahr

Das australische Unternehmen Balamara will in der polnischen Region Lubelskie Kohle abbauen. Das ist nicht nur schlecht fürs Klima, sondern bedroht...

Machtwechsel in Montenegro bringt neue Hoffnung für Saline Ulcinj

++ Montenegros neue Regierung will Saline Ulcinj effektiv schützen ++ Am 2. Februar ist Weltfeuchtgebietstag ++ Ramsar-Konvention feiert 50-jährigen...

Kein grünes Licht für Kleinwasserkraft in der EU-Finanztaxonomie

Gemeinsam mit über 130 NGOs und Experten fordert EuroNatur die Europäische Kommission auf, im Kampf gegen die Klimakrise auf die Wissenschaft zu...