Blaues Herz in Brüssel

Der Ausbau alternativer Energiequellen auf dem Balkan darf nicht auf Kosten der Flüsse gehen (im Bild Fluss Tara in Montenegro). © Riverwatch

Die Balkanflüsse erhielten diese Woche wertvolle Aufmerksamkeit. Im Rahmen der Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ brachten EuroNatur und Riverwatch am 29. Juni in Brüssel nationale und internationale Interessensvertreter an einen Tisch – von Nichtregierungsorganisationen über Energieversorgungsunternehmen und Finanzinstitute bis hin zu Vertretern aus EU-Parlament und EU-Kommission. Gastgeberin der Konferenz war die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Ulrike Lunacek (Die Grünen/Europäische Freie Allianz).

Derzeit droht der Balkanhalbinsel unter dem Deckmantel der „grünen Energiegewinnung“ ein wahrer Staudamm-Tsunami. Dieser würde einzigartige Flusslandschaften zerstören, die nach EU-Kriterien besonders schützenswert sind. Mit Unterstützung von internationalen Banken und Firmen, zum Teil aus Mitgliedsstaaten der EU, hat die Zerstörung sogar schon begonnen.

Ulrike Lunacek, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments und Delegationsleiterin der österreichischen Grünen im EP äußert sich besorgt gegenüber den Staudamm-Projekten entlang der Vjosa, dem letzten unregulierten Wildfluss Europas.

„Während EU-Länder gefordert sind, die Vorgaben der Wasserrahmen-Richtlinie der EU zu erfüllen, werden am Westbalkan diese Kriterien bisher eingehalten bzw. teilweise sogar übertroffen. Dieser Vorsprung und Vorteil der Westbalkanstaaten, darunter an vorderster Stelle Albanien, darf nicht durch diesen geplanten Kraftwerks-Boom leichtfertig aufgegeben werden.“

Die zentrale Forderung seitens EuroNatur und Riverwatch: Ein Masterplan, der "No-Go-Areas" für neue Wasserkraftprojekte definiert. Das sind Flüsse und Flussabschnitte, die aus ökologischer, kultureller und sozialer Sicht auf keinen Fall verbaut werden dürfen. Wasserkraftwerke dürften dann nur in sorgfältig ausgewählten Flussabschnitten entstehen.

„Mit der Veranstaltung wollten wir Bewusstsein für die Schönheit und die Bedrohung der Balkanflüsse durch den Wasserkraftboom schaffen. Gleichzeitig wollten wir einen Austausch zwischen den verschiedenen Interessensvertretern anstoßen. Das ist sichtbar geglückt. Vor allem EU-Kommission und -Parlament wollen künftig stärker dafür sorgen, dass der Ausbau alternativer Energiequellen auf dem Balkan nicht auf Kosten der Flüsse geht“, sagt Theresa Schiller, Projektleiterin der Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ bei EuroNatur.

Mehr über die Kampagne "Rettet das Blaue Herz Europas"


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