Steckbrief Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus)

Verbreitung

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© Joachim Mahrholdt

Ursprünglich besiedelten die Mönchsrobben ein weites Verbreitungsgebiet, welches das Schwarze Meer, das gesamte Mittelmeer und den Atlantik von Portugal über die Azoren, Madeira und die Kanaren bis Senegal umfasste. Die Bestände sind in den letzten 100 Jahren stark zusammengeschrumpft. Nennenswerte Verbreitungsgebiete sind das Ionische Meer, die Ägäis, Zypern sowie die Küste der Türkei und kleine Bereiche im Atlantik.
Die genauen Bestandszahlen sind allerdings schwer zu erfassen. Dies gilt vor allem für die Robben der kleinen, weit zerstreuten Kolonien im Mittelmeer. Darum handelt es sich bei Bestandzahlen einzelner Regionen fast immer um grobe Schätzungen. Nur in einigen Gebieten, zum Beispiel im Meeresnationalpark „Nördliche Sporaden“ (Griechenland), kennt man durch langjährige Untersuchungen genauere Bestandszahlen der Robben.
Der Gesamtbestand beträgt nach ernsthaften Schätzungen derzeit weltweit etwa 700 Individuen,
aufgeteilt auf drei oder vier stark fragmentierte Subpopulationen. Jüngst wird die Ausbreitung nach Israel, Libyen, Zypern und Italien beobachtet, sporadische Vorkommen und Sichtungen sind auch aus Albanien, Kroatien, Ägypten, Libanon, Spanien und Syrien bekannt. Die geringen Bestandszahlen machen die Mittelmeer-Mönchsrobbe zusammen mit ihrer engsten Verwandten, der Hawaii-Mönchsrobbe zu den seltensten Robbenarten der Erde.
 

Hinweise zur Karte:
Datenquelle: Monachus Guardian, Ocean Care, eigene Erhebungen
Die dargestellten Gebietsgrenzen geben nur die derzeit bekannten Kernverbreitungsgebiete an. Einzeltiere und kleinere Populationen können auch außerhalb dieser Gebiete vorkommen.

Fotogalerie

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Lebensraum

Einzelne Beobachtungen zum Verhalten von Mönchsrobben und historische Quellen lassen vermuten, dass Mönchsrobben ursprünglich alle Küstenstreifen ihres Verbreitungsgebietes besiedelt haben. Da die Mönchsrobben durch die jahrhundertelange Verfolgung sehr menschenscheu geworden sind, haben sie sich auf wenige abgelegene und unzugängliche Küstenabschnitte zurückgezogen. Dabei handelt es sich meist um kleine Buchten oder Felsküsten, in denen Grotten liegen. In diesen Höhlen, die zum Teil nur tauchend erreicht werden können, die für die Rast und für die Aufzucht der Jungen genutzt werden.

Körpermerkmale

Die Mittelmeer-Mönchsrobbe ist mit einem geschätzten Gewicht von 250 bis 300 kg und einer Körperlänge (Kopf-Rumpf-Länge) von durchschnittlich 2,40 Metern eine mittelgroße Robbe. Die weiblichen Tiere sind im Allgemeinen etwas kleiner. Sie haben ein kurzes Fell, das unterschiedliche Schattierungen aufweisen kann. Nach dem ersten Haarwechsel zeigt das Fell eine meist (dunkel)braune oder graue Färbung, wobei die Bauchseite heller ist, bzw. einen großen weißen Fleck aufweist. Auch weitere helle Flecken am Körper sind nicht ungewöhnlich.

Lebenszyklus

Mönchsrobben können das ganze Jahr über Junge bekommen, die meisten werden aber im September und Oktober geboren. Nach einer Tragzeit von etwa neun bis elf Monaten wird an einem geschützten Platz in der Regel ein Junges geboren. Die Neugeborenen sind etwa ein Meter lang (Literaturangaben nennen 80 bis 103 cm). Sie wiegen durchschnittlich 16–18 kg, können aber bis 30 kg schwer sein. Mindestens zwei Wochen bleiben die Jungen an Land und werden gesäugt. Nach zwei bis sechs Wochen folgen sie den Eltern ins Wasser. Das Ende der Säuglingszeit wird mit einem Alter von 16 bis 17 Wochen angegeben. Die Jungen bleiben bis zu drei Jahren bei der Mutter und werden im Alter von 2,5 (Weibchen) bis 6 Jahren geschlechtsreif. Die Weibchen können jährlich Junge zu Welt bringen. Mönchsrobben können ungefähr 30 Jahre alt werden..

Verhalten

Über die Lebensgewohnheiten der Mittelmeer-Mönchsrobbe ist nur sehr wenig bekannt. Aus Untersuchung des Mageninhaltes weiß man, dass sie sich von vielerlei Fischen, Tintenfischen und Krebsen ernährt. Die Mönchsrobbe jagt allein und scheint dabei ihr Tauchverhalten an die Gegebenheiten ihrer Umwelt anzupassen. Bei Mönchsrobben bei Capo Blanco (Mauretanien) wurden maximale Tiefen von 100 Metern (Männchen) und 78 Metern (Weibchen) und maximale Tauchlänge von 15 min gemessen. Im Mittelmeer konnten wesentlich tiefere Tauchgänge (bis zu 205 Meter Tiefe) beobachtet werden. Wahrscheinlich um den Kontakt zu Menschen zu vermeiden, ruhen Mänchsrobben in geschützten, ungestörten Höhlen und gehen bevorzugt nachts auf Beutefang. Die Tiere leben einzeln oder in kleinen Gruppen.

Mönchsrobben können sich durch Jaulen und Bellen miteinander verständigen. Im Gegensatz zu vielen anderen Robbenarten unternehmen die Mönchsrobben keine weiten Wanderungen, sondern halten sich in der Regel ganzjährig vor den ihnen vertrauten Küstenabschnitten auf. In Einzelfällen konnte Wanderverhalten beobachtet werden; die weiteste dokumentierte Distanz beträgt ca. 288 Kilometer in einem Zeitraum von drei Monaten mit einer maximalen direkten Distanz von 78 Kilometer.

Gefährdung/ Schutzstatus

Zu allen Zeiten haben Menschen Mönchsrobben gejagt – um ihr Fleisch zu essen, das Fett in Lampen zu verbrennen und sich mit dem Fell vor der Kälte zu schützen. Der erste Nachweis massiver Ausbeutung kommt aus dem 15. Jahrhundert, als die Portugiesen entlang des Afrikanischen Atlantiks schätzungsweise 5.000 Robben töteten.

Heute gibt es eine Vielzahl von Gefährdungsfaktoren, die dazu geführt haben, dass die Mönchsrobbe 1985 von der International Union for the Conservation of Nature (IUCN) zu einer der zwölf weltweit am meisten bedrohten Tierarten erklärt worden ist. Die Gefährdungen haben ihre Ursachen in:

  • Störungen des Lebensraumes bzw. Lebensraumvernichtung
  • Jagd bzw. direkter Verfolgung
  • Unabsichtlicher Fang in Fischernetzen
  • Nahrungsmangel
  • Meeresverschmutzung
  • Krankheiten und Vergiftungen
  • mangelnder politischer Bereitschaft, Schutzmaßnahmen umzusetzen

Weitere Informationen zur Mittelmeer-Mönchsrobbe, insbesondere zur Gefährdungslage und zu den Schutzbemühungen, entnehmen Sie diesem Fact-Sheet zu Monachus monachus.

Schutz der Mittelmeer-Mönchsrobben: Die Letzten ihrer Art

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