Grenzübergreifender Kranichschutz

Glücksbringer unter Beschuss

© Bruno Dittrich
© Bruno Dittrich

Der Kranich ist ein gutes Beispiel für die unterschiedliche Situation der Zugvögel in Europa: Während in Mittel-, Nord- und Westeuropa die Kranichbestände aufgrund der umfangreichen Schutzmaßnahmen stabile Bestände aufweisen, zeigen Vogelzählungen in Südosteuropa einen stetigen Abwärtstrend dieser Art. Neben dem zunehmenden Lebensraumverlust sorgt vor allem die Vogeljagd für den Rückgang der Kraniche auf dem Balkan. 

Mit dem Wind nach Westen
Langzeitstudien stellten fest, dass dieser Mangel an sicheren Rastplätzen allmählich zu einer Veränderung des Zugverhaltens führt. So fliegen immer mehr Kraniche aus dem östlichen Mitteleuropa nach Westen anstatt über die gefährlichere Adria-Zugroute (auch Baltisch-Ungarische-Adria-Zugroute) nach Süden zu ziehen.

Sicherheitsnetz weben
Damit der großartige Zug der Kraniche über die Adria nicht schon bald der Vergangenheit angehört und sich die Kraniche nicht mehr und mehr auf dem Atlantik-Zugweg konzentrieren, sind umfassende Schutzmaßnahmen für den Schutz der Zugvögel in Südosteuropa dringend notwendig. Gemeinsam mit seinen Partnern setzt sich EuroNatur dafür ein, ungestörte und intakte Rastplätze entlang der Adria-Zugroute zu schaffen und zu erhalten.

Wo macht sich EuroNatur zum Schutz der Kraniche stark?
Im Mittelpunkt der Projektaktivitäten von EuroNatur stehen die Hauptrastplätze entlang der Adria-Zugroute: das Feuchtgebiet Slano Kopovo in Serbien, das Karstgebiet Livanjsko Polje in Bosnien, das Neretva-Delta im Grenzgebiet zwischen Kroatien und Bosnien-Herzegowina sowie den Skutari-See und das Bojana-Buna-Delta an der Grenze zwischen Montenegro und Albanien. Darüber hinaus setzt sich EuroNatur auch auf politischer Ebene für den grenzübergreifenden Schutz der Kraniche ein.

Was machen EuroNatur und seine Partnerorganisationen?

  • Kranichbestände im Auge behalten: In den wichtigen Rastgebieten entlang des Adria-Zugroute werden Beobachtungen der durchziehenden und überwinternden Kraniche gesammelt und ausgewertet. 
  • Wissen vernetzen: Wir arbeiten mit Naturschutzorganisationen, Ministerien oder Universitäten aus zahlreichen europäischen Ländern zusammen, um Erkenntnisse zum Zug und den Beständen der europäischen Kraniche regelmäßig auszutauschen. In der Europäischen Kranich-Arbeitsgruppe vertritt EuroNatur kommissarisch die Belange der Balkan-Staaten.
  • Ungestörte Rastplätze schaffen: Kroatien, Montenegro und Serbien, aber auch Albanien und Bosnien-Herzegowina streben eine EU-Mitgliedschaft an. Wir unterstützen unsere Partnerorganisationen vor Ort dabei, das EU-Schutzgebietsnetz Natura 2000 an der östlichen Adria sorgfältig vorzubereiten und setzen uns für die Ausweisung von Jagdbanngebieten ein.
  • Wirksame Schutzkonzepte entwickeln: Wir erarbeiten Maßnahmen, um die wertvollen Rastgebiete der Kraniche langfristig und auch grenzüberschreitend zu erhalten. 
  • Alternativen zur Naturzerstörung aufzeigen: Die östliche Adriaküste bietet mit ihren klaren Karstseen und ausgedehnten Feuchtgebieten attraktive Urlaubsziele. Der Naturtourismus - speziell die Vogelbeobachtung - bietet eine Alternative zur Lebensraumzerstörung. 

Was wir bereits erreicht haben – Eine Auswahl wichtiger Erfolge:

  • Die Forschungsergebnisse, die EuroNatur gemeinsam mit Partnerorganisationen im Rahmen der langjährigen Arbeit im Zugvogelschutz auf dem Balkan gewonnen hat, lieferten erstmals belastbare Daten zum Zug der Kraniche über die Balkanhalbinsel. Mit diesen Daten konnte EuroNatur eindrücklich darstellen, welchen Gefahren die Kraniche in Südosteuropa ausgesetzt sind.
  • Auf Grund des Berichtes von EuroNatur verabschiedeten die Teilnehmer der Europäischen Kranichtagung im Oktober 2010 eine Resolution zum Schutz der Kraniche auf dem Balkan. Darin forderten sie die Regierungen und Jagdverbände von Albanien, Bosnien, Kroatien und Montenegro auf, sichere Rastplätze auf dem Zugweg zwischen der ungarischen Tiefebene und Afrika einzurichten.
  • Die erarbeiteten Biotopkarten und Bestandsdaten ermöglichten es, detaillierte Schutzkonzepte für neu ausgewiesene Schutzgebiete vorzuschlagen.

Sehen Sie unseren Kurzfilm zum Adria-Zugweg: Adriatic Flyway (Englisch)

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