Keine Autobahn im Moor

Erfolgsnachrichten aus Polen. Seit Ende März 2009 ist es offiziell: Der Ausbau der Schnellstraße „Via baltica“ im Nordosten Polens wird nicht entlang der ursprünglich vorgesehenen Route erfolgen. Die geplante Trasse wäre durch das Rospuda-Tal und damit direkt durch ein wertvolles Natura 2000-Gebiet verlaufen.

Die Alternativroute der Via baltica ist auch ein Erfolg für den Schutz des seltenen Blaukehlchens. © Dietmar Nill

Stattdessen wurde nun eine naturverträgliche Variante ausgewählt, die das Rospuda-Tal westlich umfährt und somit unangetastet lässt. Auch die fünf ansonsten betroffenen NATURA-2000-Gebiete sind nach der Entscheidung der polnischen Regierung für die Alternativroute außer Gefahr.

Nach massiven Protesten von Naturschutzorganisationen, darunter EuroNatur, war die Europäische Kommission im Sommer 2007 aktiv geworden. Sogar der Europäische Gerichtshof wurde eingeschaltet – schließlich handelte es sich bei den Planungen um einen klaren Verstoß gegen europäisches Naturschutzrecht. Doch die entscheidende Wende im Fall „Via baltica“ kam erst mit dem Regierungswechsel in Polen Ende 2007. Maciej Nowicki wurde zum Umweltminister ernannt – ein Gewinn für den Naturschutz. Denn Nowicki war nicht nur jahrelanger Präsident der polnischen Stiftung EkoFundusz, sondern ist als Kurator auch eng mit EuroNatur verbunden. Gemeinsam mit dem naturschutzpolitischen Direktor der Stiftung, Lutz Ribbe, ist Nowicki Autor des Buches „Grüne Nachbarschaft – Polen“, in dem Möglichkeiten für eine nachhaltige Entwicklung Polens aufgezeigt werden.

In zahlreichen Diskussionsrunden suchte Maciej Nowicki gemeinsam mit den Bürgern vor Ort, den Regionalverwaltungen und seinen Kollegen aus dem Verkehrs- und Infrastrukturministerium nach Alternativen zur umstrittenen Trassenführung. Die Entscheidung der polnischen Regierung sichert nun Lebensraum für Wölfe, Luchse und Elche sowie wichtige Brutgebiete von Schelladler, Blaukehlchen undSeggenrohrsänger. Zusätzlich bedeutet die Entscheidung auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Schließlich besteht ein großer Teil des Tales aus bestens erhaltenen Niedermooren. Ihre Zerstörung hätte den Verlust wertvoller CO2-Speicherkapazität bedeutet und  innerhalb kurzer Zeit große Mengen an Treibhausgasen freigesetzt.

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