Nahrung für Aasfresser

Hilfe für "tierische Gesundheitspolizei"

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Nutztierkadaver sind auf Europas Weiden heute Mangelware. Die Leidtragenden sind Bären und andere Wildtiere.

© Bruno Dittrich

Viele Tierarten, die sich ganz oder teilweise von Aas ernähren, wurden über Jahrhunderte gezielt verfolgt und in weiten Teilen Europas ausgerottet. Dazu gehören alle vier in Europa vorkommenden Geierarten (Bart-, Gänse-, Mönchs- und Schmutzgeier), verschiedene Greifvogelarten, aber auch Wolf und Bär. Dank intensiver Wiederansiedlungs- und Schutzprogramme konnten insbesondere die Geier einige ihrer früheren Lebensräume wieder zurückerobern.



Nahrungsgrundlage entzogen
Dennoch ist das langfristige Überleben vieler Aasfresser weiterhin gefährdet: Durch den Rückgang traditioneller und naturfreundlicher Landwirtschaftsmethoden wie der Wanderweidewirtschaft (Transhumanz) und durch das Höfesterben in den Bergregionen Europas haben diese „tierischen Gesundheitspolizisten“ schon länger unter einem zunehmenden Mangel an Nutztierkadavern zu leiden.

 

Nulldiät verordnet
Deutlich verschärft wurde die Situation durch die EU-Verordnung 1774, die im Zuge der BSE-Krise verabschiedet wurde und 2002 in Kraft trat. Seit der Einführung dieser Verordnung war es Viehhaltern selbst in den entlegensten Bergregionen Europas verboten, Tierkadaver der Natur zu überlassen. Insbesondere in Spaniens Bergregionen hatte das zu großen Problemen für Bären und Geier geführt. 

Gemeinsam mit der spanischen Naturschutzorganisation Fapas und weiteren Partnern hat sich EuroNatur dafür eingesetzt, diese Verordnung so zu reformieren, dass der Verbraucherschutz gewahrt bleibt, aber auch die Wildtiere eine Chance bekommen. 


Was haben EuroNatur und seine Partner im Einzelnen gemacht:

  • Wissensgrundlagen erstellt: EuroNatur-Partner Fapas hat in einer Fallstudie die Auswirkungen des Kadavermangels auf die Bärenpopulationen untersucht. Die Studie zeigte, dass insbesondere Bärenmütter auf Aas angewiesen sind, wenn sie im Frühjahr aus der Winterruhe erwachen.
  • Alternativen aufgezeigt: Auf Grundlage der Fallstudie hat EuroNatur ein Positionspapier erarbeitet. Darin konnte die Stiftung darlegen, dass geringfügige Änderungen des Regelwerks die Situation der betroffenen Arten erheblich verbessern würde.
  • Druck ausgeübt: Mit der Fallstudie und dem Positionspapier haben sich EuroNatur und Fapas an die Europäische Union gewandt, um eine bessere Gesetzgebung im Sinne des Artenschutzes zu erreichen.

Was konnten wir bisher erreichen:

  • EuroNatur und Fapas konnten klar nachweisen, dass Nutztierkadaver, die auf traditionellen Futterplätzen in entlegenen Gebieten ausgebracht werden, keine Gefahr für die Bevölkerung darstellen.
  • Das Europäische Parlament hat die Ergebnisse der Fallstudie und konkrete Änderungsvorschläge der Naturschutzverbände aufgegriffen und in seinem Beschluss zur neuen EU-Hygieneverordnung am 24. April 2009 weitgehend übernommen. Mit der Veröffentlichung im offiziellen Amtsblatt der EU am 14.November 2009 wurde die überarbeitete Verordnung rechtskräftig.
  • Im Februar 2011 hat die EU-Kommission nun eine präzise Durchführungsverordnung erlassen, in der allen von EuroNatur erhobenen Forderungen Rechnung getragen wird. Mit dem neuen Regelwerk ist nun die Grundlage geschaffen, extensive Beweidungssysteme einfacher umzusetzen und somit auch die Nahrungsgrundlage für aasfressende Tierarten zu sichern.


Was bleibt zu tun:

  • Umsetzung überwachen: Nach dem die Europäische Union die EU-Hygieneverordnung überarbeitet hat, müssen die zuständigen nationalen Behörden, die Vorgaben aus Brüssel umzusetzen. EuroNatur und Fapas werden die Situation weiter im Blick behalten.
  • Für Nachschub sorgen: Mitarbeiter von Fapas legen regelmäßig an bestimmten Futterplätzen Kadaver für Aasfresser wie Gänsegeier aus.
  • Vorbilder stärken: EuroNatur unterstützt Modellprojekte, die extensive Beweidungssysteme wie die Wanderweidewirtschaft (Transhumanz) nutzen. Damit schaffen wir eine wichtige Grundlage dafür, dass Wildtiere wie auch die Aasfresser ausreichend Lebensraum und Nahrung in der Kulturlandschaft finden. 


Partner: FAPAS (Fondo para la Protección de los Animales Salvajes, Stiftung für den Schutz der Wildtiere)
Förderung: Heidehof-Stiftung 


 

Positionspapier „Futter für Aasfresser" von EuroNatur und Fapas

Zum Download (2 MB)

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